Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Vor 25 Jahren erschütterte Lady Di die Monarchie
Panorama 4 Min. 20.11.2020

Vor 25 Jahren erschütterte Lady Di die Monarchie

Einer der letzten gemeinsamen Auftritte vor der Trennung: Charles und Diana wenden sich bei einem Theaterbesuch im Jahr 1992 den Rücken zu.

Vor 25 Jahren erschütterte Lady Di die Monarchie

Einer der letzten gemeinsamen Auftritte vor der Trennung: Charles und Diana wenden sich bei einem Theaterbesuch im Jahr 1992 den Rücken zu.
Foto: dpa
Panorama 4 Min. 20.11.2020

Vor 25 Jahren erschütterte Lady Di die Monarchie

Als die BBC am 20. November 1995 ein Interview mit Prinzessin Diana ausstrahlte, stockte nicht nur den Briten der Atem.

(dpa) - Mit einem einzigen Interview hat Prinzessin Diana vor 25 Jahren die britische Monarchie in ihren Grundfesten erschüttert. Mehr als 200 Millionen Menschen verfolgten weltweit am Fernseher, wie die hübsche und volksnahe Diana frank und frei über die emotionale Kälte am Hofe und die Untreue ihres Gatten Prinz Charles plauderte. Schlimmer noch: Sie sagte, dass Thronfolger Charles wohl nicht für den „Top-Job“ - also König zu sein - geeignet sei. Besser wäre es, wenn Sohn William später direkt Elizabeth II. auf den Thron folge.

Drei Jahre lang lebte Diana damals schon von ihrem Mann getrennt, der eine lange Affäre mit Camilla Parker Bowles hatte. „Ich will keine Scheidung“, sagte Diana in dem BBC-Interview für das Programm „Panorama“ am 20. November 1995. Sie wolle aber Klarheit. „Ich warte auf die Entscheidung meines Mannes über den Weg, den wir einschlagen sollen.“ War Camilla der Grund für das Scheitern ihrer Ehe? „Nun, wir waren zu dritt in unserer Ehe. Das war ein bisschen viel“, sagte die Prinzessin.

Die verstorbene Frau des britischen Thronfolgers Charles, Prinzessin Diana (l.), und die damals langjährige Freundin ihres Mannes, Camilla Parker-Bowles (r.), liefen sich des öfteren bei Veranstaltungen über den Weg.
Die verstorbene Frau des britischen Thronfolgers Charles, Prinzessin Diana (l.), und die damals langjährige Freundin ihres Mannes, Camilla Parker-Bowles (r.), liefen sich des öfteren bei Veranstaltungen über den Weg.
Foto: dpa

Ungewöhnlich offen waren Dianas Worte. „Ich möchte Königin im Herzen der Menschen sein. Aber ich sehe mich nicht als Königin dieses Landes.“ Doch sie teilte auch heftig aus: „Ich glaube nicht, dass viele Leute mich als Königin wünschen. Ich meine vor allem das Establishment, in das ich hineingeheiratet habe. Für die bin ich ein Versager.“ Vorwürfe, sie wolle die Monarchie zerstören, wies sie zurück. „Warum sollte ich etwas zerstören, das die Zukunft meiner Kinder sichert? Ich werde für meine Kinder auf allen Ebenen kämpfen.“ Sie selbst wollte eine Art Sonderbotschafterin für ihr Land werden.

Zuflucht bei Reitlehrer

Die 34-Jährige gab auch zu, selbst eine Affäre gehabt zu haben: Sie hatte Trost bei Reitlehrer James Hewitt gesucht und wurde letztlich durch seine Indiskretionen enttäuscht. Das Verhältnis habe die Grenzen der Freundschaft überschritten, sagte sie. „Ich habe ihn angebetet. Ja, ich war in ihn verliebt.“ Auch von Selbstverletzungen - Schnitte in Arme und Beine - und Bulimie berichtete sie.


Im vergangenen Frühjahr hatte sich das Paar von seinen royalen Verpflichtungen losgesagt.
Herzogin Meghan: War der am meisten im Internet schikanierte Mensch
Der britische Prinz Harry (36) und Herzogin Meghan (39) haben scharfe Kritik an Beleidigungen und Diskriminierungen im Internet geübt.

Das Interview hatte Folgen. Nur einen Monat später wurde bekannt, dass die Queen sich für eine rasche Scheidung des Paares aussprach. Charles war einverstanden und ließ über seinen Sprecher erklären: „Der Prinz hat nicht die Absicht, wieder zu heiraten.“ Empört war die Monarchin Berichten zufolge vor allem darüber, dass ihre Schwiegertochter die Eignung von Charles für den Thron anzweifelte. Dianas heimlich arrangierter Fernsehauftritt wurde als Vertrauensbruch gegenüber dem Königshaus gewertet.

