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Vatikan stellt Mordermittlungen auf deutschem Friedhof ein
Panorama 02.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Vatikan stellt Mordermittlungen auf deutschem Friedhof ein

Pietro Orlandi, der Bruder der vermissten Emanuela Orlandi, mit einem Foto seiner Schwester auf dem Petersplatz.

Vatikan stellt Mordermittlungen auf deutschem Friedhof ein

Pietro Orlandi, der Bruder der vermissten Emanuela Orlandi, mit einem Foto seiner Schwester auf dem Petersplatz.
Foto: Serena Cremaschi Insidefoto/Ansa
Panorama 02.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Vatikan stellt Mordermittlungen auf deutschem Friedhof ein

Im Sommer 2019 hatte die Familie der vermissten Emanuela Orlandi mehrere Gräber auf dem Campo Santo Teutonico öffnen lassen. Die dort gefundenen Knochen seien aber zu alt, so das Presseamt des Vatikans.

(KNA) Der Vatikan hat die Ermittlungen zu einem möglichen Verbleib der verschwundenen Jugendlichen Emanuela Orlandi auf dem deutschen Friedhof im Vatikan offiziell eingestellt. Der Fall werde zu den Akten gelegt, teilte das Presseamt (Donnerstag) mit. Untersuchungen der fraglichen Gebeine hätten ergeben, dass sie sämtlich älter als 100 Jahre seien und damit weit vor dem Zeitpunkt des Verschwindens von Orlandi 1983 lägen. Die Altersbestimmung wurde laut der Mitteilung durch den vom Vatikan bestellten Forensiker Giovanni Arcudi im Beisein von Sachverständigen der Familie Orlandi vorgenommen.


This photo taken and handout on July 11, 2019 by the Vatican Media shows two tombs within the Vatican's grounds in the Teutonic Cemetery on July 11, 2019, prior to their opening as part of a probe into the case of Emanuela Orlandi, a teenager who disappeared in 1983 in one of Italy's darkest mysteries. - The Vatican is opening an internal probe into the case of Emanuela Orlandi, a teenager who disappeared in 1983 in one of Italy's darkest mysteries, and opened on July 11, 2019 two tombs within its grounds in the Teutonic Cemetery to see if it holds the girl's remains, after Orlandi's family's lawyer received an anonymous tip-off telling her to look inside the marble-topped grave. (Photo by Handout / VATICAN MEDIA / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / VATICAN MEDIA" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS ---
Vatikan: Neue Erkenntnisse im Vermisstenfall Orlandi
Im Vermisstenfall um die vor 36 Jahren verschwundene Emanuela Orlandi wurden am Donnerstag zwei Gräber geöffnet, um möglicherweise menschliche Überreste zu finden.

Die Angehörigen hatten im Sommer 2019 zwei Gräber und eine Gebeinkammer auf dem Gelände des deutschen Priesterkollegs Campo Santo Teutonico öffnen lassen. Dabei wurden Tausende Knochenteile aus unterschiedlichen Epochen geborgen. Der Suche vorausgegangen waren nach Angaben der Familie konkrete Hinweise aus dem Vatikan. Der Pressesaal betonte am Donnerstag, der Familie Orlandi stehe es frei, privat weitere Untersuchungen an den Gebeinfragmenten vorzunehmen, die in versiegelten Behältern bei der vatikanischen Gendarmerie aufbewahrt würden. 

Pietro Orlandi, Bruder der Vermissten, sprach von einem "kleinen Schritt vorwärts". Seit Juli 2019 habe die Familie ergebnislos beim Vatikan darum nachgesucht, an bestimmten Knochen eine präzisere Datierung durch eigene Experten vornehmen zu dürfen, sagte er laut italienischen Medien. Die Familie warte immer noch auf "Antworten auf alle Fragen". Die mehr als zwei Wochen dauernden Nachforschungen im Juli sollten Licht in das Schicksal der jungen Vatikanbürgerin bringen, die im Juni 1983 vom Musikunterricht nicht nach Hause zurückgekehrt war. Es ist einer der mysteriösesten Kriminalfälle Italiens. 


Pietro Orlandi (l.), Bruder der 1983 verschwundenen Emanuela Orlandi, spricht gemeinsam mit seiner Anwältin Laura Sgro (r.) mit Medienvertretern.
Vermisste Schülerin: Neue Suche nach Emanuela Orlandi im Vatikan
Gerichtsmediziner untersuchen zwei Gräber im Vatikan, um Hinweise zu finden, was mit Emanuela Orlandi geschah. Doch die Gräber sind leer. Am Samstag geht die Suche weiter.

Zu Orlandis Verschwinden gibt es mehrere Theorien, unter anderem Bezüge zur Mafia und dem Attentat auf Papst Johannes Paul II. 1981 durch den Türken Ali Agca. Ein Hinweis schien auf Gräber zweier deutscher Adliger zu deuten, Sophie von Hohenlohe (1758-1836) und Charlotte Friederike zu Mecklenburg (1784-1840). Die Grabstätten erwiesen sich bei ihrer Öffnung als leer.


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Um wenige Kriminalfälle ranken sich so viele Spekulationen wie um den Fall Emanuela Orlandi. Die Tochter eines Vatikan-Dieners verschwand vor mehr als 35 Jahren in Rom.
ARCHIV - 26.05.2012, Vatikan, Vatikanstadt: Pietro Orlandi, der Bruder der vermissten Emanuela Orlandi, hält auf dem Petersplatz seiner auf mysteriöse Weise verschwundenen Schwester in den Händen. Um wenige Kriminalfälle ranken sich so viele Spekulationen wie um den Fall Emanuela Orlandi. Die Tochter eines Vatikan-Dieners verschwand vor mehr als 30 Jahren in Rom. Der Kirchenstaat lässt nun zwei Gräber öffnen. Auf einem deutschen Friedhof. (zu dpa-Korr "Sucht, wohin der Engel schaut» - Graböffnung soll Vatikan-Krimi lösen") Foto: Serena Cremaschi Insidefoto/Ansa/epa/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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