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Thomas Gottschalk wird 65: Zauberlehrling der Spaßgesellschaft
Panorama 1 2 Min. 18.05.2015

Thomas Gottschalk wird 65: Zauberlehrling der Spaßgesellschaft

Panorama 1 2 Min. 18.05.2015

Thomas Gottschalk wird 65: Zauberlehrling der Spaßgesellschaft

Altersteilzeit ist für Entertainer und Moderator Thomas Gottschalk kein Fremdwort. Seit vielen Jahren tritt er nur noch vereinzelt im deutschen Fernsehen auf. Seiner Beliebtheit tut dies jedoch keinen Abbruch. Heute feiert er seinen 65. Geburtstag.

Von Rainer Holbe

Eines Tages tauchte Thomas Gottschalk in der Villa Louvigny auf, dem Sendezentrum von „Radio Luxemburg“. Frank Elstner hatte den munteren Newcomer vom Bayerischen Rundfunk abgeworben, um die bis dahin vom Chef höchstpersönlich moderierte „Hitparade“ zu übernehmen, das Flaggschiff des RTL-Programms.

Gottschalks schnoddrig-witzige Moderation passte punktgenau zur Philosophie der „Vier fröhlichen Wellen“. Die vielseitigen Talente des in Bamberg geborenen Radiosprechers waren für Elstner auch der Grund, ihm im September 1987 zu seinem Nachfolger bei „Wetten dass..?!“ zu küren.

Obwohl er sich nach dem schweren Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch von der Moderation zurückgezogen hatte, ist der muntere Rentner längst nicht aus dem Blickfeld verschwunden. Dafür sorgt schon sein jüngster Coup, die Autobiografie „Herbstblond“, die inzwischen die Bestsellerlisten erobert hat.

Darin beschreibt Gottschalk ungeniert auch das schmerzhafte Scheitern seiner ARD-Vorabendshow „Gottschalk Live“, die nach nur wenigen Wochen im Quotenloch verschwunden war. Damals erlebte der Sunny-Boy die geballte Häme des Boulevards. „Als Retter wurde er empfangen, wie ein begossener Pudel schleicht er sich jetzt davon“, schrieb „Bild“. 

Thomas Gottschalk in den Studioräumen von "Radio Luxemburg".
Thomas Gottschalk in den Studioräumen von "Radio Luxemburg".
Foto: Archiv Rainer Holbe

Aufschrei beim Supertalent

An dieser Stelle trat RTL auf den Plan und hielt ihm nicht nur ein Mikrofon, sondern auch einen Vertrag als Juror für das „Supertalent“ unter die Nase – an der Seite von Dieter Bohlen. Der Aufschrei in der Branche ließ nicht lange auf sich warten. „Wie festgetackert sitzt er hinterm Pult und muss ein paar durchschnittlichen Hundetricks ein Lob abgewinnen“, konstatierte die „Frankfurter Rundschau“.

Thomas Gottschalk hat auch das überlebt. Schließlich ist er stets der geblieben, der er immer war. Geld – man spricht von Millionen – und Ruhm haben ihn nicht verändert. Bei „Radio Luxemburg“ war er einer unter vielen, der vergnügt auf den Sommerfesten der Kollegen gemächlich sein Pfeifchen rauchte.

Gottschalk – der Gigant unter den TV-Moderatoren – ist noch immer einer der dünnhäutigsten. Kritik geht ihm nahe, Konflikte versucht er zu vermeiden oder zu schlichten. „Ich arbeite an einer Art von Hornhaut, die sich aber verdammt noch mal nicht einstellen will“, sagt er. Und ergänzt: „Ich bin ein positiver Mensch.“

Voller Überraschungen

Die zur Schau gestellte Fröhlichkeit ist keine Attitüde. Sobald drei Leute zusammen sind, beginnt er zu moderieren. Dabei ist er durchaus zur Selbstkritik fähig: „Eigentlich habe ich mir immer eine Spaßgesellschaft gewünscht. Dass es jedoch so spaßig werden würde, das erschreckt mich jetzt doch. Ich sehe mich fast wie der berühmte Zauberlehrling, der begreift, was er angerichtet hat.“

Bei allem Hang zum Schabernack: Gottschalk ist ein gebildeter Mann – einer, der von der Sprachkunst eines Martin Walser fasziniert ist und der sich darüber freut, dass auch der Dichter sein Wirken schätzt. Auch die Begegnungen mit dem inzwischen verstorbenen Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki hat er goutiert.

Erfolg und Karriere sind dem munteren Sohn einer Familie aus Kulmbach nicht in die Wiege gelegt worden. Die Mutter gehörte zu jener betrogenen Generation, die als Kind noch die Not nach dem Ersten Weltkrieg erleben musste und als junge Frau den Wahnsinn des Zweiten Weltkrieges. Der Vater starb nach langer Leidenszeit, als Thomas vierzehn Jahre alt war.

Es war also ein langer Weg bis zur „Goldenen Kamera“ und dem „Grimme-Preis“, eine Art „Pour le mérite“ der Fernsehbranche. Und für Thomas Gottschalk ist er noch längst nicht zu Ende.

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