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Tödliche Attacke auf dem Appalachian Trail
Der 3 500 Kilometer lange Appalachian Trail führt von Georgia nach Maine.

Tödliche Attacke auf dem Appalachian Trail

Foto: Eric Hamus
Der 3 500 Kilometer lange Appalachian Trail führt von Georgia nach Maine.
Panorama 4 Min. 13.05.2019

Tödliche Attacke auf dem Appalachian Trail

Ein Toter und eine Schwerverletzte: Das ist die Bilanz eines brutalen Angriffs am Wochenende auf dem Appalachian Trail in den USA. Der mutmaßliche Täter war zuvor bereits mehrmals aufgefallen.

(ham) - Im US-Bundesstaat Virginia wird die Wandersaison auf dem Appalachian Trail (AT) von einem tödlichen Angriff überschattet. Vier junge Wanderer wurden in der Nacht zum Samstag von einem 30-jährigen US-Bürger aus dem Bundesstaat Massachusetts mit einer Machete angefallen. Zwei Personen konnten flüchten.

Der Verdächtige, unter dem Namen "Sovereign" bekannt, wurde nur kurze Zeit später in der Nähe des Tatorts verhaftet.
Der Verdächtige, unter dem Namen "Sovereign" bekannt, wurde nur kurze Zeit später in der Nähe des Tatorts verhaftet.

Ein Mann hat den Angriff nicht überlebt. Es ist dies der erste Vorfall dieser Art auf dem populären Weitwanderweg seit 1981, als in der Gegend von Pearisburg, Pennsylvania, ein junges Paar auf brutale Art und Weise in ihren Schlafsäcken ermordet wurden. Der Appalachian Trail gehört mit mehr als drei Millionen Wanderern zu den populärsten Pfaden in den Vereinigten Staaten.

Jedes Jahr versuchen Tausende Hiker, den 3500 Kilometer langen Wanderweg zwischen Georgia und Maine an einem Stück zu laufen. Aktuell sind auch drei Wanderer aus Luxemburg auf dem Appalachian Trail unterwegs, darunter der Autor selbst. Wort.lu hat Kontakt zu den zwei anderen Hikern aufgenommen. Sie sind wohlauf.

Angriff in den frühen Morgenstunden

Zu eben dieser Gruppe gehören auch die vier Wanderer, sogenannte Thru-Hiker, die in der Nacht zum Samstag in ihren Zelten angegriffen wurde.

Der Vorfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden auf einem knapp zwei Kilometer langen Abschnitt im Wythe County im US-Bundesstaat Virginia. Der Verdächtige hatte zunächst einem Paar nachgestellt, das in Richtung Norden geflüchtet waren. Die beiden Wanderer aber konnten den Mann abschütteln und die Polizei alarmieren.

Weniger Glück hatten ein Mann und eine junge Frau, die in Richtung Süden geflüchtet waren. Während die genauen Details der Attacke aus Ermittlungsgründen noch zurückgehalten werden, sprachen Einsatzkräfte am Tatort von “entsetzlichen Szenen”. Laut Sheriff Keith Dunagan konnte der Mann noch ein SOS-Signal von seinem Smartphone absetzen, bevor er tödlich verletzt wurde.

Eine Sondereinheit des Sheriff Department folgte dem Signal und fand das Opfer rund sechs Kilometer waldeinwärts. Währenddessen war die junge Frau von Mitwanderern aufgegriffen worden, die sofort die Behörden kontaktierten. Offiziellen Angaben zufolge hatte sich das Opfer tot stellen müssen, damit der Angreifer von ihr abließ. Anschließend schleppte sie sich schwer verletzt zu einem zehn Kilometer entfernten Campingplatz, wo sie von den anderen Wanderern gefunden wurde. Sie wurde mit lebensbedrohlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, befindet sich am Montag allerdings außer Lebensgefahr.