Mischung aus Supermodel und Mutter Teresa

Die Royals verloren nach dem Interview drastisch an Ansehen, wie Umfragen ergaben. Dass Diana für das Wohl ihrer „Boys“ Harry und William, damals 11 und 13 Jahre alt, kämpfte und „nicht leise verschwinden“ wollte, ließ sie in der Gunst der Briten steigen. Psychologen sahen in ihr eine ideale Identifikationsfigur für frustrierte Frauen: Sie habe stets versucht, alles richtig zu machen, ohne, dass man es ihr gedankt habe. Zudem habe sie den „Kampf der Frauen“ mit einer charmanten Ausstrahlung verbunden. Der Chefredakteur der Boulevardzeitung „Sun“ lobte Diana sogar als Mischung zwischen einem Supermodel und Mutter Teresa.

Bereits im Jahr 1981, als das Paar heiratete, kriselte es in der Beziehung aufgrund der Nebenbuhlerin Camilla.
Bereits im Jahr 1981, als das Paar heiratete, kriselte es in der Beziehung aufgrund der Nebenbuhlerin Camilla.
Foto: AFP

Kritiker bezeichneten die Prinzessin mit dem scheuen Blick dagegen als eine berechnende Frau. Nicholas Soames, ein Freund von Charles und damals Staatssekretär im Verteidigungsministerium, sprach vom „Schauspiel eines angeblichen Opferlamms, das an Verfolgungswahn grenzt“. Ob gut oder böse: Für das Königshaus war das Interview wie eine schallende Ohrfeige. Ein Gewinner des Skandals war hingegen die BBC; der Sender verkaufte das Interview in mehr als 100 Länder.

Unabhängige Untersuchung angekündigt

Dianas Bruder, Charles Spencer, wirft dem Journalisten Martin Bashir allerdings vor, sich das Interview mit seiner Schwester damals mit unlauteren Methoden - etwa gefälschten Kontoauszügen - verschafft zu haben. Diese sollten demnach den Eindruck erwecken, Menschen wären dafür bezahlt worden, Informationen über Diana preiszugeben. Man nehme die Vorwürfe „sehr ernst“, sagte kürzlich BBC-Chef Tim Davie. Der Sender will eine unabhängige Untersuchung einleiten. Geleitet werden soll sie von Lord Dyson, einem ehemaligen Richter am Obersten Gerichtshof.


Ganz in Schwarz gedenkt die Queen der Weltkriegsopfer am Cenotaph-Monument.
Erster gemeinsamer Auftritt der Royals seit Monaten
Mit einer bewegenden Zeremonie haben die britischen Royals, hochrangige Politiker und Veteranen am Sonntag in London der Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht.

Prinz William (38) bezeichnete die angekündigte Untersuchung laut Kensington-Palast als „Schritt in die richtige Richtung“. Bashir selbst konnte aus gesundheitlichen Gründen zunächst nicht befragt werden. Er leidet nach Angaben des Senders noch an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung und eines Eingriffs am Herzen.  

Spätes Glück für Prinz Charles

Viel ist seit dem Interview vor 25 Jahren geschehen. Trotz Beteuerungen von Prinz Charles, nie wieder zu heiraten, ging er viele Jahre später doch den Bund der Ehe ein: mit Camilla, die früher von der britischen Presse als Rottweiler verspottet worden war. Charles, einst als snobistisch kritisiert, und Camilla genießen heute bei den meisten Briten ein hohes Ansehen. Sie gelten als bodenständig und setzen sich für wohltätige Zwecke ein. 

Prinzessin Dianas Leben war hingegen nur kurz. Keine zwei Jahre nach dem spektakulären Interview verunglückte sie - von Paparazzi verfolgt - tödlich bei einem Autounfall mit ihrem Geliebten Dodi Al Fayed in einem Pariser Tunnel.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die großherzogliche Ahnentafel
Tauchen Sie ein in die Geschichte der Familie Nassau. Von Großherzog Adolph bis Prinz Liam. Klicken Sie sich durch den interaktiven Stammbaum.
9.1. Luxemburg-Stadt / 95ster Geburtstag von Grossherzog Jean / Gruppenfotos Grossherzoglicher Palast / 2. Bild , nur die Familie , Kinder , Enkelkinder und Urenkel Foto:Guy Jallay