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Umfrage zum Thema Chronische Krankheiten (Teil 4): Wissen Sie, was Sie essen?
Panorama 4 Min. 10.03.2016

Umfrage zum Thema Chronische Krankheiten (Teil 4): Wissen Sie, was Sie essen?

Fettleibigkeit fördert das Diabetesrisiko.

Umfrage zum Thema Chronische Krankheiten (Teil 4): Wissen Sie, was Sie essen?

Fettleibigkeit fördert das Diabetesrisiko.
Foto: Shutterstock
Panorama 4 Min. 10.03.2016

Umfrage zum Thema Chronische Krankheiten (Teil 4): Wissen Sie, was Sie essen?

Christophe LANGENBRINK
Christophe LANGENBRINK
Diabetes entwickelt sich zur Volkskrankheit. Weltweit sind rund 415 Millionen Menschen von der "Zuckerkrankheit" betroffen. Wie kann man die Diabetes-Epidemie eindämmen?

Diabetes ist einer der größten, globalen Gesundheitsnotstände des 21. Jahrhunderts. Weltweit sind schätzungsweise 415 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 bis 79 Jahren an Diabetes erkrankt, einschließlich 193 Millionen undiagnostizierter Fälle.

Weitere 318 Millionen Erwachsene leiden unter gestörter Glukosetoleranz und haben somit ein hohes Diabetesrisiko. Allein 2015 werden Diabetes und damit verbundene Komplikationen 5 Millionen Todesfälle verursacht haben und das Gesundheitswesen zwischen 673 und 1197 Milliarden US-Dollar kosten. Das entspricht zwölf Prozent der globalen Ausgaben im Gesundheitswesen. Wie kann man die Diabetes-Epidemie bremsen, stoppen oder gar umkehren?

Es gibt drei Hauptarten von Diabetes: Typ-1, Typ-2 und Schwangerschaftsdiabetes. Sowohl in entwickelten Ländern wie in Entwicklungsländern wurde der beunruhigende Anstieg des Typ-2-Diabetes mit Bevölkerungsalterung, wirtschaftlicher Entwicklung, zunehmender Urbanisierung, ungesünderer Ernährung, verminderter körperlicher Betätigung und einem chronischen Anstieg übergewichtiger und fettleibiger Bevölkerungsschichten in Zusammenhang gebracht.

Manche Risikofaktoren unvermeidbar

Manche Risikofaktoren, wie Alter, sind unvermeidbar, doch die Behandlung, Umkehr und Verhütung von Typ-2-Diabetes müssen sich auf „modifizierbare“ Risikofaktoren konzentrieren, besonders auf die Förderung gesunder Ernährung, mehr Bewegung und die Aufrechterhaltung eines normalen Körpergewichts.

Diese gesunden Lebensweisen könnten laut Weltgesundheitsorganisation (2016) das Auftreten aller neuen Fälle von Typ-2-Diabetes um ganze 65 bis 88  Prozent reduzieren. Neue Technologien im Gesundheitssektor, die körperliche Aktivität überwachen und fördern, wie Gesundheits- und Fitness-Apps, tragbare Geräte (z. B. Uhren, Armbänder) zum Überwachen physiologischer Daten und cloud-basierte Online-Gesundheitsmanagementplattformen tragen in zunehmendem Maße dazu bei, die Lebensqualität von Diabetes-Patienten zu verbessern.

Umfelder für gesunde Gewohnheiten schaffen

Natürlich kann Diabetesmanagement und -verhütung nicht den Patienten allein überlassen werden. Politische Entscheidungsträger, Unternehmen und die Zivilgesellschaft können vieles tun, um physische und kulturelle Umfelder zu schaffen, die gesunden Gewohnheiten zuträglich sind.

Das Umgestalten von Städten, öffentlichen Anlagen und Arbeitsplätzen in Hinblick auf ein Fördern von körperlichen Aktivitäten, indem zum Beispiel dafür gesorgt wird, dass Arbeitsstätten, Schulen und Läden durch Rad- und Fußgängerwege gut an Wohngebiete angebunden sind, dass Grünflächen und Fußgängerzone in ausreichender Zahl zu Verfügung stehen, dass Luftverschmutzung unter Kontrolle ist, und dass Treppen genauso leicht auszumachen sind wie Rolltreppen oder Fahrstühle, könnte erheblich dazu beitragen, die Diabetes-2-Epidemie einzudämmen.

Tun öffentliche und private Institutionen in dieser Hinsicht genug? Wie viel sollten sie investieren? Können sie es sich leisten, nicht zu investieren? Wie misst man den daraus erwachsenden Nutzen? Universalistische Ansätze in Bezug auf ausgewogene Ernährung haben sich in manchen EU-Ländern als durchaus effektiv erwiesen.

