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Ulrich Tukur: "Man muss höllisch aufpassen"
Panorama 3 Min. 29.06.2020

Ulrich Tukur: "Man muss höllisch aufpassen"

Es ist vorbei. Oder vielleicht doch noch nicht? Das wohlsituierte Paar Doris (Martina Gedeck) und Georg (Ulrich Tukur) stehen vor den Trümmern ihrer über 20-jahrigen Ehe und hoffen auf die Hilfe einer Trennungstherapeutin.

Ulrich Tukur: "Man muss höllisch aufpassen"

Es ist vorbei. Oder vielleicht doch noch nicht? Das wohlsituierte Paar Doris (Martina Gedeck) und Georg (Ulrich Tukur) stehen vor den Trümmern ihrer über 20-jahrigen Ehe und hoffen auf die Hilfe einer Trennungstherapeutin.
Foto: ARD Degeto/Boris Laewen
Panorama 3 Min. 29.06.2020

Ulrich Tukur: "Man muss höllisch aufpassen"

Schauspieler Ulrich Tukur über die Liebe fürs Leben, Dreharbeiten im Corona-Modus und wie es ist, wieder in Berlin zu leben.

Er gehört zu Deutschlands feinstem Schauspieladel und liefert auch in der Scheidungskomödie "Und wer nimmt den Hund?" ein Kabinettstück ab: Ulrich Tukur spielt den gelangweilten Ehemann Georg, der seine Gattin Doris (Martina Gedeck) für eine Jüngere verlässt – was Doris sich nicht bieten lässt. Mit dem Film beginnt am Montag die "Sommerkino"-Reihe der ARD: Immer montags und dienstags laufen in der Ferienzeit große Kinoproduktionen als TV-Premieren.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Ulrich Tukur, Sie stehen nach der Corona-bedingten Drehpause wieder vor der Kamera. Sind Sie froh, endlich wieder drehen zu dürfen?

Wer wäre es nicht?

Für Filmproduktionen gilt ein umfangreicher Regelkatalog zum Schutz vor dem Virus. Wie hinderlich sind diese Maßnahmen bei den Dreharbeiten?

Sie sind blödsinnig. Wir sind alle negativ getestet und müssen dieses absurde Theater täglich neu über uns ergehen lassen. Ich weiß nicht einmal, wie meine Maskenbildnerin aussieht.

Manche Leute glauben, dass in der Corona-Krise auch eine Chance liegt – dass die Menschen in der westlichen Welt einen Gang zurückschalten, weniger konsumieren. Sehen Sie das auch so?

Ach, wäre das schön, wenn diese schreckliche Globalisierung und der Ausverkauf von Natur, Würde und Anstand aufhörte oder wenigstens etwas zurückgefahren würde. Aber die Macht des Geldes und die grenzenlose Dummheit der Menschen werden sicher dafür sorgen, dass die Dinge früher oder später genauso weiterlaufen wie vor der Krise.

Sie haben ja neuerdings wieder eine Wohnung in Berlin. Haben Sie dort den Lockdown verbracht?

Ich lebe zum ersten Mal nach 1984 wieder in Berlin und bin gerade dabei, mir meine Collage der Stadt zusammenzubasteln. Herrlich ist das ganze Umland, das uns damals nicht zur Verfügung stand. Den Stillstand habe ich in Schöneberg erlebt, und ich war sehr an die Ruhe erinnert, die hier im Sommer vor 35 Jahren herrschte, als noch die Mauer stand und die Stadt am Tropf des Westens hing.

Vermissen Sie Venedig, wo Sie viele Jahre gelebt haben?

Ich vermisse die Stadt, meine Freunde, das Meer und die Lagune. Aber ich bin auch heilfroh, dem bürokratischen Irrsinn Italiens entkommen zu sein.

Im Herbst läuft die neue Folge "Die Ferien des Monsieur Murot". Wie geht es danach mit dem "Tatort" aus Wiesbaden weiter?

Der Tatort, dessen Titel an Jaques Tati erinnert, ist sehr schön geworden. Wieder etwas ganz Besonderes. Und Martin Rauhaus schreibt gerade an einem Drehbuch für einen neuen "Tatort", den Rainer Kaufmann im Spätherbst inszenieren wird.

Rainer Kaufmann hat auch den Film "Und wer nimmt den Hund?" inszeniert, in dem die Ehe von Georg und Doris nach 25 Jahren scheitert. Was haben die zwei falsch gemacht?

Sie haben nichts wirklich falsch gemacht. Eine Beziehung ist so sterblich wie der Körper eines Menschen, der eine Beziehung zu einem anderen unterhält. Nach langer Wegstrecke streben die Dinge der Auflösung entgegen. Man muss höllisch aufpassen und bewusst daran arbeiten, eine Ehe am Leben zu erhalten.

Als junges Paar haben die zwei einen Lebenswunschzettel verfasst, darauf steht: Lebendig bleiben, verrückt bleiben. Steht das auch auf Ihrem Wunschzettel?

Ich gehe in keine Beziehung mit einem Wunschzettel oder einer Auflistung von Verhaltensregeln und guten Absichten.

Ich glaube an Seelenverwandtschaft und daran, dass es zwei Menschen miteinander ein ganzes Leben gut aushalten können.

Ulrich Tukur

 Glauben Sie an die ewige Liebe, sind Sie ein Romantiker?

Ich glaube an Seelenverwandtschaft und daran, dass es zwei Menschen miteinander ein ganzes Leben gut aushalten können. Ich versuche gerade, den Beweis dafür anzutreten. Romantiker bin ich sowieso.

Der untreue Mann, die verlassene Frau – der Stoff des Films ist ein Klassiker. Was hat Sie daran gereizt?

Die glänzenden Dialoge von Martin Rauhaus, die einfühlsame Regie von Rainer Kaufmann und meine wunderbare Kollegin Martina Gedeck als Partnerin. Ich kenne Martina schon lange. Wir sind wohl das, was man ein eingespieltes Team nennt.


Bayerisches Fernsehen HERZJAGEN, am Mittwoch (17.06.20) um 20:15 Uhr.
Caroline (Martina Gedeck). Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de
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Martina Gedeck: "Man braucht keine Angst vor der Angst"
Schauspielerin Martina Gedeck über die Auswirkungen der Corona-Krise auf ihr eigenes Leben, ihren Rolle im Film "Herzjagen" und Herzrasen bei Verliebtheit.

Und wie haben Sie die Bettszenen empfunden?

Wir haben viel gelacht.

Georg ist der Direktor eines Aquariums. Mögen Sie Fische?

Sehr, am liebsten in der Bratpfanne. In Georgs Leben haben das Wasser, das Meer und die Quallen sicher eine tiefere Bedeutung. Es hat bestimmt einen Sinn, dass er sich mit der Meeresfauna beschäftigt und nicht mit Sport oder Kirchenmusik. Ich kann nur nicht sagen, welchen.

Der titelgebende Hund des Ehepaars stirbt in dem Film. Für Sie als langjähriger Hundebesitzer eine sehr emotionale Szene?

Nicht so wirklich. Der Hund hat ja seinen Tod schadlos überlebt.

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