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"War on Women": Prominente gegen strengere US-Abtreibungsgesetze
Panorama 4 Min. 17.05.2019

"War on Women": Prominente gegen strengere US-Abtreibungsgesetze

Auch im Bundesstaat Georgia könnte es bald strengere Abtreibungsgesetze geben.

"War on Women": Prominente gegen strengere US-Abtreibungsgesetze

Auch im Bundesstaat Georgia könnte es bald strengere Abtreibungsgesetze geben.
Foto: AFP
Panorama 4 Min. 17.05.2019

"War on Women": Prominente gegen strengere US-Abtreibungsgesetze

Sarah CAMES
Sarah CAMES
Mit persönlichen Geschichten und Angriffen auf Politiker reagieren immer mehr Prominente auf die geplanten, strikten Abtreibungsgesetze in mehreren US-Bundesstaaten.

Mit persönlichen Geschichten und Angriffen auf Politiker reagieren immer mehr Prominente auf die geplanten, strikten Abtreibungsgesetze in mehreren US-Bundesstaaten.


MONTGOMERY, AL - MAY 15: The Alabama State Capitol stands on May 15, 2019 in Montgomery, Alabama. Today Alabama Gov. Kay Ivey signed a near-total ban on abortion into state law.   Julie Bennett/Getty Images/AFP
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Senat von Alabama stimmt für fast vollständiges Abtreibungsverbot
Auch wenn das Gesetz auf absehbare Zeit nicht in Kraft treten dürfte, Ärzten in Alabama könnten bei Abtreibungen künftig bis zu 99 Jahre Haft drohen.

Der Auslöser für die Welle an Online-Protesten ist ein neues Gesetz, das am Dienstag im Senat von Alabama gestimmt wurde. Das Gesetz würde fast alle Abtreibungen im Bundesstaat unter Strafe stellen. Auch im Falle von Vergewaltigungen oder Inzest dürften Frauen nicht abtreiben und Ärzte würden eine Strafe von bis zu 99 Jahren riskieren, wenn sie trotzdem einen Schwangerschaftsabbruch durchführen würden. Nur wenn akute Gefahr für das Leben von Mutter und Kind bestünde, dürfe nach dem neuen Gesetz eine Schwangerschaft abgebrochen werden.

Lady Gaga hat in diesem Zusammenhang in einem Tweet darauf hingewiesen, dass Ärzte, die unter dem neuen Gesetz Abtreibungen an vergewaltigten Frauen durchführen würden, eine längere Freiheitsstrafe bekämen, als die Vergewaltiger selbst.

In seiner aktuellen Fassung widerspricht der "Alabama Human Life Protection Act", wie das neue Gesetz offiziell heißt, jedoch einem Urteil des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahr 1973, dass Abtreibungen in den USA landesweit erlaubt.


Der umstrittene rechtskonservative Richter Brett Kavanaugh könnte bald Teil des mächtigen Supreme Court sein.
Kulturkampf mit Kavanaugh
Es ist gut möglich, dass Brett Kavanaugh am Wochenende vom Senat als Richter am Obersten US-Gericht bestätigt wird.

Dies ist jedoch Teil der Strategie der generell abtreibungskritischen Republikaner: Ihr Ziel ist es, strengere Abtreibungsgesetze erneut vor den Supreme Court zu bringen, in der Hoffnung, dass "Roe vs. Wade" gekippt werden würde. Die "Washington Post" zitierte die republikanische Abgeordnete und Initiatorin des Gesetzes, Terri Collins, mit den Worten, bei der Maßnahme gehe es darum, das Urteil des Supreme Courts von 1973 in Frage zu stellen: "Das ist der Weg, wie wir dorthin kommen, wohin wir am Ende wollen."

Und die Chancen der Republikaner stehen momentan nicht schlecht. Seit der umstrittene Richter Brett Kavanaugh im Oktober letzen Jahres zum Obersten Gerichtshof konfirmiert wurde, gibt es im Supreme Court eine konservative Mehrheit. Sollte der Supreme Court "Roe vs. Wade" tatsächlich kippen, würden Abtreibungsgesetze wieder zur Staatensache werden.