In Finnland beispielsweise, wo alle Schüler, Studenten und Arbeitnehmer in der Schule, Uni oder Firma kostenlose oder subventionierte fettarme Mahlzeiten erhalten, sind sozioökonomische Ungleichheiten bei der Verwendung von Butter und fettreicher Milch erheblich zurückgegangen.

Maßgeschneiderte Ansätze für Kinder

Maßgeschneiderte Ansätze, die zum Beispiel darauf abzielen, gesundes Essen attraktiver für Kinder zu machen, haben sich ebenfalls als erfolgreich erwiesen: Das Fernsehprogramm und die Mobil-App „LazyTown“, die 1996 in Island ins Leben gerufen wurden, um Fettleibigkeitsraten bei Kindern und Jugendlichen zu senken, waren ausgesprochen erfolgreich, und in einer Studie waren zwischen 27 und 42  Prozent der Kinder im Vorschulalter der Meinung, dass Essen der Marke LazyTown besser schmeckt als identische Nichtmarkenwaren.

Allein 2015 werden Diabetes und damit verbundene Komplikationen 5 Millionen Todesfälle verursacht haben und das Gesundheitswesen zwischen 673 und 1197 Milliarden US-Dollar kosten.
Allein 2015 werden Diabetes und damit verbundene Komplikationen 5 Millionen Todesfälle verursacht haben und das Gesundheitswesen zwischen 673 und 1197 Milliarden US-Dollar kosten.
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Viele Fragen sind noch offen: Was ist die beste Ernährung zum Verhüten von Diabetes? Was ist die beste Art und Weise, um „gesundheitsrelevantes Wissen“ in der Schule, auf der Arbeit und zu Hause zu inspirieren und zu fördern? Sollten politische Entscheidungsträger auf staatlicher Ebene oder auf Ebene der EU-Institutionen gesetzlich gegen ungesunde Nahrungsmittel und Werbung für solche Produkte vorgehen? Wie können wir sozioökonomisch benachteiligte Gruppen – für die das Diabetesrisiko am höchsten ist – bei Management- und Präventionsinitiativen einbeziehen?

Effektivere Interventionen konzipieren

Eine bessere Kenntnis der sozialen Konstrukte, auf denen Diabetes basiert, könnte sicherlich dazu beitragen, effektivere Interventionen zu konzipieren. Das Projekt „Cities Changing Diabetes” zum Beispiel bringt Pharmaunternehmen, Universitäten, Organisationen des Dritten Sektors und Entscheidungsträger aus 11 Städten in aller Welt zusammen, um den Anstieg von Diabetes in Stadtzentren anzusprechen.

Dies erfolgt durch Veranschaulichen des Ausmaßes der Krankheit, durch Verstehen der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Antriebskräfte und durch Austauschen und Umsetzen effektiver Methoden zur kollektiven Bewältigung dieses Problems. Im Zuge des Projekts wurde festgestellt, dass Diabetes in Mexico City mit Stress und besonders langen Pendelstrecken, Ausbeutung, sozialer Unsicherheit und Kriminalität verbunden ist, wogegen die Krankheit in Shanghai stark stigmatisiert und mit Schwäche und hohem Alter assoziiert wird.

Zur Umsetzung effektiver Strategien ist zweierlei erforderlich: ein anthropologischer Ansatz, um zu verstehen, wie Diabetes besser bekämpft werden kann, und eine ganzheitliche Intervention, die unterschiedliche Akteure und Fachkenntnisse zusammenbringt und auf gemeinsamen Werten und nachhaltiger Entwicklung in Theorie und Praxis aufbaut.

Wer steht hinter der Aktion REIsearch?

„REIsearch“ wird von Atomium – European Institute for Science, Media and Democracy gefördert, das vor sieben Jahren im Europäischen Parlament vom ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing und von Michelangelo Baracchi Bonvicini, dem heutigen Ehrenvorsitzenden und Vorsitzenden des Instituts, gegründet wurde.

„REIsearch“ koordiniert zehn europäische Medienorganisationen: Der Standard, El País, EuroScientist, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Gazeta Wyborcza, La libre Belgique, Luxemburger Wort, Público, Sole24ore und The Irish Times, die durch ihre Online-Ausgaben sowie durch die REIsearch-ITPlattform eine Kampagne für Bürgerengagement führen sollen. Elsevier, Mendeley, OpenAIRE und die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) sorgen für das Engagement der Forscher.

(chl mit Atomium European Institute for Science, Media and Democracy)

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