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Uralte Flaschenpost: Australierin findet Nachricht von 1886
Panorama 1 3 Min. 06.03.2018 Aus unserem online-Archiv

Uralte Flaschenpost: Australierin findet Nachricht von 1886

Eine Genever-Flasche mit holländischer Aufschrift, darin ein Zettel in deutscher Sprache, datiert auf 1886 - die Zutaten für einen Sensationsfund.

Uralte Flaschenpost: Australierin findet Nachricht von 1886

Eine Genever-Flasche mit holländischer Aufschrift, darin ein Zettel in deutscher Sprache, datiert auf 1886 - die Zutaten für einen Sensationsfund.
Foto: WA Museum/dpa
Panorama 1 3 Min. 06.03.2018 Aus unserem online-Archiv

Uralte Flaschenpost: Australierin findet Nachricht von 1886

Flaschenpost - was für ein herrliches altmodisches Ding. An einem Strand in Australien taucht jetzt eine Nachricht aus Deutschland von 1886 auf. Die Experten sind sich sicher, dass sie echt ist. Länger war solche Post wohl noch nie unterwegs.

(dpa) - Im Juni 1886 hieß Deutschlands Reichskanzler Bismarck, die Herren Daimler und Benz bauten an ihren Motorkutschen, und im Starnberger See wurde der Leichnam des Bayern-Königs Ludwig II. entdeckt. Und vom deutschen Segler „Paula“, der gerade im Indischen Ozean unterwegs war, warf jemand eine Flaschenpost ins Meer, mit der freundlichen Bitte, der Finder möge sich melden. Die Erfüllung des Wunsches hat etwas länger gedauert, aber jetzt ist es passiert.

An einem Strand an Australiens Westküste entdeckte eine Spaziergängerin namens Tonya Illman zu Beginn des Jahres die Nachricht aus dem vorvergangenen Jahrhundert. Wenn man den Schifffahrts-Experten glauben darf, hat es noch nie länger gedauert, bis eine Flaschenpost gefunden wurde: vom 12. Juni 1886 bis zum 21. Januar 2018, also 132 Jahre. Der bisherige Rekord laut Guinness-Buch stand bei etwas mehr als 108 Jahren.

Der Segler "Paula" war mit einer Ladung Kohle von Wales nach Indonesien  unterwegs. Im Auftrag eines Forschungsinstituts warf der Kapitän die  "Stromflasche" über Bord.
Der Segler "Paula" war mit einer Ladung Kohle von Wales nach Indonesien unterwegs. Im Auftrag eines Forschungsinstituts warf der Kapitän die "Stromflasche" über Bord.
Bild: Edouard Adam/AAP/dpa

An jenem Januartag war Illman, eine Fotografin, mit der Freundin ihres Sohnes am Strand von Wedge Island unterwegs, einer sehr einsamen Insel an Australiens ohnehin einsamer Westküste. Aus dem Sand ragte zur Hälfte eine dunkelgrüne Flasche heraus. Anfangs hielt die Australierin das Ding für Müll. „Dann dachte ich, das könnte gut in mein Bücherregal passen.“ Erst beim näheren Hinsehen entdeckten die beiden darin ein zusammengerolltes Formular in deutscher Sprache.


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Darauf stand, teils als Vordruck, teils in arg verblichener Handschrift: „Diese Flasche wurde über Bord geworfen am 12ten Juni 1886 In 32° 49' Breite Süd Und 105° 25' Länge Süd Greenwich Ost. Vom: Bark Schiffe: Paula Heimath: Elsfleth“. Und dann noch: „Der Finder wird ersucht den darin befindlichen Zettel, nachdem die auf umstehender Seite gewünschten Angaben vervollständigt sind, an die Deutsche Seewarte in Hamburg zu senden oder auch an das nächste Konsulat zur Beförderung an jene Behörde abzugeben.“

"Stromflasche über Bord"

Illman ging mit ihrem Fund zum Museum des Bundesstaats Western Australia, das die weiteren Recherchen übernahm und auch das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven sowie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg einschaltete, die Nachfolge-Organisationen der Seewarte. Ziemlich schnell zeigte sich, dass es an der Echtheit der Flaschenpost keine Zweifel gab.

Die Flasche wurde tatsächlich von der „Paula“ ins Wasser geworfen, die damals mit Kohle aus Wales von Cardiff nach Makassar (heute: Indonesien) unterwegs war. Kapitän des Seglers mit Heimathafen Elsfleth bei Bremen war ein Mann namens O. Diekmann. Die Handschrift auf dem gefundenen Zettel stimmt mit der seinigen im Bordbuch ein. Und dort ist mit Datum 12. Juni 1886 auch vermerkt: „Stromflasche über Bord“.

"Erst dachte ich, es ist Müll. Dann dachte ich, sie würde gut in mein Regal passen." Danach bemerkte Tony Illman die Dimension ihres Funds.
"Erst dachte ich, es ist Müll. Dann dachte ich, sie würde gut in mein Regal passen." Danach bemerkte Tony Illman die Dimension ihres Funds.
Foto: Kym Illman/AAP/dpa

Auch der angegebene Ort im Indischen Ozean - etwa 950 Kilometer von der Fundstelle - passt zur Reiseroute der „Paula“. Die Experten haben auch keine Zweifel daran, dass die Flasche - eine Genever-Flasche mit holländischer Schrift - und das Papier des „Findezettels“ aus jener Zeit stammen. Zudem wurde von derselben Reise der „Paula“ eine andere Flaschenpost vor vielen Jahrzehnten schon auf Barbados entdeckt.

Dass Handelsschiffe in wissenschaftlichem Auftrag Flaschenpost auswarfen, war keine Seltenheit. Dahinter stand die Idee, Richtung und Geschwindigkeit der Meeresströmungen genauer bestimmen zu können. Ideengeber war der Geophysiker Georg von Neumayer (1826-1909), erster Direktor der Deutschen Seewarte. Zwischen 1864 und 1933 wurden in deren Auftrag mehr als 6000 Flaschen ins Meer geworfen. Allerdings kamen nur 662 Nachrichten zurück - die bislang letzte im Januar 1934. Das neue Fundstück von der „Paula“ ist jetzt Nummer 663.


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Vermutet wird, dass die Flasche allenfalls zwölf Monate im Meer zurücklegte, bevor sie auf Wedge Island an Land gespült wurde. Dass sie erst jetzt entdeckt wurde, lag vermutlich daran, dass sie viele Jahrzehnte vergraben im Sand lag. Vermutlich kam sie erst vor einiger Zeit wieder ans Tageslicht, vielleicht durch einen Sturm, jedenfalls 50 Meter landeinwärts. Das würde auch erklären, warum Flasche und Papier noch so gut erhalten sind.

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Tonya Illman hat ihr Fundstück nun dem Western Australia Museum überlassen. Dort wird die Flasche von Donnerstag an zu sehen sein. Wie es dann weitergeht, ist noch nicht entschieden. Aber vielleicht kommt die Post irgendwann einmal tatsächlich in die Flaschenpostsammlung nach Hamburg - wenn auch viele Jahrzehnte später als erhofft.


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