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Von Herzen schwitzen
Iris und Paul Bach vor ihrer Abfahrt in Asselscheuer. "Ich werde zuliebe meiner Tochter auch nicht an jeder gothischen Kirche halten, die im Radführer aufgelistet ist", verspricht der Lehrer.

Von Herzen schwitzen

Foto: Serge Daleiden
Iris und Paul Bach vor ihrer Abfahrt in Asselscheuer. "Ich werde zuliebe meiner Tochter auch nicht an jeder gothischen Kirche halten, die im Radführer aufgelistet ist", verspricht der Lehrer.
Panorama 4 Min. 19.07.2018

Von Herzen schwitzen

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Während das Vater-Tochter-Gespann Paul und Iris Bach aus Asselscheuer auf dem Tandem gen Polen radelt, plant Anouck Ewerling aus Dommeldingen die Besteigung des höchsten Berges in Afrika.

Die einen wollen auf dem Zweisitzer von Luxemburg aus nach Polen zu den Großeltern. Die andere träumt davon, den Kilimandscharo in Tansania zu erklimmen. Ihre Endstationen liegen fast 9 000 Kilometer voneinander entfernt. Und trotzdem haben Paul und Iris Bach sowie Anouck Ewerling ein gemeinsames Ziel vor Augen: die Werbetrommel für das "Plooschterprojet" – eine Wohltätigkeitsinitative, die zum Spenden von Stammzellen aufruft – zu rühren und dabei ein paar tausend Euro zu sammeln.

Am Montagmorgen sind Paul und Iris Bach – er 52, sie zwölf – auf ihrem Tandem in Richtung Stobierna in Polen gestartet. Nach den ersten Stationen in Sankt Vith und Aachen haben Vater und Tochter inzwischen die Mittellandroute quer durch Deutschland in Angriff genommen, um hoffentlich nach rund drei Wochen bei Iris’ Großeltern in Polen einzutreffen. "Am 5. August müssen wir da sein, da feiert meine Frau Geburtstag", verrät der Grundschullehrer lachend. Um das zu schaffen, hat er pro Tag eine Etappe von rund 100 Kilometern eingeplant. "Wobei ich zur Sicherheit immer noch einen Stopp nach 80 Kilometern und einen nach 120 Kilometern vorgesehen habe, sodass wir unterwegs flexibel sind." Klappt alles reibungslos, werden Vater und Tochter am Ende rund 1 700 Kilometer in den Beinen haben. Und wenn es zeitlich allzu knapp werde, müssten seine Frau und die beiden Söhne sie halt unterwegs mit dem Auto auflesen.

Atemlos durch die Nacht

Auch Anouck Ewerling hat sich viel vorgenommen. Die 28-jährige Anwältin, die regelmäßig die Herausforderung in ihren Urlauben sucht – so wie letztes Jahr, als sie ganz allein mit dem Rucksack durch die einsamen Weiten Norwegens streifte – will zur Abwechslung hoch hinaus. Genauer gesagt: auf den mit 5 895 Höhenmetern höchsten alleinstehenden Berg der Welt, den Kilimandscharo, für dessen Besteigung jedoch keine Klettererfahrung vonnöten ist.

Bis zum 9. August hat sie noch Schonfrist, dann geht’s über acht Tage verteilt erst durch tropischen Regenwald und dann durch Vulkangerölllandschaften über die Machame-Route zum "Dach Afrikas". "Die ist auch als Whisky-Route bekannt. Wobei ich die Route nicht aus diesem Grund gewählt habe", versichert die ehemalige Leichtathletin fröhlich. "Auf dieser Strecke soll man sich am besten akklimatisieren können. Es geht langsam bergauf und man steigt immer wieder ein Stück ab, um zu schlafen. Außerdem ist ein Schontag inbegriffen."

