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Vortragsreihe "Psycho-Onkologie": Krebs und Schmerz
Nicht jeder Patient hat bei gleicher Behandlung die selben Schmerzen.

Vortragsreihe "Psycho-Onkologie": Krebs und Schmerz

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Nicht jeder Patient hat bei gleicher Behandlung die selben Schmerzen.
Panorama 3 Min. 25.01.2015

Vortragsreihe "Psycho-Onkologie": Krebs und Schmerz

Den Abschluss der Vortragsreihe über die Auswirkungen einer Krebserkrankung auf die Psyche widmeten die Experten im Centre hospitalier dem Thema Schmerz.

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ Das sagt sich so leicht! Der Spruch, den viele Menschen aus ihrer Kindheit kennen, gilt sicher nicht für Krebspatienten. Denn falsches Heldentum ist hier nicht angebracht: Chronische Schmerzen sollten wahrgenommen, erkannt und adäquat behandelt werden. Doch die Diagnose Krebs ist natürlich mit vielen Fragen auch zum Thema Schmerz verbunden. Sind starke Schmerzen ein Zeichen dafür, dass die Krebserkrankung besonders weit fortgeschritten ist? Was kann der Arzt tun, um die Schmerzen zu lindern? Was kann ich selbst tun? Werde ich von starken Schmerzmitteln abhängig?

Antworten auf diese Fragen gaben Frédéric Fogen, Mediziner am CHL, und Anaïs Meulemans, Psychologin am CHL, in der letzten Ausgabe des „Atelier du Psycho-Oncologie“ im Centre hospitalier in Luxemburg.

Viele erfolgreiche Therapien

Eine gute Nachricht vorneweg: Man schätzt, dass etwa 90 Prozent der Krebspatienten mit chronischen Schmerzen anhand von nicht invasiven Schmerzbehandlungen erfolgreich behandelt werden können. Das heißt, dass die Schmerzen erträglicher werden oder vielleicht sogar komplett unterdrückt werden. Dennoch löst die Diagnose Krebs verständlicherweise bei den meisten Betroffenen zunächst einmal Angst aus, auch die Angst vor unerträglichen Schmerzen. Dabei muss eine Krebserkrankung nicht automatisch mit Schmerzen verbunden sein.

Bei etwa jedem dritten Patienten treten auch im fortgeschrittenen Stadium keine signifikanten Schmerzen auf. Allerdings dient der Schmerz per se auch als ein klares Warnsignal, dass etwas im Körper nicht stimmt und ist somit oft der Anlass, überhaupt einen Arzt zu konsultieren und die Krankheit zu diagnostizieren.

Individuelles Schmerzempfinden

Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Jeder Mensch reagiert verschieden, hat ein individuelles Schmerzempfinden. Hier spielen kulturelle Faktoren, bereits erlebte Schmerzerfahrungen und die individuelle Schmerztoleranz eine Rolle. Insbesondere der sogenannte „totale Schmerz“, also eine Zusammensetzung von physischem, psychologischem, sozialem und spirituellen Leiden, ist von großer Bedeutung:

Eine adäquate Schmerztherapie sollte jede einzelne Komponente in Betracht ziehen. Der Tumor selbst kann Schmerzen auslösen, aber auch die Behandlung, d. h. eine Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie, kann die mögliche Ursache für den Schmerz sein. Eine weitere Komponente ist der Unterschied zwischen akutem Schmerz und chronischem Schmerz. Von letzterem sprechen die Mediziner, wenn er länger als vier bis sechs Wochen anhält. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten spielt hier eine außerordentlich wichtige Rolle.

Das klingt einfacher als man denkt! Vielen Patienten fällt es schwer, über ihre Schmerzen zu sprechen oder den Schmerz zu beschreiben. Leider kommt es auch manchmal vor, dass man dem Patienten seine Schmerzen nicht so richtig glaubt.

Art und Zeitpunkt von Schmerzen genau beobachten

Als Erstes sollte immer eine Bestandsaufnahme der Schmerzen anhand einer kompletten Anamnese erfolgen: Wo genau tut es weh, seit wann, wie stark und von welcher Qualität ist der Schmerz? Wodurch kann der Schmerz beeinflusst werden und welche zusätzlichen Beschwerden sind mit dem Schmerz verbunden? Auch ein sogenanntes Schmerztagebuch kann hilfreich sein, um die nötige Therapie individuell einstellen zu können, denn das oberste Ziel sollte eine effektive Schmerzlinderung bei möglichst geringen Nebenwirkungen sein.

Dies ist deshalb so wichtig, da der Patient sonst Gefahr laufen könnte, in eine so genannte Schmerzspirale zu geraten. Der Kreislauf aus Schmerz und Angst könnte dazu führen, dass sich der Betroffene stark zurückzieht. Eine erfolgreiche Schmerztherapie ermöglicht ihm, eine gewisse Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu bewahren und die körperliche Belastung des Alltags besser zu meistern.

Neben der medikamentösen Behandlung können auch alternative Methoden wie Hypnose, Muskelrelaxation oder Bewegungstherapie zur Schmerzbewältigung dienen. Der psychologische Service vom CHL bietet konkrete Hilfsangebote für die Betroffenen in dieser schwierigen Situation an, in Form von Therapien, Familiengesprächen oder Broschüren.


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