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Versierte Architektin der Macht
Panorama 2 Min. 16.07.2019

Versierte Architektin der Macht

Angela Merkel im roten Blazer mit typischer Rautegeste.

Versierte Architektin der Macht

Angela Merkel im roten Blazer mit typischer Rautegeste.
Foto: ZDF/Michael Kappeler
Panorama 2 Min. 16.07.2019

Versierte Architektin der Macht

Das ZDF zeigt ein TV-Porträt von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ihrem 65. Geburtstag.

von Cornelia Wystrichowski

Sie ist seit 14 Jahren Bundeskanzlerin, gilt als clevere Machtpolitikerin und sorgte in jüngster Zeit mit beängstigenden Zitteranfällen für Schlagzeilen: Angela Merkel, die am 17. Juli ihren 65. Geburtstag feiert. Um mögliche Gesundheitsprobleme der Regierungschefin geht es in dem TV-Porträt „Mensch Merkel!“, mit dem das ZDF bereits am 16. Juli um 20.15 Uhr die CDU-Politikerin würdigt, aber nicht. Der Beitrag von Bernd Reufels, in dem Befürworter und Kritiker der Kanzlerin ausführlich zu Wort kommen, zieht vielmehr eine Bilanz ihrer Politik. Er stellt außerdem die Frage, welcher Mensch sich hinter dieser versierten Architektin der Macht verbirgt, von deren Privatleben nur wenig bekannt ist.

„Sie kennen mich“

Eine Frage, die auch diese Dokumentation nicht beantworten kann, denn kaum jemand scheint die Kanzlerin, die 2013 ausgerechnet mit dem Slogan „Sie kennen mich!“ in den Bundestagswahlkampf zog, wirklich zu kennen. „Das sagen selbst Menschen, die lange und intensiv mit ihr zusammengearbeitet haben“, betont Dokumentarfilmer Bernd Reufels.


29.06.2019, Japan, Osaka: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat  während des Leader's Special Event on Women's Empowerment auf dem G20-Gipfel für einen Moment die Augen geschlossen. Foto: Lukas Coch/AAP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Einen Blick hinter die Fassade der Politikerin gewährt sein Film zwar nicht, zieht dafür aber eine durchaus kritische Bilanz ihrer bisherigen Regierungsarbeit. Bernd Reufels’ TV-Porträt ist alles andere als ein Jubelbeitrag zum anstehenden Geburtstag und geht auf Merkels viel kritisierten Atomausstieg oder ihre heftig umstrittene Flüchtlingspolitik dezidiert ein. „Sie hat vor allen Dingen vielfältige Spaltungen hinterlassen. Eine gespaltene CDU, tiefe Spaltungen in der Gesellschaft – und durch die Flüchtlingspolitik sogar Spaltungen in Europa“, sagt etwa der Historiker und Merkel-Kritiker Andreas Rödder. Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, ebenfalls kein ausgemachter Freund der Politik der Kanzlerin, bemängelt in dem ZDF-Beitrag, Merkel habe die AfD erst möglich gemacht: Wer seine Politik als alternativlos bezeichne, dürfe sich nicht wundern, wenn rechts von der CDU eine Partei mit dem Begriff Alternative im Namen entstehe. Der Journalist und Verleger Jakob Augstein bezeichnet die Kanzlerin in dem Beitrag in diesem Sinne gar als „Mutter der AfD“.

„Fels in der Brandung“

Andere Stimmen in der Doku, etwa von der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer oder dem früheren Innenminister Thomas de Maizière, loben Merkels unaufgeregte Herangehensweise an politische Probleme, den analytischen Sachverstand der Physikerin, ihre fehlende Eitelkeit und ihre Unerschütterlichkeit. Sie sei in aufgeregten politischen Zeiten ein „Fels in der Brandung“, lobt der frühere britische Premierminister Tony Blair die Kanzlerin. Anerkennend äußern sich sowohl Kritiker als auch Befürworter zu Merkels Durchsetzungsvermögen: Der politische Werdegang der Frau, die in der westdeutschen CDU eine außerordentliche Karriere durchlief und dabei im Kampf um Ämter zahlreiche innerparteiliche Alpha-Männchen eiskalt ausschaltete, nötigt selbst ihren Gegnern Respekt ab. 


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