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Tom Schilling: „Nie wieder Intellektuelle“
Panorama 5 Min. 22.03.2019

Tom Schilling: „Nie wieder Intellektuelle“

Tom Schilling in seiner Rolle als junger Bertolt Brecht.

Tom Schilling: „Nie wieder Intellektuelle“

Tom Schilling in seiner Rolle als junger Bertolt Brecht.
Foto: WDR/Nik Konietzny
Panorama 5 Min. 22.03.2019

Tom Schilling: „Nie wieder Intellektuelle“

Der deutsche Schauspieler Tom Schilling verkörpert im Doku-Drama "Brecht" den gleichnamigen Jahrhundert-Literaten. Im Interview spricht der Darsteller übers Grübeln und das Trainieren von Zuversicht.

Interview: Steffen Rüth  

Ganze neun Jahre lang hat der 77-jährige Heinrich Breloer, der Altmeister des Formats Doku-Fiktion, an der Umsetzung seines Lebenstraums gearbeitet. Jetzt ist es vollbracht. Unterfüttert mit Zeitzeugengesprächen, die er bereits in den 1970er-Jahren aufnahm, präsentiert der Regisseur über drei Stunden einen Bertolt Brecht (1898-1956), wie ihn die Öffentlichkeit noch nicht erlebt hat. Der Jahrhundert-Literat („Dreigroschenoper“) wird in „Brecht“ zum Menschen, zum großen Charmeur, aber auch zum Manipulator und zu jemandem, der sich hin und wieder verrennt. Tom Schilling (37) spielt den jungen, ungestümen Brecht, während Burghart Klaußner (69) den Part des Nachkriegs-Brecht übernahm. Das Resultat ist am Freitag um 20.15 Uhr auf Arte zu sehen.

Tom Schilling, innerhalb weniger Monate erst die Hauptrolle in Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“, jetzt Bertolt Brecht. Läuft bei Ihnen, oder?

Eigentlich drehe ich ja ultrawenig Filme. Und jetzt kommen die alle gleichzeitig raus, und es sieht so aus, als wäre ich wahnsinnig fleißig. Aber dafür heißt es in den nächsten drei Jahren: „Was macht eigentlich Tom Schilling?“


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Die Frage bezog sich auch eher auf die Güte der Filme.

Dabei bin ich lange Zeit mit meinem Beruf wenig glücklich gewesen. Ich wollte lieber Maler werden. In meinen Zwanzigern habe ich viel mit dem Beruf gekämpft. Mittlerweile hat sich das Schicksal so gefügt, dass ich ein paar Filme machen konnte, die meinen Fähigkeiten extrem in die Karten gespielt haben. Ich bin überzeugt, dass viele Schauspieler ganz toll sind – sie brauchen nur die richtige Rolle.

Nachdem Sie mit Gerhard Richter einen der größten bildenden Künstler Deutschlands des 20. Jahrhunderts gespielt haben und nun den wohl größten Schriftsteller der letzten hundert Jahre: Wer kommt als nächstes?

Nie wieder Intellektuelle! (lacht) Mein nächster Film heißt „Die Goldfische“. Darin spiele ich einen sehr unintellektuellen Investmentbanker, der im Rollstuhl landet. Es gibt nichts Schöneres, als einfach nur aus dem Bauch heraus etwas Albernes spielen zu können. Deshalb habe ich mich total gefreut, eine Komödie zu drehen.

Was behagt Ihnen an Intellektuellenrollen nicht?

Diese Denker zu spielen, ist ganz schön mühsam. Ich mache mir doch selbst ständig einen Kopf über alles. Und dann noch hier zu sitzen und einigermaßen kluge Dinge zu sagen, das ist ja nicht mein Tagesgeschäft. Ich bin gerade quasi im Ausnahmezustand und verdammt froh, wenn ich heute Abend nach Hause komme.

Elisabeth Hauptmann, Brechts Sekretärin und Geliebte (Leonie Benesch), hat für ihren Chef (Tom Schilling) wieder mal eine Idee mitgebracht. Die Steyr-Werke veranstalten ein Preisauschreiben, gesucht: ein Werbegedicht. Brecht dichtet, und er gewinnt das Auto.
Elisabeth Hauptmann, Brechts Sekretärin und Geliebte (Leonie Benesch), hat für ihren Chef (Tom Schilling) wieder mal eine Idee mitgebracht. Die Steyr-Werke veranstalten ein Preisauschreiben, gesucht: ein Werbegedicht. Brecht dichtet, und er gewinnt das Auto.
Foto: WDR/Nik Konietzny

Wie tief haben Sie sich denn in Bertolt Brecht hineingedacht, und wie sympathisch ist er Ihnen dabei geworden?

