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Thomas Gottschalk: Keine Lust auf Legende
Panorama 5 5 Min. 18.05.2020

Thomas Gottschalk: Keine Lust auf Legende

Thomas Gottschalk, hier bei einer Pressekonferenz zu seiner Sendung "Gottschalk liest?". Der Moderator gilt als einer der letzten Entertainer der alten Schule. Am Montag wird er 70.

Thomas Gottschalk: Keine Lust auf Legende

Thomas Gottschalk, hier bei einer Pressekonferenz zu seiner Sendung "Gottschalk liest?". Der Moderator gilt als einer der letzten Entertainer der alten Schule. Am Montag wird er 70.
Foto: Sven Hoppe/dpa
Panorama 5 5 Min. 18.05.2020

Thomas Gottschalk: Keine Lust auf Legende

Thomas Gottschalk gilt als einer der letzten Entertainer der alten Schule und prägte Generationen – am Montag feiert der Fernsehstar seinen 70. Geburtstag.

(dpa) - Thomas Gottschalk hätte zur Legende werden können. Als er "Wetten, dass..?" an den Nagel hängte, hätte er sich ausruhen können auf dem Wissen, Fernsehgeschichte geschrieben zu haben. "Aber was habe ich denn davon?", fragte er im vergangenen Jahr bei einer Lesung in München aus seinem jüngsten Buch "Herbstbunt". "Grundsätzlich ist einfach der Spaß an der Sache größer als die Lust, Legende zu sein", sagt Gottschalk nun in einem Interview des Bayerischen Rundfunks (BR). 

Mal im Anzug, mal im Kleid - die Outfits des Moderators sind legendär.
Mal im Anzug, mal im Kleid - die Outfits des Moderators sind legendär.
Foto: Rolf Haid/dpa

Am Montag wird Gottschalk, der Berufsjugendliche, 70 Jahre alt. In Corona-Zeiten qualifiziert das für die Risikogruppe. Aber: "Ich bin krisenfest", sagt er der Zeitschrift "Bunte". Als er 15 gewesen sei, seien in seiner Heimatstadt Kulmbach die Pocken ausgebrochen. Er habe den sauren Regen, die Tschernobyl-Katastrophe und die Volkszählung überlebt. "Außerdem ein Dutzend Intendanten der ARD und des ZDF, fünf Päpste und gefühlte 100 SPD-Vorsitzende. Nichts davon hat mir meinen Humor und den Glauben an das Gute im Menschen genommen."

Den Schaden klein halten 

Die gute Laune lässt er sich nicht vermiesen. Er kann nicht anders. Ihn mag schmerzen, dass seine Villa 2018 in Malibu abgebrannt ist, doch er sagt: "Es gibt größeres Elend auf der Welt." Mit dem Verlust des Eigenheims in Kalifornien kam auch die Trennung von Thea, mit der er über 40 Jahre verheiratet war und zwei inzwischen erwachsene Söhne hat; mehrfacher Opa ist Deutschlands bekanntester "Thommy" mittlerweile. Ein "schlechtes Gewissen", seine Familie nach so langer Zeit auseinandergebracht zu haben, habe er durchaus, räumte Gottschalk gegenüber dem "Spiegel" ein. Inzwischen hat sich der Moderator in Baden-Baden mit seiner neuen, jüngeren Partnerin niedergelassen. Das Rampenlicht sucht er nach wie vor, doch einen Rosenkrieg über die Medien gab es nicht. Gottschalk fügte hinzu, er sei froh, in dieser Phase nicht mehr auf Twitter präsent gewesen zu sein.

Über Jahrzehnte hinweg gelang es Gottschalk immer wieder, den richtigen Ton zu treffen.

Zum "Twittergott" mit 100.000 Followern war Gottschalk dort in kurzer Zeit avanciert. Noch rechtzeitig bemerkte er die Tücken des Mediums; die Shitstorms auf manchen nicht verstandenen Witz nahmen ihm die Freude, bekennt er in seinem Buch. Seither spricht "der letzte Schlesier" lieber wieder über Radio, TV oder Bücher zu den Menschen – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. 

Sein früh geprägtes Gottvertrauen habe ihn durchs Leben getragen, sagt der Katholik. Mit einer Tante als Ordensschwester und "Onkel Hans" als Pfarrer gehörte geistliches Personal zum Dunstkreis seiner Jugend. "Onkel Hans" nahm sich der Gottschalks auch an, als der Vater 1964 starb. Die katholische Karriere des Knaben ging unterdessen vom Ministranten zum Vorbeter voran. Als der Berufswunsch kam, Journalist zu werden und dafür in München zu studieren, sorgte Mama Rutila dafür, dass der Abiturient beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses die Aufnahmeprüfung machte, beim "großen Jesuiten" Pater Wolfgang Seibel. Der Rest seines Aufstiegs vom Bayerischen Rundfunk zum Fernsehen ist Geschichte. 