Kurze Equipmentvorführung im heimischen Treppenhaus: Anouck 
Ewerling steigt demnächst auf den Kilimandscharo.
Kurze Equipmentvorführung im heimischen Treppenhaus: Anouck 
Ewerling steigt demnächst auf den Kilimandscharo.
Foto: Pierre Matgé

Acht bis elf Kilometer innerhalb von sechs bis acht Stunden wird ihre Gruppe, bestehend aus einigen Sherpas, einem Koch und einer Handvoll weiterer Touristen, täglich zurücklegen. Allein am ersten Tag steigen die Wanderer von 1.800 auf 3.100 Höhenmeter. Entsprechend hofft Anouck, dass ihr die in Gipfelstürmerkreisen gefürchtete Höhenkrankheit und die damit verbundenen Symptome wie Schwindel und Übelkeit keinen Strich durch die Rechnung machen werden. "Dies ist leider das Einzige, das ich nicht trainieren kann." Kritisch wird’s kurz vor Schluss, wenn die Sportlerin um Mitternacht geweckt wird, um mitten in der Nacht auf der längsten, steilsten und entsprechend anstrengendsten Teilstrecke Richtung Gipfel zu marschieren. "Man sagt, beim Kilimandscharo käme es irgendwann nicht mehr auf die sportliche Form, sondern auf die mentale Stärke an. Da kommen mir die Jahre als Leichtathletin bestimmt zugute, in denen ich gelernt habe, die Zähne zusammenzubeißen, den Kopf auszuschalten und zu sagen: 'Allez hopp, du schaffst das!'"

Treibende Kraft

Für die mentale Stärke im Team Bach sieht Vater Paul derweil seine Tochter verantwortlich: "Wenn ich keine Lust mehr habe, dann treibt Iris mich an. Sie hat sich das jetzt in den Kopf gesetzt und zieht das auch durch."

Anfangs wollte er eigentlich mit Iris’ älterem Bruder auf dessen Initiative hin nach Stobierna radeln. Doch nach einem Probeausflug nach Wasserbillig sei seinem Sohn schnell die Lust auf dieses Tandem-Abenteuer vergangen. Zu Bachs Überraschung sprach seine Tochter ihn in diesem Jahr nochmals auf die Idee an. "Als wir dann versuchsweise auf dem Tandem nach Echternach geradelt sind, war ihr das noch nicht weit genug und wir sind bis nach Bitburg weitergefahren", erinnert sich der Lehrer. "Sie hat da deutlich mehr Biss." Nichtsdestotrotz hat sich Paul Bach für die Tour ein neues Tandem mit Elektroantrieb gegönnt, damit das Duo die vielen Steigungen meistern kann, ohne jedes Mal absteigen zu müssen. "Mit einer viel leichteren Person hintendrauf, kann man nämlich nicht einfach aus dem Sattel gehen."

Dass die Bachs ihre Reise nun für einen wohltätigen Zweck nutzen, gehe übrigens auch auf die Kappe seiner Tochter. "Ich war da wesentlich verhaltener. Eigentlich wollte ich nur ganz diskret probieren, ob wir’s überhaupt mit dem Fahrrad nach Polen schaffen." Inspiriert durch einen Charity-Marathon an ihrer Schule, suchte Iris die letzten paar Wochen nach Sponsoren für die zu fahrenden Kilometer: Sie schrieb Gemeinden an, klingelte sich eifrig von Tür zu Tür und richtete – wie auch Anouck Ewerling – eine Crowdfunding-Seite auf der Online-Plattform "Gofundme" ein. Während es bei den Bachs aber eher Zufall war, dass sie sich für das "Plooschterprojet" als Spendenempfänger entschieden haben, hat Anouck Ewerling eine persönliche Verbindung: "Yannick Lieners, der Initiator des 'Plooschterprojet', und ich kennen uns schon seit über 20 Jahren. Als bei ihm mit 25 Jahren Leukämie diagnostiziert wurde, war es, als hätte es ein Familienmitglied getroffen", erzählt die Anwältin.

Eine Herzensangelegenheit, wenn auch etwas anderer Art, stellt derweil auch die Tandem-Tour für Paul Bach dar: "Das Vater-Tochter-Verhältnis hat sich in den letzten Monaten sehr verändert", freut sich der 52-Jährige. "Wenn man stundenlang hintereinander her radelt, ohne Handy oder sonstige Ablenkungen, erfährt man Dinge von seiner Tochter, die man als Vater sonst wohl nie hören würde."

Spenden für das "Plooschterprojet" an:

IBAN: LU67 1111 7033 0252 0000

BIC: CCPLLULL

Referenz: "Iris" oder "AnouckClimbsKili"

www.plooschterprojet.com


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