Offen gestanden muss ich sagen, dass ich eine große Distanz zu diesem Menschen empfinde. Ich habe versucht, mir die Person Brecht mühevoll zu erarbeiten, vor allem über seine Musik, die ich ganz toll finde. Natürlich war er ein unglaubliches Genie, das fleißig und klug seine Sachen rausgehauen hat. Aber ganz viele Facetten an ihm finde ich total unangenehm.

Welche zum Beispiel?

Die Art und Weise, wie er mit Frauen umgeht. Die Art und Weise, wie er mit Menschen generell umgeht. Er bringt Menschen in Abhängigkeiten zu sich und ist wirklich sehr selbstgerecht.

  Brecht war ein Menschenmitreißer, aber auch ein Menschenfresser. 

Er ist aber auch extrem charmant.

Ja, klar, das ist ja das Spannungsfeld. Die Leute würden sagen „fuck off“, wenn er sie nicht mit seinem Charme um den Finger wickeln würde. Brecht war ein Menschenmitreißer, aber auch ein Menschenfresser.

Sie spielen Brecht ab einem Alter von 17 Jahren. Wie haben Sie sich in der Rolle gefühlt?

Er ist anfangs der „angry young man“, ein Anarchist und Rüpel, sexuell irrsinnig aufgeladen und explizit. Ich hatte große Freude, diese Brecht-Werdung zu spielen. Auch wenn ich am Anfang skeptisch war, ob ich ihn wirklich spielen will, spielen kann. Erst nach einer Probeaufnahme habe ich gemerkt, dass mir diese Rolle wirklich Spaß macht.


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Was war das Schwierigste daran?

Das Innenleben eines Menschen zu zeigen und erfahrbar zu machen, der eigentlich einen Panzer hat und sich scheut, seine Gefühle zu offenbaren.

Hatten Sie keine Bedenken, zu alt zu sein?

Heinrich Breloer hat lange einen Schauspieler Ende 20, Anfang 30 gesucht. Bei mir hat er offenbar das Gefühl gehabt, dass man mir diesen Brecht abnimmt.

Angeblich haben Sie die Rolle sofort zugesagt.

Nein, das stimmt nicht. Ich habe ewig gezögert.

Warum?

Jeder hat sein eigenes „Brecht“-Bild im Kopf. Viele Kollegen, wie gerade Lars Eidinger, haben ihn schon gespielt, und dann ist man in einem Film, in dem es sogar noch einen zweiten Brecht gibt, nämlich Burghart Klaußner. Man kann es sich wirklich einfacher machen als Schauspieler. Es war dann eine reine Bauchentscheidung. Ich dachte, als der alte Esoteriker, der ich bin, es müsse einen Sinn haben, dass ich mit 12 im Theater am Schiffbauerdamm in Brechts „Das Leben des Galilei“ spielte und mir jemand sagte: „Junge, du musst Schauspieler werden. Du gehörst ans Theater.“

Brecht hat in politisch sehr wechselhaften Zeiten gelebt. Wir kennen heute nichts anderes als demokratische Stabilität. Sind Sie zuversichtlich, dass es so bleibt?

Ich bin jemand, der lange Zeit dazu geneigt hat, sich große Sorgen zu machen. Jetzt versuche ich gerade, mich zu guten Gedanken zu zwingen. Denn ich glaube, das Leben ist zu kurz, um ständig vor allem möglichen Angst zu haben. Ich möchte in Zukunft ein „Das Glas ist halb voll“-Mensch sein.

Wie zwingt man sich denn zur Zuversicht?

Durch Wiederholung. Ich übe. Das ist wie beim Tennis. Du musst 5 000 Vorhände spielen, bis du es irgendwann kannst. Ich war neulich in Toronto, und ich glaube, Kanada ist das beste Land der Welt. Die Menschen haben mich so fasziniert, dass ich mir gesagt habe, ich möchte dieses Lebensgefühl mit nach Hause nehmen. Also habe ich mir diese Kette gekauft mit einem Ahornblatt. (zeigt seine Kette) Damit ich mich immer daran erinnere, positiv zu bleiben. 


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