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Vier Tage nach dem Mauerfall vor 25 Jahren: Der erste Trabi in Luxemburg
Panorama 3 Min. 09.11.2014

Vier Tage nach dem Mauerfall vor 25 Jahren: Der erste Trabi in Luxemburg

Andreas Holz vor seinem Trabi, der damit vor 25 Jahren nach Luxemburg gereist war.

Vier Tage nach dem Mauerfall vor 25 Jahren: Der erste Trabi in Luxemburg

Andreas Holz vor seinem Trabi, der damit vor 25 Jahren nach Luxemburg gereist war.
FOTO: HORST GÖTZ-SCHMITT
Panorama 3 Min. 09.11.2014

Vier Tage nach dem Mauerfall vor 25 Jahren: Der erste Trabi in Luxemburg

Andreas Holz schaffte es mit seiner Trabifahrt vor 25 Jahren ins „Luxemburger Wort“. Nun sucht die Zeitung nach ihm.

Von Marc Thill

Ein Trabi in Luxemburg. Das war vier Tage nach dem Mauerfall schon irgendwie eine kleine Sensation! Unsere Zeitung berichtete damals darüber und versucht nun – 25 Jahre später – erneut Kontakt mit dem Fahrer aufzunehmen.

Am 14. November 1989 erschien im „Luxemburger Wort“ ein Artikel mit dem Titel „Erster Trabi in Luxemburg gesichtet“. Am Lenkrad dieses Trabi saß der damals 32-Jährige Andreas Holz aus der Gegend um Dresden. Er wollte sich schon immer „Radio Luxemburg“ anschauen, den Sender, den er als Jugendlicher auf Kurzwelle hörte. Sobald sich die Schranken zwischen Ost und West hievten, fuhr er los. Per Zufall entdeckte damals der Wort-Korrespondent Horst Goetz-Schmitt – inzwischen verstorben – den Wagen am Boulevard Emmanuel Servais und porträtierte den jungen Mann.

Der Artikel über den ersten Trabi in Luxemburg, erschienen am 14. November 1989 im "Luxemburger Wort".
Der Artikel über den ersten Trabi in Luxemburg, erschienen am 14. November 1989 im "Luxemburger Wort".
ARCHIV

25 Jahre später möchten wir nochmals Kontakt mit Andreas Holz aufnehmen. Wir haben deshalb bereits die Sächsiche Zeitung aus Dresden darum gebeten, einen Aufruf zu veröffentlichen: „Luxemburg sucht Dresdner Trabifahrer“. Geschafft haben wir es noch nicht, aber wer weiß ... Hier Auszüge aus dem Artikel, so wie er am 14. November 1989 im „Luxemburger Wort“ erschien:

Wie ein Exote

Er nahm sich wie ein Exote aus, der kleine blaue Trabant aus der DDR mit dem Kennzeichen YZ 61-08. Er stand am Boulevard Emmanuel Servais in der Hauptstadt. Sein Besitzer, der 32-jährige Isolier-Monteur Andreas Holz aus der Nähe von Dresden, hatte sich nach der Öffnung der DDR-Grenze in den Westen einen Kindheitstraum erfüllt: Einmal den Sender „Radio Luxemburg“ sehen zu können, den er als Jugendlicher auf Kurzwelle hörte. Die Geschichte der Reise klingt abenteuerlich, und für Andreas Holz ist sie wohl ein Abenteuer.


Andreas Holz heute - Frührentner nach der Pleite seines Arbeitgebers.
Nach Zeitungsaufrufen, E-Mails und Tweets: Wir haben den Trabi-Fahrer gefunden!
Mit seinem himmelblauen Trabi fuhr er 1 000 Kilometer von Dresden nach Luxemburg. Das war damals, drei Tage nach dem Mauerfall! Das „Luxemburger Wort“ berichtete über Andreas Holz, den Fahrer des Trabis. 25 Jahre später hat die Redaktion den Mann erneut gesucht – und ihn auch gefunden!

Der Plan, in die Bundesrepublik zu fahren, war ihm und einem Arbeitskollegen schon gekommen, als die Möglichkeit über die die damalige Tschekoslowakei CSSR bestand. Sie wollten einen Arbeitskollegen in der Nähe von Frankfurt/Main besuchen, der vor drei Jahren aus der DDR in die Bundesrepublik geflüchtet war.

Unbekannte hatten einen keinen Nelkenstrauß hinter einen Scheibenwischer gelegt

„Als wir das dann im Radio hörten, dass wir mit dem Personalausweis in die BRD ausreisen können, sind wir beide früh morgens nichts wie hin zur Polizei. Wir waren die ersten. Hinter uns bildete sich bald eine lange Schlange. Die Polizisten wussten aber selbst noch nicht genau, was sie machen sollten, welchen Visum-Stempel sie uns geben sollten. Formulare für diese Reise waren ja noch nicht vorhanden.“ (...)

Im RTL-Frühstücksfernsehen

Am vergangenen Sonntag machte sich Andreas auf den Weg nach Luxemburg. Freunde hatten ihm gesagt, an der Grenze gebe es keine Schwierigkeiten. „Im Prinzip ist da ja auch keine Grenze“, sagt er uns gestern. „So etwas kenne wir doch überhaupt nicht.“

Beim Sender RTL fand er niemanden. Deshalb fuhr er in die Stadt, um irgend jemanden zu fragen, der ihm weiterhelfen könnte. Der Besucher aus der DDR traf den Richtigen, Dr. Peter Palinkas vom Europäischen Parlament. Der sah den „Trabi“, kam mit Andreas Holz ins Gespräch und erfuhr dessen Lieblingswunsch. Dr. Palinkas nahm ihn mit in seine Wohnung in Cents und telefonierte mit Freunden. Es gelang ihm, für das „Frühstückfernsehen“ gestern morgen eine Termin für Andreas zu bekommen.

In der Sendung sah ihn Mandy Hotschnig aus Bartringen. Spontan rief sie beim Sender an und lud den Gast in ihre Familie ein. (...)

Andreas Holz, Frau Mandy Hotschnig und deren Kinder.
Andreas Holz, Frau Mandy Hotschnig und deren Kinder.
FOTO: HORST GÖTZ-SCHMITT

Andreas Holz wird die Tage wohl nie in seinem Leben vergessen, auch nicht jene kleine Geste, die wir gemeinsam erlebten: Wir fuhren zu seinem „Trabi“, um dort ein Photo zu machen. In der Zwischenzeit hatte ein Unbekannter oder eine Unbekannte einen keinen Nelkenstrauß hinter einen Scheibenwischer gelegt. „Das gibt’s doch nicht“, war seine Reaktion. „Wenn ich das zu hause erzähle, das glaubt mir kein Mensch.“

Wo ist Andreas Holz heute? Helfen Sie uns!

Das „Luxemburger Wort“ porträtierte nach dem Mauerfall Andreas Holz, der erste, der mit einem Trabant nach Luxemburg gelangte. 25 Jahre später möchten wir nochmals Kontakt mit Andreas Holz aufnehmen. Vielleicht können Sie uns helfen. Als die Mauer fiel, war Andreas Holz Isolier-Monteur und fuhr einen kleinen blauen Trabant mit dem Kennzeichen YZ 61-08. Am 12. November 1989 reiste er über Frankfurt nach Luxemburg, wo er Radio Luxemburg besuchte. Alle Infos an wort@wort.lu 


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