Eine Geschichte, die den Entertainer auch nach Luxemburg geführt hat. Frank Elstner warb ihn damals vom Bayerischen Rundfunk ab, um ihm die Moderation der "Hitparade" bei Radio Luxemburg zu übertragen – und kürte ihn 1987 auch zu seinem Nachfolger bei "Wetten, dass ...?" Im November wird es ganz nostalgisch: Der dann 70-Jährige kommt – so die Pandemie es erlaubt – mit seinem ganz großen Erfolg zurück auf den Bildschirm und will noch einmal die Show moderieren, die dafür sorgt, dass man ihn eigentlich in einem Atemzug mit Hans-Joachim Kulenkampff oder Peter Frankenfeld nennen muss. 

Mediales Lagerfeuer 

Das mediale Lagerfeuer, das Gottschalk zwischen 1987 und 2011 regelmäßig anzündete, ist inzwischen zwar erloschen, doch vor noch gar nicht allzu langer Zeit sprach man am Montag danach darüber – im Büro und auf dem Schulhof. Man sprach über den spektakulären Auftritt von Michael Jackson, über Gäste wie Tina Turner, Robbie Williams und Tom Hanks und darüber, was der Thommy da nur wieder anhatte. Seine Outfits sind ebenso legendär wie die Tatsache, dass die berühmtesten seiner Gäste immer schon nach fünf Minuten ihren Flieger kriegen mussten. 

Moderator Thomas Gottschalk in verschiedenen Outfits beim Auftritt in der ZDF-Show "Wetten, dass..?". Sein Kleidungsstil schrieb Fernsehgeschichte.
Moderator Thomas Gottschalk in verschiedenen Outfits beim Auftritt in der ZDF-Show "Wetten, dass..?". Sein Kleidungsstil schrieb Fernsehgeschichte.
Foto: picture alliance / dpa

Doch so glanzvoll Gottschalks "Wetten, dass..?"-Vergangenheit auch ist, mit Alternativen auf dem Bildschirm hatte er oft kein glückliches Händchen. Er scheiterte phänomenal mit einer Vorabendshow im Ersten und zog Kritik auf sich, als er neben Dieter Bohlen in der "Supertalent"-Jury von RTL Platz nahm. Als der Fernsehmann Anfang 2019 verkündete, dass er eine Literatursendung ("Gottschalk liest?") im BR startet, sagte er, sein Glück sei, "dass ich in einer Phase meiner Karriere bin, in der ich nichts mehr zu verlieren habe".

Inzwischen ist auch "Gottschalk liest?" Geschichte. Grund ist wohl eine Frau: Karina Mroß, seine neue Lebenspartnerin, über die er der "Bunte" sagt: "Karina ist wirklich meine Traumfrau." Der Moderator hat den BR, bei dem er seine Karriere einst startete, und dem er laut einem Interview, das er dem "Handelsblatt" gab, 915,79 Euro gesetzliche Rente verdankt, gegen den Südwestrundfunk (SWR) eingetauscht, wo auch Mroß arbeitet. 

Links: Thomas Gottschalk und seine damalige Ehefrau Thea. Rechts:  Gottschalk mit seiner neuen Lebenspartnerin Karina Mroß.
Links: Thomas Gottschalk und seine damalige Ehefrau Thea. Rechts: Gottschalk mit seiner neuen Lebenspartnerin Karina Mroß.
Foto: Franz Neumayr/Patrick Seeger/APA

Das Gespür für den richtigen Ton 

Über Jahrzehnte hinweg gelang es Gottschalk immer wieder, den richtigen Ton zu treffen. Besonders in schwierigen Situationen konnte er über sich hinauswachsen: zum Beispiel als er humorvoll und konziliant die Stimmung beim Fernsehpreis rettete, nachdem Marcel Reich-Ranicki erbost gezetert hatte: "Ich nehme diesen Preis nicht an". Oder als er nach dem furchtbaren Unfall von Samuel Koch die Sendung abbrach und nicht lange danach ein mitfühlendes Interview mit dessen Vater führte. Was er sagte, war wahnsinnig schlagfertig, oft lustig, charmant, hatte aber meistens Substanz, es war zuweilen sogar klug. 


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In den vergangenen Jahren scheint ihm das Gespür für den richtigen Ton aber zeitweise abhanden zu kommen. Er beschwört gern eine Allianz mit seinen Fans und Hörern gegen (andere) Medien. Ganz weit entfernt von Medienschelte ist das zuweilen nicht. Zu einem kommunikativen Desaster geriet seine Ankündigung, nicht mehr mit dem BR zusammenzuarbeiten. Er sagte, das geschehe aus gesundheitlichen Gründen – und ganz Fernsehdeutschland war in Sorge, bis er schließlich in einer Talkshow einräumte, schlicht gelogen zu haben. 

"Herbstbunt", sein bislang letztes Buch, erlaubt auch einen Einblick in die Seele des alten, weißen Mannes. Der "‚ältere heterosexuelle weiße Mann‘, eine Spezies, der ich mich zurechne", sei "mittlerweile das einzige lebende Wesen (...), das keinerlei Artenschutz für sich reklamieren kann". Es ist die große Sorge alter weißer Männer auf der ganzen Welt – und sie scheint leider auch vor einer Fernsehlegende nicht Halt zu machen. 

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