Urlauber eingeschneit in Zermatt: "Wir sollen unser Appartement nicht verlassen"
Auf den Bergen rund um den bekannten Skiort türmen sich die Schneemassen auf mindestens drei Meter Höhe.

Urlauber eingeschneit in Zermatt: "Wir sollen unser Appartement nicht verlassen"

Foto: AFP
Auf den Bergen rund um den bekannten Skiort türmen sich die Schneemassen auf mindestens drei Meter Höhe.
Panorama 12 3 Min.22.01.2018

Urlauber eingeschneit in Zermatt: "Wir sollen unser Appartement nicht verlassen"

Pol Schock
Pol Schock

„Schneesicher - 365 Tage im Jahr“. Der Werbespruch Zermatts bekommt zunehmend einen zwiespältigen Beigeschmack. Zum zweiten Mal binnen zwei Wochen ist der Ort wegen Lawinengefahr kaum mehr zu erreichen. Mittendrin der Luxemburger Greenpeace-Gründer Roger Spautz.

(dpa/ps/rc) - Der Wintersportort Zermatt in der Schweiz ist nach ergiebigen Schneefällen erneut weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Der Zugverkehr sei wegen der Lawinengefahr eingestellt worden, sagte ein Sprecher der Matterhorn Gotthard Bahn am Sonntag. Bis wann die Sperre der Bahnlinie und auch der Zufahrtsstraße dauern werde, sei noch unklar. „Es sind neue Schneefälle angekündigt.“ Die einzige Möglichkeit, den Ort zu verlassen, bestand zwischenzeitlich per Helikopter. Betroffen von der Sperre sind nach Angaben des Tourismusbüros unter anderem die 9000 Gäste im Ort.

Der Skiort gilt auch als beliebtes Urlaubsziel für Luxemburger. Wie viele gerade in Zermatt feststecken, ist laut der Union Luxembourgeoise des Agences de Voyages (ULAV) nicht klar. Auch die Pressesprecherin der CFL, Alessandra Nonnweiler, erklärt, dass es nicht möglich ist, genaue Zahlen zu benennen. Es sei aber nachzuweisen, dass für den momentanen Zeitraum keine Reisen nach Zermatt über die Reiseagentur CFL-Evasion gebucht worden sind. Eric Zorn, Pressesprecher von Sales-Lentz, schätzt, dass sich möglicherweise rund 100 Luxemburger in der eingeschneiten Gegend befinden. Sales-Lentz-Busse mit Reisegruppen sind jedoch aktuell keine dort.

 Wir sollen unser Appartement aktuell nicht verlassen, hat uns die Feuerwehr geraten.

Mittendrin ist aber der Luxemburger Roger Spautz. Der Mitgründer von Greenpeace Luxemburg ist seit Samstag mit seiner Frau und seinem Hund  in Zermatt. "Wir sollen unser Appartement aktuell nicht verlassen, hat uns die Feuerwehr geraten", so Spautz. Der Grund: Akute Lawinengefahr. Die Stimmung sei jedoch gut, man habe genügend Proviant und  genieße die Zeit zur Entschleunigung.

Generell würden  die örtlichen Autoritäten in Zermatt  einen routinierten Umgang mit der Situation zeigen und Ansässige wie Touristen gut informieren. Lediglich die Menschen, die jetzt abreisen müssten, würden unter Stress stehen. Seit Sonntagmittag hatte Air Zermatt Shuttle-Flüge zwischen Zermatt und dem sechs Kilometer entfernten Täsch eingerichtet. Laut Gemeinde waren die Tickets für Sonntag für den Abflug in Zermatt schon nach kurzer Zeit ausverkauft. Fotos zeigten lange Warteschlangen am Startplatz. Nach kurzer Zeit mussten diese Flüge wegen des schlechten Wetters aber eingestellt werden. Anreisende Gäste wurden gebeten, deutlich vor Zermatt eine Unterkunft zu suchen.

Bei der jüngsten Sperre von Straße und Bahn in der zweiten Januarwoche hatte Air Zermatt nach eigenen Angaben 2200 Gäste, Einheimische und Angestellte von oder nach Zermatt geflogen. Außerdem wurden 67 Tonnen Güter transportiert. 

Laut Website der Gemeinde wurden am Sonntag und Montag alle Bergbahnen (insgesamt 360 Pistenkilometer) wegen der Lawinengefahr geschlossen. "Geschlossen auf Grund großer Schneemengen und Lawinengefahr", heißt es.  Im Tal liegen fast zwei Meter Schnee. Auf den Bergen rund um den bekannten Skiort türmen sich die Schneemassen auf mindestens drei Meter Höhe. Seit Samstag würde es laut Spautz nahezu nonstop durchschneien. Doch Besserung ist in Aussicht: Am Montagnachmittag soll es aufhören zu schneien und ab Dienstag ist Sonnenschein gemeldet. 

Lawinengefahr in ganz Alpen

Auch in anderen Wintersportorten der Alpen herrscht aktuell die höchste Lawinenwarnstufe. Neben Zermatt sind oder waren auch Andermatt, St. Anton, Galtür oder Ischgl zeitweilig eingeschneit. Durch wärmere Luft sei Niederschlag bis zu 2000 Metern Höhe als Regen gefallen, was die Schneedecke zusätzlich labil werden lasse, warnten Fachleute in der Schweiz und Österreich. "Man muss verbreitet in der Schweiz mit großen Lawinen rechnen", sagte Christine Pielmeier vom Davoser Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) im Schweizer Rundfunk. "Heute ist die heikelste Phase, Entspannung erwarten wir eigentlich erst im Laufe des Dienstags."