Wählen Sie Ihre Nachrichten​

„Tatort“-Ermittler auf der Flucht
Panorama 3 Min. 17.08.2019 Aus unserem online-Archiv

„Tatort“-Ermittler auf der Flucht

Meret Becker (l.) und Mark Waschke sind in den „Tatort“-Produktionen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) als Kommissare Nina Rubin und Robert Karow zu sehen.

„Tatort“-Ermittler auf der Flucht

Meret Becker (l.) und Mark Waschke sind in den „Tatort“-Produktionen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) als Kommissare Nina Rubin und Robert Karow zu sehen.
Foto rbb/Thomas Ernst
Panorama 3 Min. 17.08.2019 Aus unserem online-Archiv

„Tatort“-Ermittler auf der Flucht

Aylin Tezel und Meret Becker machen Schluss. Warum so viele Schauspieler beim Kultkrimi die Brocken hinwerfen.

von Cornelia Wystrichowski

Millionen Krimifans sehen zu, und die Kohle stimmt auch: „Tatort“-Kommissar zu werden, galt stets als ein Sechser im Lotto. Ist es das heute nicht mehr? Gleich zwei Schauspielerinnen haben aktuell keine Lust mehr auf diesen Traumjob: Meret Becker hat ihren Abschied vom Berlin-„Tatort“ angekündigt, und Aylin Tezel gibt als Kollegin von Jörg Hartmann in Dortmund auf.

Sie sind nicht die ersten, die neue künstlerische Herausforderungen suchen, die Liste der Aussteiger ist lang: Zuletzt haben Stefan Konarske in Dortmund, Alwara Höfels in Dresden, Sibel Kekilli in Kiel sowie Sabine Postel und Oliver Mommsen in Bremen die Brocken hingeworfen.

Fehlender künstlerischer Konsens

Der „Tatort“ scheint für Schauspieler einen Teil seiner Attraktivität eingebüßt zu haben. Warum sind so viele ARD-Ermittler auf der Flucht? Alwara Höfels berichtete, der fehlende künstlerische Konsens zwischen ihr und den „Tatort“-Machern zwinge sie dazu, als Dresdner Kommissarin Henni Sieland aufzuhören, alle klärenden Gespräche seien gescheitert. Bei manchen ist es auch die Angst, in der Rollenschublade zu landen.

Matthias Brandt, der beim „Polizeiruf 110“ aufgehört hat, stöhnt: „Fernsehkommissar ist bei uns eine eigene Berufsbezeichnung. Ich würde mich aber nur ungern davon dauerhaft prägen lassen.“ Andrea Sawatzki begründete ihren Abgang beim Frankfurter „Tatort“ 2010 so: „Allmählich wird’s Routine, die ich brechen will.“ Ihre Nachfolgerin Nina Kunzendorf ging 2013, weil sie sich auf die Rolle als sexy Kommissarin Conny Mey reduziert fühlte.

Manchmal sagen auch die Darsteller aus der zweiten Reihe tschüss – weil es sie nervt, als Co-Ermittler nur Stichwortgeber für die Stars zu sein. Tessa Mittelstaedt hörte 2014 auf, nachdem sie als Franziska Lüttgenjohann 13 Jahre lang den Kölner Kommissaren Ballauf und Schenk zugearbeitet hatte: „Die Rolle war sehr begrenzt, ich konnte schauspielerisch auf der Position einfach nicht so viel zeigen wie die Kommissare, die ja in jedem Drehbuch zu 70 Prozent im Mittelpunkt stehen“, schilderte sie anschließend leicht verschnupft.


ARCHIV - 30.05.2017, Berlin: Der Schauspieler David Hasselhoff bei einem Photocall anlässlich des Kinofilms "Baywatch". Die TV-Serie «Baywatch», die in den 1990er Jahren weltweit Millionen Menschen vor die Fernseher lockte, ist Stoff für einen geplanten Dokumentarfilm (zu dpa «TV-Kultserie «Baywatch» ist Stoff für einen Dokumentarfilm») Foto: Jörg Carstensen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
David Hasselhoff: "Wenn ich Spaß habe, haben alle Spaß"
Lange war es ruhig um David Hasselhoff. Nun meldet sich der 67-jährige Schauspieler und Sänger mit einer neuen Single und jeder Menge Tourterminen zurück. Ein Gespräch.

Ihr Kollege Ingo Naujoks hatte bis 2010 den neurotischen Mitbewohner der niedersächsischen „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) gespielt, dann war Schluss: „Ich wusste: Ich kann als Schauspieler nicht mehr in den Spiegel gucken, wenn ich so weitermache, die Redaktion wollte aber leider nichts ändern – deshalb habe ich aufgehört.“

Maren Eggert ging 2010 in Kiel, um schauspielerisch neue Wege zu beschreiten. Petra Schmidt-Schaller hatte nach sechs Folgen an der Seite von Wotan Wilke Möhring im norddeutschen „Tatort“ keine Lust mehr.

Riskanter Schritt

Der Abschied ist ein riskanter Schritt, denn selbst eine kleine Rolle im ARD-Sonntagskrimi ist doch eine feste Einnahmequelle. Danach wird es um manche Aussteiger still. Ingo Naujoks hat immerhin eine Rolle in der Vorabendserie „Morden im Norden“ ergattert, von Maren Eggert oder Tessa Mittelstaedt sieht zumindest das Fernsehpublikum dagegen nicht mehr viel.

Michael Fitz, der 2007 als Carlo Menzinger beim Münchener „Tatort“ aufhörte, räumt ein, dass die Zeit danach nicht leicht für ihn war: „Die Reihe hat einen riesigen Stellenwert und ist in den Medien permanent präsent. Wenn Sie da nicht mehr mitspielen, merken Sie das schon.“

Noch deutlicher wurde Steffen Wink, der im „Tatort“-Ableger „Schimanski“ den hitzköpfigen Partner von Götz George alias Schimi spielte und 1998 die Brocken hinwarf. „Es gibt Jahre, die sind wahnsinnig gut, und andere, die sind mager, und man lebt von den Rücklagen aus den Jahren davor“, bekannte er später. Als Schimis Assistent habe er Angst gehabt, „der ewige ,Harry‘ zu sein“ – rückblickend betrachtet war das wohl eher eine Luxussorge.

Den Rekord als schnellster „Tatort“-Aussteiger aller Zeiten hält übrigens Harald Schmidt: Er stieg 2017 sogar schon aus, bevor überhaupt die erste Folge des Schwarzwald-„Tatorts“ gedreht war, in dem er mitspielen sollte.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Zum Hinhören
Der Podcast erlebt derzeit ein fulminantes Comeback. Davon profitieren auch die drei Macher von „Erklär&Laach“ aus Burglinster und Echternach.
x
Das große Abenteuer
Das ZDF zeigt neue Folgen des Erfolgsformats „Mit 80 Jahren um die Welt“: Sechs Senioren reisen zu Traumzielen und erfüllen sich Herzenswünsche.
Theo.