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Télécran: Frisch gedruckt
Panorama 4 Min. 06.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Télécran: Frisch gedruckt

Frischer Wind beim „Télécran“: Die studierte Politik- und Medienwissenschaftlerin Martine Hemmer steht seit neuestem am Redaktions-Ruder.

Télécran: Frisch gedruckt

Frischer Wind beim „Télécran“: Die studierte Politik- und Medienwissenschaftlerin Martine Hemmer steht seit neuestem am Redaktions-Ruder.
Foto: Guy Wolff
Panorama 4 Min. 06.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Télécran: Frisch gedruckt

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Sicherlich hat sich der eine oder andere treue „Télécran“-Leser bereits über die ungewohnt frische Aufmachung des Luxemburger Traditionsblattes gewundert. Wir haben mit Chefredakteurin Martine Hemmer über den Relaunch gesprochen.

(nr) - Sicherlich hat sich der eine oder andere treue „Télécran“-Leser bereits über die ungewohnt frische Aufmachung des Luxemburger Traditionsblattes gewundert. Aber auch in Sachen Inhalt hat sich einiges getan. Wir haben mit der frischgebackenen Chefredakteurin Martine Hemmer (38), die bereits seit rund acht Jahren bei der serviceorientierten Wochenzeitschrift arbeitet, über den Relaunch gesprochen.

Martine Hemmer, Gratulation zum Facelift! Erzählen Sie uns doch ein wenig darüber.

Auch wenn sich unser Auftreten verändert hat, ist es nicht so, dass man den „Télécran“ überhaupt nicht mehr wiedererkennt. Es geht immer noch darum, das Leben in Luxemburg abzubilden. Wir haben uns allerdings vorgenommen, die Menschen, die direkt von bestimmten Thematiken betroffen sind, noch stärker in den Vordergrund zu stellen. Das heißt zum Beispiel, dass, wenn ein neues Gesetz gestimmt wird, wir nicht mehr primär mit dem zuständigen Minister, seinem Pressesprecher oder irgendwelchen Experten sprechen werden, sondern wir wollen uns direkt vor Ort anschauen, welche Auswirkungen das Gesetz für die Betroffenen hat.

Außerdem bestand eines unserer Ziele darin, den „Télécran“ übersichtlicher zu gestalten und ihm eine Dramaturgie zu verleihen. Deshalb haben wir das Heft neu gegliedert.

Jünger, frischer, moderner: Der "Télécran" in neuem Gewand.
Jünger, frischer, moderner: Der "Télécran" in neuem Gewand.

Ein neues Erscheinungsbild und neue Inhalte bergen immer die Gefahr, treue Leser zu vergraulen: Inwiefern hat Ihnen das Kopfzerbrechen bereitet?

Es ist tatsächlich eine Gratwanderung, die uns aber, schätze ich, gut gelungen ist. Optisch ist es zwar etwas komplett anderes, angefangen beim Schriftbild über das Layout, das unser Artdirector Eberhard Wolf ausgearbeitet hat, bis hin zum Aufbau des Heftes. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass die Leser viel weniger konservativ sind, als wir vielleicht manchmal annehmen.

Zudem gibt es auch im Magazinbereich bestimmte Trends, denen man folgen muss, um nicht irgendwann selbst vom treuesten Leser als altbacken empfunden zu werden.

Hatten Sie eine bestimmte Leserschaft vor Augen als Sie den „Télécran“ überarbeitet haben?

Als Zielgruppe haben wir die 30- bis 45-Jährigen ins Visier genommen, weil das jenes Alter ist, in dem man sich im Leben niederlässt, eine Familie gründet, sich vielleicht überlegt, ob man eine Wohnung kaufen oder ein Haus bauen soll. Vor allem bei dieser Zielgruppe können wir unseren Servicecharakter voll ausspielen.

