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Veronica Ferres: „Ich hatte oft Angst“
Panorama 1 4 Min. 31.03.2020

Veronica Ferres: „Ich hatte oft Angst“

Veronica Ferres in einer eher ungewohnten Rolle: Sabine, die Frau eines deutschen Waffenhändlers, ist unglücklich mit ihrem Leben und sucht Ablenkung davon im Alkohol.

Veronica Ferres: „Ich hatte oft Angst“

Veronica Ferres in einer eher ungewohnten Rolle: Sabine, die Frau eines deutschen Waffenhändlers, ist unglücklich mit ihrem Leben und sucht Ablenkung davon im Alkohol.
Foto: SWR/Diwa Film/Jürgen Olczyk
Panorama 1 4 Min. 31.03.2020

Veronica Ferres: „Ich hatte oft Angst“

Schauspielerin Veronica Ferres spricht im Interview über den Antiwaffen-Film „Meister des Todes 2“, warum sie in Mexiko inkognito drehen musste und ihre Furcht vor einer Entführung.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Mit seinem brisanten TV-Drama „Meister des Todes“ über illegale deutsche Waffenexporte nach Mexiko sorgte Filmemacher Daniel Harrich 2015 für Wirbel. Der deutsche Bundestag befasste sich mit Rüstungslieferungen, wenig später kam es zu einem Prozess gegen Ex-Mitarbeiter eines Waffenherstellers. Am 1. April um 20.15 Uhr zeigt die ARD die Fortsetzung „Meister des Todes 2“: Veronica Ferres spielt darin die Frau eines Rüstungsmanagers, die nicht länger wegsehen kann und den Verkauf von Sturmgewehren in Krisengebiete beenden will.

Veronica Ferres, der viel beachtete Film „Meister des Todes“ befasste sich 2015 mit illegalen deutschen Waffenexporten nach Mexiko. Jetzt kommt die Fortsetzung ins Fernsehen. Sie spielen eine glühende Waffengegnerin. Sind Sie selbst eine? 

Vor dem ersten Teil hatte Autor Daniel Harrich ein Interview von mir in der Zeitung gelesen, in dem ich mich gegen die Waffenlobby geäußert hatte. Er hat dann irgendwie meine Handynummer rausgefunden, mich angerufen und wollte mich kennenlernen. Als wir uns getroffen haben, fragte er mich, ob ich Lust hätte, die Ehefrau eines Drahtziehers der Waffenfirma in seinem Film zu spielen. Ich habe ihm sofort zugesagt.

Ihre Rolle ist nun viel größer geworden, Sie spielen jetzt die Schlüsselfigur des Films … 

Damals waren es zwei Drehtage, jetzt wurde meine Figur zur Hauptrolle ausgebaut und ich hatte 20 Drehtage. Das bedeutete für mich eine viel intensivere Vorbereitungszeit, die schon vier Monate vor Drehbeginn anfing. Es war eine spannende Herausforderung und ich bin sehr stolz, dass ich Teil dieses Teams sein durfte, das eine so wichtige Geschichte erzählt. 

Sie spielen die Frau eines Managers einer Waffenfirma, die nicht länger damit leben kann, dass diese Waffen illegal in Krisengebiete exportiert werden und dort großes Unheil anrichten ... 

Sabine ist eine Mitläuferin, sie hat jahrzehntelang gut gelebt vom illegalen Verkauf dieser Waffen, mit denen Hunderttausende unschuldiger Menschen getötet wurden. Doch irgendwann kann sie nicht mehr wegsehen, sie beginnt zu trinken. Außer bei „Die Manns“ damals, als ich die Frau von Heinrich Mann verkörpert habe, habe ich noch nie eine Alkoholikerin gespielt, und das war schon eine ganz besondere Charakterstudie. Daniel Harrich hat mit der Maskenbildnerin ein eigenes Make-up-Konzept für meine Rolle entwickelt. Ich bekam morgens mit einer speziellen Technik geplatzte Äderchen auf die Haut geschminkt, um die zerstörte Hautstruktur mancher Alkoholiker zu erzeugen.

