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Venedig: Schluss mit dem Besucherfluss
Die Lagunenstadt zieht jährlich Millionen Touristen an.

Venedig: Schluss mit dem Besucherfluss

Foto: Fern Morbach
Die Lagunenstadt zieht jährlich Millionen Touristen an.
Panorama 2 Min. 17.07.2015

Venedig: Schluss mit dem Besucherfluss

Venedig gilt vielen als schönste Stadt der Welt. Oder als abschreckendes Beispiel für Massentourismus. Der neue Bürgermeister will das mit durchaus umstrittenen Methoden ändern.

(dpa) - Luigi Brugnaro steht in seinem Büro in Venedig nahe der Rialto-Brücke und wirkt voller Tatendrang. Vor wenigen Wochen hat der konservative Unternehmer überraschend die Wahl zum Bürgermeister von Venedig gewonnen und damit nicht nur einen Prestigeposten sondern auch einen Haufen Probleme geerbt.

Nicht nur, dass die Stadt von einem Korruptionsskandal gebeutelt wurde und rund ein Jahr praktisch ohne Regierung dastand. Zur Urlaubssaison ist besonders offensichtlich, wie sehr der Massentourismus die Stadt gefährdet. „Wir sind voll, wir können wirklich nicht mehr Touristen aufnehmen“, sagt Brugnaro.

Ein abschreckendes Beispiel

Es gibt wohl wenige schönere Städte auf diesem Planeten. Aber auch wenige, die durch den Tourismus so sehr bedroht werden. Viele Einwohner haben der Stadt schon längst den Rücken zugekehrt, das Leben ist zu teuer, Arbeitsplätze - außer im Tourismus - gibt es auf dem Festland. Läden, Restaurants und Cafés sind nur noch auf Touristen zugeschnitten. Die Stadt firmiert als italienisches Disneyland.

International gilt sie auch als abschreckendes Beispiel - so sagte zuletzt die neue Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, dass ihre Stadt nicht wie Venedig enden solle und sie daher den Tourismus einschränken wolle. Eine Aussage, die in Italien hohe Wellen schlug.

„Barcelona würde sich die Finger danach lecken, wie Venedig zu werden“, sagte Italiens Kultur- und Tourismusminister Dario Franceschini. Gleichzeitig warb er aber für einen „kultivierteren Tourismus“ in Italien - nicht an Tagestouristen im Dreieck Rom-Florenz-Venedig sei er interessiert, sondern an Menschen, die die wahren und etwas abseitigen Schätze Italiens würdigen würden.

Die Kulturschutzorganisation Italia Nostra gibt an, dass mehr als 30 Millionen Menschen pro Jahr Venedig besuchen, der Bürgermeister spricht von 20 Millionen. Die Zahl der Tagestouristen wird beim italienischen Fremdenverkehrsamt nicht erfasst, nur die der Menschen, die auch in Venedig übernachten. Und das sind wesentlich weniger: Das Amt zählte im vergangenen Jahr 2,6 Millionen Gäste im historischen Zentrum.

Tagestouristen kommen vor allem von den Kreuzfahrtschiffen, die in der Lagunenstadt anlegen. Sie gelten als wenig rentable Gäste, denn sie haken lediglich Sehenswürdigkeiten ab und lassen kaum Geld in der Stadt.

Umstrittene Pläne

Bürgermeister Brugnaro hat nun neue Maßnahmen im Kopf: Er will den Zugang zu Attraktionen wie dem Markusplatz beschränken. „Einwohner, Studenten und Pendler hätten freien Zugang, ebenso Hotelgäste. Tagestouristen müssten im Voraus buchen“, sagt der 55-Jährige. Ob man künftig bezahlen muss, um auf den Markusplatz zu kommen, ist unklar.

Die Idee ist nicht neu, aber auch nicht unumstritten. Venedig ist auf den Tourismus angewiesen, Reisende zu vergraulen, bedeutet weniger Geld in der klammen Gemeindekasse. Kulturminister Franceschini hält Ideen wie ein Eintrittsticket für das historische Zentrum für die falsche Methode. Das würde den Eindruck einer geschlossenen Stadt hinterlassen. Venedig sollte vielmehr, „als Stadt leben“.

Über ein Touristen-Limit wird derweil auch andernorts nachgedacht: Die Aufnahmekapazität der Balearen sei vor allem in den Sommermonaten völlig erschöpft, hieß es kürzlich von der neuen linken Regierung der spanischen Inselgruppe, zu der auch Mallorca gehört.

Brugnaro schweben noch andere Maßnahmen vor, den Tourismus zu regeln und das lokale Leben wiederzubeleben. So sollten Einwohner in einer Extra-Schlange schneller auf die Vaporetti, also die Wasserbusse, dürfen. Zudem will er den Tourismus außerhalb der Saison und in der ganzen Kommune Venedig bewerben. Das Umland biete wunderbare Attraktionen - in 40 Minuten sei man zum Beispiel in den Dolomiten.


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