Milla Jovovich ist eine der prominenten Frauen, die über ihre Abtreibung redete.
Milla Jovovich ist eine der prominenten Frauen, die über ihre Abtreibung redete.
Foto: AFP

Proteste im Netz werden lauter

Seit die Wahrscheinlichkeit, dass Abtreibungen in den USA wieder verboten werden könnten, in greifbare Nähe gerückt ist, werden die Stimmen dagegen immer lauten - auch im Netz. Unter dem Hashtag #youknowme hat die Schauspielerin Busy Phillips auf Twitter eine Plattform für Frauen geschaffen, auf der sie ihre persönlichen Abtreibungs-Geschichten teilen können.


Wieder weiter vorn im Regal: George Orwells düsteres Szenario "1984".
Buchverkäufe nach der Trump-Wahl: Das Comeback der Dystopie
Die Trump-Regierung bemüht "alternative Fakten". Das erinnert an "1984". Doch nicht nur Orwell hat wieder Konjunktur: Der aktuellen Bestsellerliste zufolge liest Amerika zurzeit bevorzugt Dystopien und passende Ratgeber.

Durch die Aktion soll veranschaulicht werden, dass statistisch jeder jemanden kennt, der schon einmal eine Abtreibung hatte. "Es ist wichtig, dass Frauen ihre Stimme finden und klar sagen "Ich bin diese eine von vier Frauen"", so Busy Phillips in einem Interview mit der New York Times. Auch die frühere "Dawsons Creek" Schauspielerin gehört zu den "one in four". Letzte Woche sprach sie in ihrer Late-Night-Show über ihre eigene Abtreibung, die sie im Alter von 15 Jahren durchlebte.

Viele andere Prominente tun es ihr nun nach. Hollywood-Stars wie Milla Jovovich, Minka Kelly und Jameela Jamil erzählten im Rahmen der Debatte von ihren eigenen Abtreibungen.

"Ich musste vor zwei Jahren eine Notfall-Abtreibung durchleben", schrieb Jovovich auf Instagram. "Ich war im vierten Monat und ich war bei einem Filmdreh in Ost-Europa. Die Wehen haben verfrüht angefangen und ich musste während der Abtreibungs-Prozedur wach sein. Es war eines der schrecklichsten Erlebnisse, die ich jemals hatte. Wenn ich darüber nachdenke, dass sich Frauen demnächst unter schlimmeren Bedingungen Abtreibungen unterziehen müssen, nur wegen neuen Gesetzen, dann dreht sich mir der Magen um."

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I don’t like to get political and I try to only do it if a really have to and this is one of those times. If someone doesn’t want to continue reading, you have been warned. Our rights as women to obtain safe abortions by experienced doctors are again at stake. Last Tuesday, Georgia Governor Brian Kemp signed a draconian bill into law that outlaws all abortions after six weeks — before most women even realize they’re pregnant — including in cases of RAPE OR INCEST. This makes Georgia the sixth state to pass such a restrictive six-week abortion ban, joining Ohio, Mississippi, Kentucky, Iowa, and North Dakota. These laws haven’t been passed yet, but lawmakers in these states are trying. Abortion is hard enough for women on an emotional level without having to go through it in potentially unsafe and unsanitary conditions. I myself went through an emergency abortion 2 years ago. I was 4 1/2 months pregnant and shooting on location in Eastern Europe. I went into pre term labor and told that I had to be awake for the whole procedure. It was one of the most horrific experiences I have ever gone through. I still have nightmares about it. I was alone and helpless. When I think about the fact that women might have to face abortions in even worse conditions than I did because of new laws, my stomach turns. I spiraled into one of the worst depressions of my life and had to work extremely hard to find my way out. I took time off of my career. I isolated myself for months and had to keep a strong face for my two amazing kids. I started gardening, eating healthier and going to the gym everyday because I didn’t want to jump into taking anti depressants unless I had tried every other alternative. Thank God I was able to find my way out of that personal hell without turning to medication, but the memory of what I went through and what I lost will be with me till the day I die. Abortion is a nightmare at its best. No woman wants to go through that. But we have to fight to make sure our rights are preserved to obtain a safe one if we need to. I never wanted to speak about this experience. But I cannot remain silent when so much is at stake. #prochoice #prochoicegeneration

