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Vor 40 Jahren wurde der heilige Óscar Romero ermordet
Panorama 4 Min. 23.03.2020

Vor 40 Jahren wurde der heilige Óscar Romero ermordet

Óscar Romero wird in seiner Heimat El Salvador verehrt.

Vor 40 Jahren wurde der heilige Óscar Romero ermordet

Óscar Romero wird in seiner Heimat El Salvador verehrt.
Foto: Reuters
Panorama 4 Min. 23.03.2020

Vor 40 Jahren wurde der heilige Óscar Romero ermordet

Er setzte sich für die Armen El Salvadors ein und legte sich mit der Regierung an. Dafür wurde er am 24. März 1980 ermordet. Der heilige Óscar Romero hat auch in Luxemburg Anhänger.

Sein Konterfei prangt auf Bechern und T-Shirts, es gibt ihn als Wandbild und überlebensgroße Büste. In den Kirchen hängt sein Porträt, dem wichtigsten Flughafen des Landes leiht er seinen Namen. 40 Jahre nach seiner Ermordung am 24. März 1980 ist Oscar Romero in seiner Heimat El Salvador allgegenwärtig: als Ikone und Nationalheld; als Symbol für die Hoffnung auf Frieden in einem Staat, dessen Gesellschaft tief gespalten ist – auch mehr als 25 Jahre nach dem Ende jenes blutigen Bürgerkriegs, der mit dem von der Militärjunta betriebenen Attentat auf den Erzbischof von San Salvador begann. Und doch steht Romero noch gar nicht so lange derart hoch im Kurs.

Óscar Arnulfo Romero wird in seiner Heimat verehrt.
Óscar Arnulfo Romero wird in seiner Heimat verehrt.
LW-Archivfoto

Als „umstrittene Figur“ charakterisiert ihn Kardinal Gregorio Rosa Chavez. Erst nachdem Papst Franziskus ihn 2018 heiliggesprochen habe, habe eine Neuentdeckung des Menschen Romero eingesetzt, so der Weihbischof in San Salvador, der sich maßgeblich für diesen Schritt einsetzte. Auch in den eigenen Reihen war man uneins über Romero. Kurz nach der Heiligsprechung bat der aktuelle Erzbischof von San Salvador, Jose Luis Escobar Alas, öffentlich um Vergebung „für jenen Teil der Kirche, der Romero schlecht behandelt und diffamiert hat, einschließlich seiner Mitbischöfe“. Das Erbe des Heiligen bleibt sperrig.

Sein Werdegang von einem eher konservativen Kirchenmann, der sich aus den Konflikten zwischen dem Militär und der linksgerichteten FMLN-Guerilla heraushalten wollte, zum Sympathisanten der innerkirchlich lange umstrittenen „Theologie der Befreiung“ und scharfzüngigen Kritiker der Regierung entzieht sich einfachen Deutungen. Heute gilt Romero vielen Menschen als eine Art Heilsbringer, egal welchem religiösen der politischen Bekenntnis sie anhängen. Ein wichtiger Gedenkort ist die Krankenhauskapelle „Ospitalito“ in San Salvador.

Hier wurde Romero am 24. März 1980 mit einem gezielten Schuss aus einem vorbeifahrenden Auto getötet. Im Altarraum ist eine Silhouette an der Stelle eingelassen, wo der Geistliche zusammenbrach. Wer die Tat beging, ist immer noch unklar. Der Drahtzieher, ARENA-Gründer und Geheimdienstler Roberto D'Aubuisson, starb 1992, ohne, dass er sich je vor Gericht hätte verantworten müssen.

Mit Romeros Geschichte eng verknüpft ist ein weiteres Gotteshaus, die Kirche San Jose in El Paisnal, etwa 40 Kilometer nördlich von San Salvador. Ganz in der Nähe, in Aguilares, leitete der Jesuit Rutilio Grande eine Pfarrei. Zeitzeugen erinnern sich, wie der Pater immer wieder die Ausbeutung von Landarbeitern anprangerte und dadurch die Besitzer der großen Plantagen gegen sich aufbrachte. „Er hat Gerechtigkeit gepredigt“, sagen sie über Rutilio Grande. Der Ordensmann bezahlte mit seinem Leben. Am 12. März 1977 wurde er zusammen mit zwei Begleitern auf einem Zuckerrohrfeld erschossen.

Die Bluttat brachte eine Wende in der Haltung der Kirche gegenüber den Armen El Salvadors – und einen Gesinnungswandel bei Romero, der in El Paisnal die Totenmesse hielt und Aufklärung des Verbrechens forderte. In der Folge geriet auch Romero immer stärker ins Fadenkreuz von Großgrundbesitzern und Militärs.

Mich könnt ihr töten, nicht aber die Stimme der Gerechtigkeit. 

Óscar Romero in seiner letzten Predigt.

„Mich könnt ihr töten, nicht aber die Stimme der Gerechtigkeit“, rief der Erzbischof in seiner letzten Predigt aus. Gerechtigkeit hat auch ein halbes Menschenleben nach der Ermordung von Grande und Romero nicht Einzug erhalten.


12.03.2020, Vatikan, Vatikanstadt: Ein Mann fährt auf seinem Fahrrad am gesperrten Petersplatz vorbei. In Italien geben Prominente, Sportler und der Vatikan Geld für den Kampf gegen die Covid-19-Epidemie im Land. Foto: Grzegorz Galazka/Mondadori Portfolio via ZUMA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
So erlebt ein Luxemburger im Vatikan die Corona-Krise
Der luxemburgische Geistliche im Vatikan, Jean Paul Muller, spricht im Interview über die derzeitige Situation der Kirche in Italien - und den Corona-Ausnahmezustand im Vatikan.

Ende Januar mahnte Romeros Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von San Salvador, Erzbischof Jose Luis Escobar Alas, die während des Bürgerkriegs begangenen Verbrechen aufzuklären. Immer noch wüssten viele Hinterbliebene nicht, wo die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen liegen. „Die Zeit heilt nicht die Wunden; im Gegenteil, sie werden noch tiefer.“

Seine letzte Ruhestätte hat Romero in der Krypta der Kathedrale von San Salvador gefunden. Jeden Tag pilgern Menschen aus allen Schichten hierher, um vor dem Grab in stillem Gebet zu verharren. Es scheint, als ob ein Toter schafft, was den Lebenden immer noch so schwer fällt: das Land mit seiner schwierigen Geschichte zu versöhnen. KNA

Der Präsident der Luxemburger Kommission "Justitia et Pax", Jean-Paul Lehners, würdigt Óscar Romero: 

"Sein gewaltloser, kompromissloser Einsatz für die Menschen am Rande der Gesellschaft, sein direkter Kontakt mit dem Elend der Armen, sein Kampf für Gerechtigkeit und die Würde des Menschen, für eine ganzheitliche Befreiung, seine sozialpolitische Dimension des Glaubens sind mir Impuls und Leitbild seit langem. Oscar Romero hat gelebt, was er gesagt hat. Seine unbequemen Worte und Taten führten zu seiner Hinrichtung, so wie bei Jesus.

Seine unbequemen Worte und Taten führten zu seiner Hinrichtung, so wie bei Jesus

Jean-Paul Lehners 

Sein radikaler Wandel von einem konservativen zu einem revolutionären Christen lässt mich nicht verzweifeln und gibt mir Hoffnung."

Die Luxemburger Kommission "Justitia et Pax" ist eine Kommission der katholischen Kirche in Luxemburg und beschäftigt sich aus einem christlichen Blickwinkel mit den Themen soziale Gerechtigkeit, Frieden, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung.

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