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Umfrage zum Thema Chronische Krankheiten: Kann Technologie Krankheit besiegen?
Panorama 5 Min. 25.02.2016

Umfrage zum Thema Chronische Krankheiten: Kann Technologie Krankheit besiegen?

Umfrage zum Thema Chronische Krankheiten: Kann Technologie Krankheit besiegen?

Panorama 5 Min. 25.02.2016

Umfrage zum Thema Chronische Krankheiten: Kann Technologie Krankheit besiegen?

Rasant entwickeln sich neue Apps, die ihre Fitness bzw. ihren derzeitigen Zustand messen. Dass diese Programme auch dabei helfen, chronische Krankheiten zu verhindern, wissen nur wenige ... Sie könnten in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen, wenn Sie ihre Meinung dazu abgeben.

Der technologische Fortschritt im Gesundheitssektor entwickelt sich weltweit in rasantem Tempo. Einige der jüngsten Technologien und Innovationen befassen sich mit Gentherapie zum Prognostizieren, Behandeln oder Verhüten bestimmter Krankheiten; Stammzelltherapie; verdaulichen Sensoren; 3D-Druck biologischer Substanzen; Mikrochips zum Modellieren klinischer Prüfungen, die Versuche an Mensch oder Tier überflüssig machen; und cloud-basierten, integrierten Datenmanagementsystemen.

Gesündere Lebensführung fördern

Besonders für chronische Krankheiten besteht großes Interesse an solchen neuen technologischen Entwicklungen, die eine gesündere Lebensführung fördern. Beispiele hierfür sind mobile Gesundheits- oder Fitness-Apps – die einer Verschlimmerung chronischer Krankheiten wie 
Diabetes, Herzerkrankungen und Emphysem entgegenwirken können. Erzielt wird dies durch bessere Ernährung, mehr Bewegung und „mehr und bessere Daten“, die den Zustand der Patienten ständig überwachen, sowie durch Fördern von Selbstmanagement und Selbstbestimmung.

Auch im Bereich der eGesundheit, einschließlich Telemedizin und Mobile Health (mHealth), besteht zunehmendes Interesse an neuen Technologien und Innovationen, um Patienten effizientere und personalisiertere Dienste erbringen zu können. „eHealth“ umfasst viele Aspekte – vom Anregen der Patienten zum Selbstmanagement ihrer chronischen Erkrankungen über den verbesserten Zugang zur Diagnose seltener und komplexer Krankheiten bis hin zur Verbesserung der Kenntnisse im Gesundheitsbereich.

Zwar kann „eHealth“ die konventionelle Medizin nicht gänzlich ersetzen, lässt sich jedoch als leistungsstarkes Tool zur Unterstützung personalisierterer und personenzentrierterer Medizin betrachten. Das Esther-Netzwerk in Schweden bietet in diesem Zusammenhang ein Beispiel für gute Praxis. Im Anschluss an die Erfahrungen einer älteren Patientin (namens Esther), die ihre Krankengeschichte 36 verschiedenen Dienstleistern melden musste, bevor sie die erforderliche Behandlung erhielt, wurde 1997 das Esther Netzwerk gegründet, um das Patientenüberweisungssystem in Schwe- den erheblich zu verbessern.

Besseren Prävention durch 
z. B. kostenlose Apps

Hierzu wurden über 7 000 Gesundheitseinrichtungen in ein einziges Online-Netzwerk konsolidiert. Zur besseren Prävention helfen 
z. B. kostenlose Apps. In Sachen Prävention gibt es eine zunehmende Zahl von kostenlosen Apps, Online-Kursen, Ressourcen und Gemeinschaften, um Informationen zu verbreiten, Kontakte herzustellen und die gegenseitige Unterstützung und Motivierung von Patienten zu fördern.

Illustration: Shutterstock

Allerdings ist es oft nicht einfach, sich bei den vielen erhältlichen Optionen zurechtzufinden und zu wissen, ob die Anwenderdaten sicher und unter Wahrung der Privatsphäre gespeichert und genutzt werden. In dieser Hinsicht spielen medizinische Fachkräfte und zivilgesellschaftliche Organisationen eine wichtige Rolle beim Testen, Auswählen und Empfehlen der nützlichsten und sinnvollsten Apps. Auch HighTech-Sozialunternehmen betreten diesen Markt und entwickeln Produkte, die wirtschaftliche Gewinne erzielen und ihren Anwendern gleichzeitig gesundheitliche Vorteile verschaffen.