Was aber nicht heißt, dass wir Leser jenseits dieser Altersgruppe ausschließen. Wir wissen ja auch, dass wir eine treue Stammleserschaft haben, die quasi mit dem „Télécran“ alt geworden ist. Und wir sind über die Jahre mit ihnen ein wenig gealtert. Nun wollen wir auch wieder verstärkt jüngere Leser ansprechen. Aber ich denke, dass gerade familienbezogene Themen eine Schnittstelle zwischen den Generationen bilden.

Viele nehmen den „Télécran“ – wie es der Name ja beinhaltet – primär als Programmzeitschrift wahr. Dabei befindet sich das Fernsehverhalten der Menschen aufgrund des Internets und Angeboten wie Netflix derzeit stark im Umbruch. Inwieweit tragen Sie diesem Umstand Rechnung?

Es fängt damit an, dass wir das Fernsehprogramm ans Ende gesetzt haben, sodass der Artikelfluss nicht mehr unterbrochen wird. Außerdem wollen wir den Magazinteil aufwerten, indem wir mehr Zeit in die Recherche unserer Hauptartikel investieren. Ein weiterer Punkt ist, dass wir beim Fernsehprogramm den Fokus künftig auf unsere Berater-Funktion legen, indem wir uns verstärkt mit den Inhalten beschäftigen. Wir wollen, dass unsere Leser keine Zeit mehr mit schlechten Sendungen vergeuden müssen.

Was war für Sie die größte Herausforderung beim Relaunch?

Etwas zu erschaffen, das modern, jung und frisch wirkt, aber nicht forciert – und gleichzeitig nicht die eigene Identität aufzugeben. Das heißt auch, die Stammleser nicht zu verschrecken und trotzdem das Potenzial zu haben, jüngere Leser anzuziehen, die bislang noch keine Erfahrungen mit uns gemacht haben.

Rein praktisch war es allerdings auch eine Herausforderung, die Entwicklung des Konzepts neben dem regulären Tagesgeschäft zu stemmen. Und auch der Übergang zwischen dem alten und dem neuen „Télécran“ war nicht ganz einfach. Zum Schluss haben wir parallel an den verschiedenen Heften gearbeitet. Da musste man einen klaren Kopf bewahren, um sich nicht zu verheddern.

Wie schwierig ist es Ihnen gefallen, aus dem alten Trott herauszufinden?

Man muss natürlich versuchen, die Mitarbeiter entsprechend zu motivieren. Es ist für jeden nicht einfach umzudenken, wenn man bestimmte Gewohnheiten pflegt, zum Beispiel was die Herangehensweise an Geschichten oder Erzählweisen anbelangt.

Neues Auftreten, neue Chefredaktion: Inwiefern ist eine solche personelle Umstrukturierung in Ihren Augen unausweichlich mit dem anderen verbunden?

Eine Umstrukturierung ist nicht unbedingt notwendig. Wir haben zwar jetzt lange Zeit keinen Relaunch gemacht, aber prinzipiell müsste jedes Magazin zirka alle fünf Jahre darüber nachdenken, bestimmte Aspekte zu erneuern. Und dann jedes Mal das Personal auszuwechseln wäre wohl nicht sehr ergiebig.

Nun ist Luxemburg ja nicht riesengroß. Sind die Geschichten da nicht irgendwann alle erschöpft?

Das ist effektiv ein Problem. In Luxemburg gibt es proportional zur Größe sehr viele Medien, die ebenfalls den Auftrag haben, über die interessanten Geschehnisse und Persönlichkeiten im Land zu berichten. Da etwas oder jemanden zu finden, der nicht schon durch alle Medien durchgereicht wurde, ist nicht einfach. Aber über die Zeit entwickelt man eine Art Berufskrankheit, bei der man ständig auf Empfang ist – auch wenn man privat unterwegs ist. Unentwegt fragt man sich: „Könnte ich über den oder das mal eine Geschichte machen?“ Und früher oder später kommen Bekannte auch ganz automatisch mit Vorschlägen auf einen zu, weil sie wissen, dass man permanent nach neuen Geschichten sucht.

Aber es ist natürlich auch eine Überlegung wert, die Grenzen nicht strikt am Rande des Landes zu ziehen, sondern sich auch für Storys in der Großregion zu öffnen.


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