Hund führt Einsatzkräfte auf richtige Spur


Appalachian Trail: A Luxembourger in America
Journalist Eric Hamus bloggt wieder aus den Vereinigten Staaten. Dieses Mal aber nicht von den Midterms, sondern von seinem Versuch, die 3500 Kilometer des Appalachian Trail an einem Stück zu wandern.

Der Verdächtige, unter dem Namen "Sovereign" bekannt, wurde nur kurze Zeit später in der Nähe des Tatorts verhaftet. Sein eigener Hund hatte die Einsatzkräfte auf seine Spur gebracht. Die Tatwaffe, ein Messer mit einer etwa 50 Zentimeter langen Klinge, wurde in unmittelbarer Nähe gefunden. Sovereign wurde noch am Wochenende vom Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates Virginia wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt.

Da sich der Vorfall auf einem “National Scenic Trail” ereignete, fällt die Anklage in den Zuständigkeitsbereich der bundesstaatlichen Behörden. Damit droht dem Verdächtigen im Fall einer Verurteilung die Todesstrafe.

“Eine Bedrohung für die Mitwanderer”

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Sovereign im Zusammenhang mit dem Appalachian Trail aufgefallen war. Ende April war der 30-Jährige von den Behörden im US-Bundesstaat Tennessee verhaftet worden, nachdem er mehrmals Wanderer bedroht und auch körperlich angegriffen hatte. "Der Betroffene war bereits zu diesem Zeitpunkt eine Bedrohung für die Wanderer", unterstrich der zuständige Sheriff des Unicoi County, Mike Hensley, am Wochenende gegenüber der "Washington Post". Da aber niemand bereit war, gegen Sovereign auszusagen, konnte er nur wegen Drogenbesitzes angeklagt werden.

Daraufhin habe man ihn freilassen müssen, so Hensley. "Wir wussten, dass er eine Gefahr sei", unterstrich der Sheriff. Er selbst habe sämtliche, ihm zur Verfügung stehende Mittel genutzt, den Betroffenen vom Trail fernzuhalten. "Doch das Gericht war anderer Meinung."

Psychische Probleme

“Sovereign war den Wanderern bekannt”, so Odie Norman, der Herausgeber des “Hiker-Jahrbuchs” und eine bekannte Persönlichkeit auf dem Appalachian Trail. “Wir wussten, dass man ihm aus Weg gehen sollte”. Es sei klar gewesen, dass er eine Gefahr für sich selbst und andere darstelle. Norman war dem Verdächtigen selbst begegnet, nachdem dieser Anfang Mai in einer Herberge erneut auffällig geworden war. Er hatte Sovereign aus der Herberge gelockt, mit ihm gesprochen und ihm ein Busticket geschenkt.

“Er sprach davon, die Bergbewohner vor Eindringlingen schützen zu wollen, die nur nachts zum Vorschein kommen”, so Norman. Sovereign habe offensichtlich unter psychischen Problemen gelitten. “Wir wussten sofort, dass Sovereign nicht bei klarem Verstand sei”, betont Japheth Hester gegenüber wort.lu. Bei seiner Begegnung mit dem Verdächtigen habe dieser von Eindringlingen gefaselt, habe ganz klar unter Verfolgungswahn gelitten, so der Wanderer. “Das Ganze ist eine Tragödie, die hätte vermieden werden können”.

"Eine enge Gemeinschaft"

Von einer Tragödie spricht auch Brian King, der Sprecher der “Appalachian Trail Conservancy”. Die gemeinnützige Vereinigung kümmert sich um den Unterhalt des längsten Wanderpfads der Welt. Sovereign sei der ATC bekannt gewesen, so King. "Neuigkeiten verbreiten sich mithilfe sozialer Medien recht schnell entlang des Trails", heißt es in dem Statement. "Wir sind eine enge Gemeinschaft. Jeder Person, die den Trail liebt, geht dieser Vorfall sehr zu Herzen", so King. "Der Trail ist trotz des Vorfalls ein sicherer Ort. Aber eine hundertprozentige Garantie gibt es leider nicht."