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Von „Down Under“ nach Cochem: Ein Exot im Weinberg an der Mosel
Stolzer Moselwinzer: Martin Cooper in seinem Weinberg.

Von „Down Under“ nach Cochem: Ein Exot im Weinberg an der Mosel

Foto: Eva-Maria Senftleben
Stolzer Moselwinzer: Martin Cooper in seinem Weinberg.
Panorama 2 Min. 20.10.2015

Von „Down Under“ nach Cochem: Ein Exot im Weinberg an der Mosel

Mit der Übernahme des jahrhundertealten Klosterweinguts Ebernach in Cochem ist für den 41-jährigen Martin Cooper aus Australien ein Traum in Erfüllung gegangen. Doch er ist längst nicht der Einzige, den die Mosel-Weinberge jüngst angelockt haben.

Martin Cooper ist an der Mosel ein Exot. Nicht nur, weil er der erste Australier ist, der unter die dortigen Winzer gegangen ist: In Cochem in Rheinland-Pfalz hat er das Weingut Kloster Ebernach gepachtet. Der 41-Jährige macht auch Weine anders als viele andere: Er mischt Partien aus seinen verschiedenen Lagen zu hochwertigen Cuvée-Weinen. „Um mehrere Eigenschaften zu etwas Besonderem zu vereinen“, sagt er. Zudem füllt er aus Rieslingtrauben einen der derzeit hippen orangenen Weine ab. Er wird 40 Tage mitsamt Schalen vergoren. „Damit besetzt er an der Mosel eine absolute Nische“, sagt der Geschäftsführer des deutschen Weinbauverbandes Mosel, Gerd Knebel.

Neue Ideen

Der neue Winzer bringt viele Ideen mit – hat er doch zuvor schon 15 Jahre lang Weine in Australien, Neuseeland, den USA und Südafrika angebaut. „Mein Traum war es immer schon, eines Tages an der Mosel Rieslingweine zu machen“, sagt Cooper in der Steillage „Sonnenberg“, wo er gerade seine zweite Ernte einfährt. Als er dann mit seiner Frau, einer Juristin aus dem Saarland, nach einem kleinen Mosel-Weingut suchte, stieß er auf das Klosterweingut mit einer 350-jährigen Anbautradition.

„Es gibt hier so viel Potenzial“, schwärmt der „Winemaker“. Er wolle weitere Top-Lagen an der Terrassenmosel (zwischen Koblenz und Pünderich) dazukaufen und eines Tages um die 15 Hektar bewirtschaften. „Unser Ziel ist es, das beste Weingut an der Terrassenmosel zu werden.“ Dabei setzt er auf geringe Erträge, Lese per Hand und Ganztraubenpressung. Die Pacht, die er mit dem Franziskanerorden abgeschlossen hat, läuft über 25 Jahre.

Goldgräberstimmung

So wie Cooper seien in den vergangenen Jahren einige Winzer aus dem Ausland an die Mosel gekommen, erzählt der Geschäftsführer des Vereins Moselwein, Ansgar Schmitz. Das liege auch daran, dass der Wein aus dem weltgrößten zusammenhängenden Steillagengebiet international immer mehr geschätzt werde. „Es gibt eine Art Goldgräberstimmung“, meint er. „Die, die kommen, denken: Da geht noch was!“

Es gebe Parallelen zum 19. Jahrhundert, als ebenfalls Investoren an die Mosel kamen und nach der Säkularisierung durch Napoleon ehemalige Klosterweingüter übernahmen. Viele bekannte Weingüter hätten da ihre Wurzeln. Heute investierten Quereinsteiger meist in weniger bekannten Weinorten oder Weinlagen, sagt Schmitz. Auch weil die Grundstückspreise für Weinberge niedriger seien und eine Profilierung einfacher sei, da es dort kaum renommierte Top-Betriebe gebe.

In Traben-Trarbach hat schon vor rund 15 Jahren der Schweizer Daniel Vollenweider ein Weingut gegründet. Er war Vermessungstechniker, studierte dann Weinbau – und entdeckte den Riesling für sich. Heute geht sein Wein in alle Welt. In Kröv ist der Pole Andrzej Greszta vor rund zehn Jahren mit seinem Weingut an den Start gegangen. In Reil bewirtschaften die Winzer Tobias Treis und Ivan Giovanett aus Südtirol gemeinsam einen Weinberg als deutsch-italienisches Joint-Venture. Und in Enkirch macht derzeit ein Jurist aus London eine Winzerausbildung.

Neben den internationalen Zuläufen gebe es aber auch Quereinsteiger aus ganz Deutschland, die zum Weinmachen an die 
Mosel kämen, so Schmitz. Es seien etwa 50 – von einer Biologin über einen Bankkaufmann bis hin zu einem Industriemeister. „Alle vereint die Vision, gute Weine machen zu wollen.“


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