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Tina Turner: Simply The Best
Panorama 4 1 4 Min. 26.11.2019

Tina Turner: Simply The Best

1996 in Luxemburg: Tina Turner begeisterte im Stade Josy Barthel rund 25.000 Fans.

Tina Turner: Simply The Best

1996 in Luxemburg: Tina Turner begeisterte im Stade Josy Barthel rund 25.000 Fans.
Foto: LW-Archiv/Serge Waldbillig
Panorama 4 1 4 Min. 26.11.2019

Tina Turner: Simply The Best

Sie ist die Personifizierung der Rocklegende. Tina Turner blickt auf acht bewegte Jahrzehnte zurück. Auch in Luxemburg war die Sängerin bereits zu Gast.

(dpa/mij) - Die Löwenmähne ist noch da, aber statt mit Netzstrümpfen, High Heels und Minirock ist Tina Turner kurz vor ihrem 80. Geburtstag eher hochgeknöpft und in flachen Tretern zu sehen. Die Rocklegende genießt ihren Ruhestand: Zehn Jahre nach ihrem Bühnenabschied sagt sie: „Ich hatte keinen Bock mehr darauf, zu singen und alle anderen glücklich zu machen“.

Das war bei einer seltenen Audienz, die die Queen of Rock in diesem Sommer einer Reporterin der „New York Times“ gewährte, in ihrer Villa Algonquin in Küsnacht am Zürichsee. „Fully retired“ - absolut im Ruhestand, so bescheidet Tina Turners Managerin eigentlich jede Anfrage.

Ab Ende der 1950er-Jahre zunächst unzertrennlich: Ike und Tina Turner.
Ab Ende der 1950er-Jahre zunächst unzertrennlich: Ike und Tina Turner.
Foto: Bert Reisfeld/dpa

Jahrzehnte auf der Bühne

Singen und andere glücklich machen, das hat Turner Jahrzehnte lang getan. Erst im Kirchenchor, dann in Nachtclubs mit Ike Turner, schließlich solo, wo sie den Zenit ihrer Karriere erreichte: Wenn sie im sexy Outfit „The Best“ oder „Private Dancer“ anstimmte, lagen ihr die Fans zu Füßen. Die Männer wegen ihrer erotischen Ausstrahlung, die Frauen, weil Turner allen Widrigkeiten jenseits der 40 zum Trotz noch eine Weltkarriere hinlegte. Als sie sich 2009 von der Bühne verabschiedete, kamen zur Welttournee mehr als eine Million Besucher.

Musikalisch thront die Sängerin mit der unglaublich tiefen Stimme auf dem Olymp der Rockgeschichte neben Ikonen wie David Bowie, Keith Richards und Mick Jagger. Das Musikmagazin „Rolling Stone“ rühmte sie als „eine der größten Stimmen aller Zeiten“.

Tina Turner, mit bürgerlichem Namen Anna Mae Bullock, wuchs im Südstaatennest Nutbush in Tennessee in einer Baumwollpflücker-Familie noch unter der Rassentrennung auf. Als Mädchen sang sie im Gospelchor, ehe der acht Jahre ältere Gitarrist Ike Turner sie entdeckte. Er formte die „Ike and Tina Turner Revue“. Mit ihrer ersten Single „Fool in Love“ stürmten sie 1960 die Hitparaden. Es folgten Hits wie „River Deep - Mountain High“ und „Nutbush City Limits“. 1969 schafften sie den Durchbruch mit ihrem Auftritt im Vorprogramm der Rolling Stones.

Vor dem Elysee-Palast im Jahr 2008: Tina Turner nach der Verleihung der Medaille der französischen Ehrenlegion.
Vor dem Elysee-Palast im Jahr 2008: Tina Turner nach der Verleihung der Medaille der französischen Ehrenlegion.
Foto: Yoan Valat/EPA/dpa

Trennung von Ike

Die beiden hatten 1962 geheiratet, aber Ike stellte sich als brutaler Ehemann heraus. Sie schaffte es erst 1976, ihn zu verlassen. Um die Scheidung schnell hinter sich zu bringen, gab sie alle finanziellen Ansprüche auf. Sie habe Jahrzehnte gebraucht, um ihm zu vergeben, sagte sie viel später. Ike Turner starb 2007.

Mit ein paar Cents in der Tasche und als alleinerziehende Mutter zweier Söhne fing Turner von vorn an. Sie sang und tanzte zuerst in Clubs, Hotels und auf Betriebsversammlungen. Sie habe geputzt, wo sie unterkam, sagte sie. „Lieber jemand anderes Putzfrau als Ike Turners Ehefrau!“ Und dann kam 1984. Mit 45 schaffte sie den Durchbruch mit ihrem Album „Private Dancer“. Sie gewann vier Grammys. Der Hit „What's Love Got To Do With It?“ klang wie ein selbstironischer Rückblick auf die Ehe mit Ike.


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Turner füllte Säle und Stadien der Welt. Als sie 1988 in Rio de Janeiro vor mehr als 180 000 Zuschauern sang, kam das Riesenpublikum ins Guinness-Buch der Rekorde.

Seitdem läuft das Leben in der Villa am Zürichsee ganz nach ihrem Gusto. Sie lebt dort seit Mitte der 1990er-Jahre und ist inzwischen auch Schweizerin geworden. Sie benannte das 5.000 Quadratmeter großen Anwesen nach ihren indianischen Vorfahren „Algonquin“. Es liegt hinter einem hohen schmiedeeisernen Tor. „Vor 12 Uhr nicht läuten“, steht dort am Tor. „Ich singe nicht. Ich tanze nicht. Ich mache mich nicht zurecht“, sagte sie der „New York Times“.

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Turner lebt dort mit ihrem deutschen Mann Erwin Bach. Sie traf den Musikmanager Mitte der 1980er-Jahre. Er ist 16 Jahre jünger als sie. Die Beziehung hielt und 2013 heirateten die beiden in Küsnacht. Bach nennt seine Frau „Schatzi“, wie er der „New York Times“ verriet, manchmal auch „Bärli“. 2017 spendete Bach seiner Frau eine Niere. Tina Turner schrieb darüber 2018 in einer neuen Biografie.

Turner zeigt sich manchmal noch, zum Beispiel bei der Premiere des Musicals über ihre Lebensgeschichte, „Tina - Das Tina Turner Musical“. In einer Talkshow im britischen Fernsehen ließ sie sich mit 78 noch einmal zu einem ihrer heißen Hüftschwünge hinreißen, die ihre Auftritte so legendär machten. Und die Löwenmähne? Alles fake, wie sie freimütig einräumt. „Ich trage Perücke, und zwar immer“, sagte sie der „Zeit“. „Ich ziehe Perücken an wie andere Menschen ihre Kleider.“


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