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Von Schweden nach Hollywood
Antonio (l.) und Mathias verließen am Montag Luxemburg in Richtung Belfort (Frankreich).

Von Schweden nach Hollywood

Foto: Michael Juchmes
Antonio (l.) und Mathias verließen am Montag Luxemburg in Richtung Belfort (Frankreich).
Panorama 3 Min. 06.08.2018

Von Schweden nach Hollywood

Tramper sind heute nur noch selten auf den Straßen zu finden. Vor allem nicht solche, die ihren eigenen Wohnwagen im Schlepptau haben, so wie Mathias und Antonio aus Schweden, die einen Zwischenstopp in Luxemburg einlegten.

"Was ist dein Lieblingstier?" Noch bevor Mathias aus dem Wohnwagen steigt, stellt er diese Frage. Der Campinganhänger ist seit vielen Jahren das Zuhause des 28-Jährigen, der aus dem kleinen schwedischen Ort Örnsköldsvik stammt. Die wenigen Quadratmeter Wohnfläche, auf denen ein großes Bett, ein Tisch mit Sitzmöglichkeiten und eine kleine Küche zu finden sind, teilt er sich mit seinem guten Freund Antonio.

Mit dem 32-Jährigen zieht er bereits seit neun Jahren umher. "Wir sind schon von Schweden nach Thailand und von Panama nach Mexiko getrampt", erzählt Mathias. "Insgesamt haben wir schon 51 Länder bereist."

Im Wohnwagen: ein geräumiges Bett für zwei oder mehr Personen.
Im Wohnwagen: ein geräumiges Bett für zwei oder mehr Personen.
Foto: Michael Juchmes

Start einer unglaublichen Reise

Die derzeitige Tour, die das Duo bis in die Vereinigten Staaten führen soll, startete vor rund zweieinhalb Monaten. Von Nordschweden aus ging es durch Norwegen und Dänemark zunächst nach Deutschland – gezogen von bisher 106 Fahrzeugen mit Anhängerkupplung. Am Sonntagabend schlugen sie ihr Lager auf der Air de Berchem auf – nach einem viertägigen Zwischenstopp in Mannheim.

In der deutschen Stadt nutzten Mathias und Antonio auch die Gelegenheit, um bei einem Freund zu duschen und Wäsche zu waschen. Während der Reise klappt das nämlich nicht immer. Das führt bisweilen sogar dazu, dass sie auch mal mit Kleidung eine Raststättendusche betreten – und die nassen Sachen anschließend auf einer um den Wohnwagen gespannten Wäscheleine trocknen. Das etwa auch während der Fahrt? "Nein, so sehr Hippie sind wir dann doch wieder nicht", erwidert Mathias lachend.

Umwege nehmen sie gerne in Kauf. "Wir wollen nach Paris", erklärt Mathias, während er auf seiner Gitarre herumzupft. "Das Herz geht nicht immer den direkten Weg.“ Denn schließlich ist es nicht ganz so einfach, von A nach B zu kommen, da viele neue Fahrzeuge nicht über eine Anhängerkupplung verfügen. Die beiden Schweden nehmen daher jeden vorbeifahrenden Wagen genau unter die Lupe.

Von Mannheim nach Luxemburg ging es mit einem sympathischen französisch-belgischen Trio.
Von Mannheim nach Luxemburg ging es mit einem sympathischen französisch-belgischen Trio.
Foto: privat

Neue Kontakte im Vordergrund

Das Schöne am Trampen sei, dass man immer wieder neue Leute kennenlernt, erklären beide einstimmig. "Gestern saßen wir hier und haben mit Leuten aus Tschechien gegessen. Wir hatten Kartoffeln, sie haben uns Fleisch abgegeben. Das nennen wir Gemeinschaftsgefühl", so Antonio.

Um diesen Gedanken in die Welt zu tragen, haben beide auch eine Tramperschule gegründet – mit Studenten und Dozenten. Diese Schüler ziehen oft auch mit ihnen. Im Wohnwagen ist genug Platz für weitere Gäste.

Allen gefällt diese Form des Reisens jedoch nicht. "Uns haben unter anderem schon Jungs aus der Slowakei und einige Mädels aus Russland begleitet", berichtet Mathias. "Noch einmal mit uns reisen wird aber wohl nur eine Französin. Das hat sie uns versprochen."

Paris ist das nächste große Etappenziel.
Paris ist das nächste große Etappenziel.
Foto: Michael Juchmes

Vom "bad boy" zum Tramper

Bevor es die beiden jungen Männer auf die Straße zog, führten sie ein recht normales Leben – zumindest Mathias. Er wollte mit dem Trampen aus seinem sicheren Umfeld ausbrechen. Anders dagegen die Situation bei Antonio: Er war vorher ein "bad boy" und wollte einfach nur weg von allem, vor allem von den Drogen. "Das Trampen gibt mir eine andere Art von Kick", stellt er fest.

Mit Fragen, etwa nach dem Lieblingstier, – die Antwort, so erklärt Mathias, gibt Auskunft über die Selbstwahrnehmung einer Person – versuchen die beiden Reisenden ihr Gegenüber nicht nur in Erstaunen zu versetzen, sondern auch besser zu verstehen. "Wir versuchen so den Leuten näher zu kommen", berichtet Mathias. "Trampen ist schließlich eine besondere Form des Reisens, wegen des Vertrauens, das man sich entgegenbringt."

In einem Monat wird Antonio, der auch als Fotograf arbeitet, für anderthalb Wochen zurück nach Schweden reisen, um Zeit mit seinen beiden Kindern zu verbringen. "Quality time", wie er sagt. Seiner neuen Freundin hat er vor der Reise noch einen Heiratsantrag gemacht. Das Jawort wollen sich die beiden im Disneyland geben. Ob es dann zurück in geregelte Bahnen geht? Mathias scheint dies zu bezweifeln: "Wir werden trampen bis wir tot sind."


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