Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ulrike Folkerts: "Ich habe Respekt vor diesem Job"
Panorama 5 Min. 17.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Ulrike Folkerts: "Ich habe Respekt vor diesem Job"

Rundes Jubiläum: Ulrike Folkerts – hier im Tatort "Zirkuskind" – schlüpft schon seit 30 Jahren in die Rolle von Kommissarin Lena Odenthal.

Ulrike Folkerts: "Ich habe Respekt vor diesem Job"

Rundes Jubiläum: Ulrike Folkerts – hier im Tatort "Zirkuskind" – schlüpft schon seit 30 Jahren in die Rolle von Kommissarin Lena Odenthal.
Foto: SWR/Alexander Kluge
Panorama 5 Min. 17.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Ulrike Folkerts: "Ich habe Respekt vor diesem Job"

Cornelia WYSTRICHOWSKI
Cornelia WYSTRICHOWSKI
Ulrike Folkerts blickt zurück auf ihre Karriere als "Tatort"-Kommissarin und ihr Outing vor 20 Jahren.

Seit 30 Jahren ermittelt Ulrike Folkerts als "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal in und um Ludwigshafen. Ihren ersten Einsatz in der traditionsreichen ARD-Krimireihe hatte die Polizistin mit der stilprägenden Lederjacke am 29. Oktober 1989. Zum Jubiläum zeigt das Erste morgen den Krimi "Tatort: Die Pfalz von oben", dessen Story an die Kultfolge "Tod im Häcksler" aus dem Jahr 1991 anknüpft – die Fortsetzung ist zugleich Lena Odenthals 70. Fall.  

Ulrike Folkerts, seit 30 Jahren ermitteln Sie als „Tatort“- Kommissarin Lena Odenthal, und schon seit 2009 hängt eine ihrer typischen Lederjacken im Museum Deutsche Kinemathek. Ist Lena museumsreif? 

Das finde ich gar nicht. 30 Jahre sind natürlich der Wahnsinn. Ich hatte zu Beginn ja keine Ahnung, was das für eine große Sache wird, ich habe einfach mal angefangen. Aber mittlerweile bin ich irre stolz, dass ich das schon so lange mache. Und ich habe immer noch richtig Bock auf Lena. 

Was mögen Sie an ihr? 

Ich mag Lena von Grund auf. Sie ist ein Kumpel, sie ist intuitiv, kritisch, sie ist streitbar. Sie ist sportlich, sie kann schießen, sie ist eigen und auch einsam. Das gefällt mir alles. Trotzdem wäre Ulrike nicht gerne Polizistin. Ich habe großen Respekt vor diesem Job, ich finde ihn sehr hart. 

Der Jubiläumsfall knüpft an die Skandal-Folge "Tod im Häcksler" an. In der Fortsetzung trifft Lena den von Ben Becker gespielten Dorfpolizisten wieder und nimmt sogar mit ihm Drogen … 

Ehrlich gesagt hatte ich Sorge, dass die Szene dem Schnitt zum Opfer fallen würde. Aber sie ist drin geblieben, und das freut mich, weil sie Lena Odenthal auch mal außerhalb ihrer Arbeit als Kommissarin zeigt. Es ist großartig, sie mal in einem so privaten Moment zu sehen. 

Kommt Lenas Privatleben ansonsten zu kurz? 

Das ist immer so eine Sache. Es gibt eben ganz viele Autoren, die haben Bock auf den Mord, das Milieu, die Geschichte drumherum und benutzen die Kommissare nur als funktionale Figuren. Ich finde es ja auch nicht wichtig, dass man Lena zu Hause beim Katze füttern sieht oder dass sie sich verliebt und mit jemandem Hand in Hand durch Ludwigshafen läuft. Das brauche ich alles nicht. Aber ich brauche eine Figur, die ein Leben hat, das mitschwingt. Wenn man reduziert wird auf Fragen wie: "Wo waren Sie gestern zwischen 20 und 22 Uhr", ist es sehr schwierig, das zu spielen. Dann weiß ich gar nicht, wo steht denn Lena Odenthal gerade in ihrem Leben? Hat sie ihre Tage, ist sie in der Menopause, ist sie traurig, hat sie noch was vor? Das kann ich mir dann alles aus den Fingern saugen, und das mache ich dann auch. 

Ulrike Folkerts, hier bei den Dreharbeiten mit Kollege Ben Becker.
Ulrike Folkerts, hier bei den Dreharbeiten mit Kollege Ben Becker.
Foto: SWR/Jacqueline Krause-Burberg

Wie lange wollen Sie noch als Lena weitermachen? 

