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Und es ward Licht! Seit 20 Jahren sind Raumfahrer auf der ISS

Und es ward Licht! Seit 20 Jahren sind Raumfahrer auf der ISS

Foto: Nasa/dpa
Panorama 5 1 3 Min. 06.12.2018

Und es ward Licht! Seit 20 Jahren sind Raumfahrer auf der ISS

Vor 20 Jahren legten die ersten Astronauten auf der Internationalen Raumstation den Lichtschalter um. Es war der Beginn einer überaus erfolgreichen internationalen Zusammenarbeit. Zumindest bis jetzt.

(dpa) - Es war ein kleiner Schritt für die beiden Raumfahrer, aber ein großer für die internationale Kooperation im All. Denn vor 20 Jahren betraten der Kosmonaut Sergej Krikaljow und sein amerikanischer Kollege Robert Cabana erstmals die ersten Bauteile, die heute das Kernstück der Internationalen Raumstation ISS bilden. Mit dem heutigen Weltraumprojekt hat der kleine Rumpf nur wenig zu tun - aus zwei Teilen ist inzwischen ein Raum so groß wie ein Fußballfeld geworden.

Heute ist die ISS eine hochkomplexe und gut ausgerüstete Weltraum-WG, in der zurzeit der deutsche Astronaut Alexander Gerst mit fünf Kollegen lebt. Am 10. Dezember 1998 war das noch ganz anders. Krikaljow und Cabana schwebten Hand in Hand als erste Menschen mit Taschenlampen durch die Luken der ISS. „Das war ein historischer Moment“, sagte der Ex-Kosmonaut Krikaljow einmal in einem Interview. Erst wenige Woche zuvor war das erste Modul in den Orbit geschossen worden.

Der symbolische Akt des russischen und des amerikanischen Raumfahrers am Außenposten der Menschheit bedeutete den Startschuss für ein einzigartiges Projekt, schreiben Moskauer Weltraumexperten. Die gute und professionelle Zusammenarbeit auf der ISS werde derzeit zwar von dramatischen Schlagzeilen überschattet. Erst ein Leck, dann ein Fehlstart - sogar Sabotage-Gerüchte wurden in den Raum gestellt. Der erste Besuch auf der ISS war jedoch „ein guter Start einer Arbeit, die wir bis heute fortsetzen“, resümierte Krikaljow.

1998 gehörte der Russe zu der sechsköpfigen Space-Shuttle-Besatzung, die die ersten Module im All in wenigen Tagen zusammenbaute: das russische Sarja-Modul und das Nasa-Modul Unity. Erst zwei Jahre später wurde dann eine Langzeit-Besatzung zur ISS geschickt. Auch damals war Krikaljow dabei. Seitdem ist die Weltraumstation etwa 400 Kilometer über der Erde rund um die Uhr besetzt.


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Heute ist der 60-Jährige Leiter der russischen bemannten Raumfahrt und hat bereits das Ende der Einsätze auf der ISS im Blick. Bis 2024 stehen die Pläne der Amerikaner und Russen für das milliardenschwere Projekt. „Wir verhandeln aber bereits über eine Verlängerung der Einsatzdauer bis 2028“, sagte der Ex-Kosmonaut der russischen Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“. Dann soll die aus mehr als einem Dutzend Modulen bestehende Station stufenweise zurück zur Erde gebracht werden. Die Teile sollen kontrolliert in den Pazifik stürzen. Ob der politische Streit zwischen Moskau und Washington der erfolgreichen Kooperation früher ein Ende setzt, ist offen.

Oft denkt Krikaljow an die ersten Stunden der ISS zurück. „Es gab so viel Platz. Wir hatten ja noch nicht mal einen Tisch oder irgendeine Ausrüstung.“ Beim ersten Durchgang mussten die beiden Raumfahrer zunächst das Licht anschalten, um dann mit Schraubenschlüssel zu hantieren und Halterungen anzubringen. Es habe nach Plastik und Metall gerochen. „Es war eine leere, jungfräuliche Station. Wir hatten ja gerade erst begonnen, dort zu arbeiten“, erinnert er sich.

Von dieser Unberührtheit ist 20 Jahre später nichts mehr zu spüren. Bislang haben rund 230 Menschen aus mehr als 18 Ländern auf der ISS gelebt. Ausgestattet ist sie inzwischen mit einem Trainingsraum, zwei Badezimmern und sechs Schlafräumen. Auch Weltraum-Touristen können sich auf dem Weg zur ISS machen - die Reisekosten inklusive Verpflegung belaufen sich auf etwa 17,5 Millionen Euro. Einmal war die ISS sogar überbelegt: 2009 hielten sich kurzzeitig 13 Menschen auf der Raumstation auf - es gab also nicht einmal genügend Betten.

Auch 20 Jahre nach dem Start werden auf der ISS zahlreiche Experimenten durchgeführt und sogar Blumen angepflanzt. Das nächste Projekt ist auch für die Mannschaft um Gerst ein Glücksfall: der Salat-Anbau.

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