Das bulgarische Sozialunternehmen „Jumpido“ zum Beispiel hat Lernsoftware für Grundschüler entwickelt, die mit Hilfe von Microsofts Kinect-Technologie das Lösen von Rechenproblemen mit körperlichen Aktivitäten verbindet, um einen gesunden Körper und Geist in der Schule zu fördern. Trotz ihres schnellen Fortschritts stoßen neue Technologien und Innovationen weiterhin auf eine Reihe von Barrieren innerhalb des europäischen Gesundheitssystems. 

Mangel an Vertrauen 
und Koordination 

An erster Stelle steht ein Mangel an Vertrauen und Koordination zwischen den mit Forschungs- und Innovationsprozessen befassten Akteuren.

Einerseits investiert der öffentliche Sektor stark in „riskante“ Technologien und Innovationen, nur um dann bei den von gewinnorientierten Privatunternehmen beherrschten Vermarktungsprozessen außen vor gelassen zu werden. Beispiele hierfür sind Apples Nutzung des Internets, GPS und die von der US „Defence Advanced Research Projects Agency“ entwickelte Touchscreen-Technologie.

Zeitaufwendiger Zulassungsprozess für Innovationen

Andererseits können politische und gesetzliche Veränderungen und regulatorische Strukturen die Investitionen des Privatsektors in Forschung und Innovation behindern.

Deloittes Forschungsbericht für Johnson & Johnson zum Beispiel weist auf den zeitaufwendigen Zulassungsprozess für medizinische Innovationen in vielen EU-Ländern hin, der sich über Jahre hinziehen kann. Hinzu kommen die Barrieren beim Zugang zu Finanzierung, das Fehlen eines einheitlichen europäischen Patentsystems und der mangelnde Technologietransfer innerhalb Europas. Auch die Rolle von Bürgern und Anwendern, die im Zuge der Tech-Innovationsprozesse potenziell ignoriert, missachtet, manipuliert oder „benutzt“ werden könnten, gibt Anlass zu Bedenken.

Potenzial von Technologie für gesundheitliche Fortschritte

Das Beispiel von Arzneimitteln, die aufgrund zuvor geltend gemachter „unerkannter“ Nebenwirkungen vom Markt genommen werden, ist in diesem Zusammenhang recht aufschlussreich. Wenn wir nämlich das Potenzial von Technologie und Innovation für gesundheitliche Fortschritte nutzen wollen, brauchen wir nicht nur technologischen Fortschritt. Auch soziale Innovation ist sehr wichtig – nicht nur, um Bürger und Patienten einzubeziehen und zu ermächtigen, sondern auch, um die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Disziplinen über multiple Regierungsebenen hinweg anzuregen und integrierte Ansätze im Bereich Gesundheits- und Sozialfürsorge zu fördern und dabei den Schwerpunkt von Krankheitsmanagement auf Krankheitsprävention zu verlagern.

Neue Arzneimittel finden, neue medizinische Technologien einführen und intelligentere digitale Gesundheitsfürsorge-Tools zur Verwaltung von Erkrankungen und Gesundheitssystemen entwickeln – all das könnte das Leben von Menschen mit chronischen, nicht ansteckenden Krankheiten erheblich verbessern und gleichzeitig das Auftreten dieser Krankheiten verhindern. Doch die Investitionen in Forschung und Innovation – unter anderem auch in soziale Innovation – in Europa sind gering. Wie können wir das ändern?

Wer steht hinter der Aktion Research?

„REIsearch“ wird von Atomium – European Institute for Science, Media and Democracy gefördert, das vor sieben Jahren im Europäischen Parlament vom ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing und von Michelangelo Baracchi Bonvicini, dem heutigen Ehrenvorsitzenden und Vorsitzenden des Instituts, gegründet wurde.

„REIsearch“ koordiniert zehn europäische Medienorganisationen: Der Standard, El País, EuroScientist, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Gazeta Wyborcza, La libre Belgique, Luxemburger Wort, Público, Sole24ore und The Irish Times, die durch ihre Online-Ausgaben sowie durch die REIsearch-ITPlattform eine Kampagne für Bürgerengagement führen sollen. Elsevier, Mendeley, OpenAIRE und die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) sorgen für das Engagement der Forscher. (chl mit Atomium European Institute for Science, Media and Democracy)

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