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"Sex and the City"-Darstellerin Cynthia Nixon erzählte, wie ein illegaler Schwangerschaftsabbruch ihre Mutter ein Leben lang verfolgte. Nixons Ehefrau musste sich im Jahr 2010 ebenfalls einer Abtreibung unterziehen, da der Fötus nicht lebensfähig gewesen wäre.

Auch die britische Schauspielerin Jameela Jamil, die unter anderem in "The Good Place" zu sehen ist, und Minka Kelly, die in mehreren US-Fernsehserien mitgespielt hat, erzählten in den sozialen Netzwerken von ihren Erlebnissen.


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When I was younger I had an abortion. It was the smartest decision I could’ve made, not only for myself & my boyfriend at the time, but also for this unborn fetus. For a baby to’ve been born to two people — too young and completely ill equipped — with no means or help from family, would have resulted in a child born into an unnecessary world of struggle. Having a baby at that time would have only perpetuated the cycle of poverty, chaos and dysfunction I was born into. Forcing a child to be born to a mother who isn’t ready, isn’t financially stable, was raped, a victim of incest (!!), isn’t doing that theoretical child any favors. For those of you insisting abortion is murder, and to Rep. Terri Collins who said “an unborn baby is a person who deserves love and attention” — forget bringing up the mother might be in need of some “love and attention.” What do you think happens to these kids who end up bouncing around in foster care, live on government assistance because the mother has no help, can’t afford childcare while she works a minimum wage job, and is trapped in a cycle of trying to survive on the meager government assistance so many of you same pro-lifers are determined to also take away. If you insist on forcing women to carry to term, why do you refuse to talk about comprehensive sex-ed, the maternal mortality rate, free daycare, paid maternity leave? Our lives, traumas & family planning is for no one to decide but us. Certainly not a group of old white men. Speaking of men... With all this punishment for women I wonder where all the punishment is for the men in this scenario. By looking at the photo of all the men who are making this mess, I find it hard to believe that if it were the autonomy of a man's body, health and life in question, I cant help but be certain we wouldn’t be having this conversation in the first place. I appreciate seeing men speak up on this issue - women do not get pregnant alone. Lest we forget, outlawing abortion has never stopped women from attempting it. @abortionfunds @yellowfund & @EmergeAmerica @emilys_list @runforsomethingnow who work 2 elect pro-choice candidates. #YouKnowMe

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Ashley Judd, die eine der prominentesten Stimmen in der #MeeToo Debatte war und selbst Opfer von Harvey Weinstein wurde, teilte auf Instagram mit, sie habe sich nach einer Vergewaltigung im Alter von 30 Jahren einem Schwangerschaftsabbruch unterzogen.

Weitere Netz-Reaktionen

Ein Twitter-User warf die Frage auf, warum es trotz häufiger Massenschießereien in den USA leichter zu sein scheint, Abtreibungen zu verbieten als Sturmgewehre. Republikanern wird von Kritikern häufig Heuchelei vorgeworfen, da sie zum einen "Pro-Life", aber zum anderen gleichzeitig gegen schärfere Waffengesetze sind.

Die US-Schauspielerin Padma Lakshmi rief Männer dazu auf, auch mehr über ihre eigenen Erfahrungen mit Abtreibungen zu reden.

Baseball-Spieler Brandon McCarthy äußerte sich ebenfalls zu dem Thema und wies darauf hin, dass es "wohl keine Erfahrung gibt, die der Demütigung gleich kommt, die eine Frau erfährt, wenn sie das Kind ihres Vergewaltigers austragen müsse."

Autorin und Harper's Bazaar Redakteurin Jennifer Wright schrieb schlicht: "Jede Frau, die in der Wahlnacht geweint hat, wusste genau, was kommen würde." 



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