Normalerweise geht eine Polizistin glaube ich mit 67 in den Ruhestand. Dann habe ich also noch neun Jahre, und dann können wir ja nochmal reden. (lacht) 

Gab es in den 30 Jahren auch schon Momente, in denen Sie keine Lust mehr hatten und aufhören wollten? 

So richtig aufhören wollte ich nie. Ich war nur zwischendurch mal traurig, weil es uninteressante Stoffe waren oder austauschbare – das hätte auch ein Kommissar aus sonstwo spielen können. Da war ich frustriert. Es ist wichtig, mit Redaktion und Produzenten im Gespräch zu bleiben: Was macht uns aus, was wollen wir erzählen? Und gemeinsam mit Lisa Bitter als Kommissarin Johanna Stern haben wir als reines Frauenteam auch richtig Lust, Ludwigshafen noch mal wach zu rütteln. 

Sind Sie stolz darauf, eine Vorkämpferin für starke Frauen in der deutschen Fernsehlandschaft gewesen zu sein? 

Ich habe mich, was das angeht, nie bewusst in den Vordergrund gespielt, aber andere Kolleginnen sagen mir, dass ich als Vorbild für sie wichtig war. Ich hatte die Chance dazu, weil ich ja nach Karin Anselm und Nicole Heesters die einzige Kommissarin in dieser Männerlandschaft war, da hinterlässt man natürlich Spuren. 


ARCHIV - 13.09.2014, Baden-Württemberg, Baden-Baden: Ulrike Folkerts und ihre Partnerin Katharina Schnitzler kommen zu der Aufzeichnung der TV-Show _SWR3 New Pop Festival _ das Special_ im Festspielhaus. Seit 16 Jahren lebt Tatort-Kommissarin Folkerts mit ihrer Partnerin zusammen in Berlin. Sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen, war jedoch alles andere als einfach. Foto: Uli Deck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ulrike Folkerts: „Ich fand das überhaupt nicht blöd“
Fernsehkommissarin Ulrike Folkerts überrascht in einer ungewöhnlichen neuen Rolle. Im Interview spricht sie über ihren ersten Rosamunde-Pilcher-Film und 30 Jahre als „Tatort“-Ermittlerin Lena Odenthal.

Werden Sie als Schauspielerin manchmal zu sehr mit der Rolle im "Tatort" identifiziert? 

Ich werde sehr mit dem Charakter und dem Image identifiziert, das Lena hat. Aber zuletzt durfte ich einige Male ausbüxen, ich habe mit großer Freude ein Pilcher-Drama und einen KatieFforde-Film gedreht. Ich kann Filmteams und Regisseure komplett damit überraschen, dass ich noch was anderes draufhabe. Manche Zuschauer sagen mir: "Der Pilcher hat mir nicht gefallen, ich sehe Sie lieber als Kommissarin", aber andere sagen: "Es war schön, sie auch mal anders zu sehen." 

Sie haben sich 1999, nach zehn Jahren, als homosexuell geoutet. Wie kam es zu diesem Entschluss? 

Das war durch die Yellow Press an die Oberfläche gekommen, weil ich bei einer Veranstaltung war, die offensichtlich homosexuell besetzt war. Dann war da eben diese Schlagzeile, und ich musste ja irgendwie damit umgehen. Für mich gab es nur die Flucht nach vorne und offen zu sagen: So ist es, und was machen wir jetzt damit? 

Und dann? 

Die Presse hat sich ja darauf gestürzt als wäre ich ein Mensch mit drei Beinen, wirklich absurd. Aber der SWR hat mir sofort den Rücken gestärkt. Insgesamt ist die Branche leider nicht so tolerant, wie sie immer tut. Sie müssen sich nur mal überlegen, wer sich outet – das tut fast niemand, weil es offensichtlich nicht gut ist. Produzenten besetzen nicht unbedingt Schwule und Lesben in Liebesfilmen. In irgendeiner Daily Soap wurde neulich eine schwule Hochzeit gedreht, und alle waren ganz aus dem Häuschen, dass die sich das trauen. Das sollte längst selbstverständlich sein. 

Wäre der "Tatort" in der Verantwortung, da mehr zu tun? 

Das deutsche Fernsehen hat generell noch viel nachzuholen. Wir leben in einer Multikulti-Gesellschaft, es gibt unterschiedlichste Lebensformen, all das spielt im TV kaum eine Rolle. Wenn man sich nur mal anschaut, wie wenige Menschen in Filmen einen Migrationshintergrund haben. Und der "Tatort" hätte zumindest die Chance, das bunter zu mischen und die Realität zu zeigen.  


Lesen Sie mehr zu diesem Thema