Der erste Film hatte damals einen Prozess gegen Ex-Mitarbeiter des Waffenherstellers Heckler & Koch wegen des Verdachts auf illegale Waffenexporte ausgelöst. Eben dieser Prozess ist nun Gegenstand der Fortsetzung … 

Daniel Harrich war im Prozess persönlich anwesend und hat mich jeden Tag über WhatsApp auf dem Laufenden gehalten. Die Texte im Film lehnen sich, soweit juristisch möglich, an diese Realität an.

Auch eine Schauspielerin aus Luxemburg ist mit von der Partie: Die Richterin (Désiree Nosbusch) will keinesfalls zulassen, dass der Prozess ein politischer wird.
Auch eine Schauspielerin aus Luxemburg ist mit von der Partie: Die Richterin (Désiree Nosbusch) will keinesfalls zulassen, dass der Prozess ein politischer wird.
Foto: SWR/Diwa Film/Nurivan Mendoza Me

Ein Teil des Films spielt in Deutschland und dreht sich um die Verhandlung gegen die Waffenhändler. Ein anderer wurde in Mexiko gedreht und basiert auf einem wahren Fall: Sechs Studenten wurden von Angehörigen der Polizei erschossen, 43 weitere sind verschwunden. Wie haben Sie recherchiert? 

 Ich habe Anwälte kennengelernt, die sich für die Rechte der Eltern der vermissten 43 mexikanischen Studenten einsetzen, aber auch einige Mütter der Jungs. Mit einer habe ich mich ganz besonders intensiv unterhalten. Man kann es nicht in Worte fassen, wie es ist, mit diesen Müttern zu sprechen, es ist unfassbar, was sie durchleiden. Sie hoffen, dass ihre Kinder doch noch irgendwann zurückkommen. Diese Familien lösen sich bei einer Mahnwache in Mexiko City ab, sie kommen dafür von weit her, und diese Busfahrten kosten viel Geld. Wir haben sie und die Kanzlei selbstverständlich finanziell unterstützt.

Der erste Film wurde unter Geheimhaltung gedreht, damit kein deutscher Waffenhersteller auf die Idee käme, gegen das Projekt vorzugehen. War das auch bei „Meister des Todes 2“ so? 

Ja, das war bei uns auch so. Wir haben nicht über das Projekt sprechen dürfen, bevor der fertige Film der Presse vorgestellt wurde. Und ich war inkognito in Mexiko, denn wenn durchgesickert wäre, dass ich eine bekannte Schauspielerin bin, hätte die Gefahr einer Entführung bestanden. Entführungen sind dort an der Tagesordnung. Als ich eingereist bin, habe ich noch bis zur Passkontrolle als Veronica Ferres existiert, und dann nicht mehr. Ich wurde im Hotel unter falschem Namen eingecheckt, alle Mexikaner haben mich mit anderem Namen angeredet. Das war komisch an den ersten Tagen. Wenn gerufen wurde „Maria, komm bitte zum Set“, dachte ich dauernd: „Wer ist Maria?“.

Hatten Sie Angst? 

Ja, ich hatte oft Angst. Wir haben in Iztapalapa gedreht, das ist eines der gefährlichsten Viertel in Mexiko-Stadt. In dieser Gegend herrscht kein Gesetz. Wenn da jemand seinen Nachbarn erschießt, kommt keine Polizei. Wir waren mittendrin, schutzlos, die hätten alles mit uns tun können. Aber die Gangs und kriminellen Organisationen haben uns in Ruhe gelassen, denn Daniel hat es geschafft, den Menschen dort klarzumachen, wie wichtig dieser Film ist.


WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN
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Wie nahe ist „Meister des Todes 2“ an der Realität? 

Der Film basiert auf Wahrheit, das zeigt auch die anschließende Dokumentation. Jugendliche Studenten, die nur friedlich demonstrieren wollten, wurden erschossen und irgendwo verscharrt. Dass Deutschland in solche Gebiete illegal Waffen ausliefert, ist einfach empörend. Haben wir das nötig, so unser Geld zu machen – als eines der reichsten Länder der Welt? 

Welche Reaktion auf den Film erhoffen Sie sich? 

Das Schönste wäre, dass die Menschen darüber reden, dass wir als Gesellschaft unsere Politiker zu einer anderen Verantwortung erziehen. Vielleicht haben wir auch die Chance, wie mit dem ersten Fall wieder einen Gerichtsprozess in Gang zu setzen.

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