Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Sven Fielitz: Die Kunst des Fußballs
Panorama 5 Min. 13.11.2019

Sven Fielitz: Die Kunst des Fußballs

Der Sportler findet es toll, beim Freestyle seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können.

Sven Fielitz: Die Kunst des Fußballs

Der Sportler findet es toll, beim Freestyle seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können.
Foto: Pierre Matgé
Panorama 5 Min. 13.11.2019

Sven Fielitz: Die Kunst des Fußballs

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Der Luxemburger Fußball-Freestyler Sven Fielitz nimmt am „Red Bull Streetstyle“-Event in Miami teil.

Konzentriert, ja verschwörerisch schaut Sven Fielitz auf seinen Ball. Er holt kurz Luft, als wolle er nun hinein tauchen in ein Meer der Akrobatik, und lässt das Spielgerät aus seinen Händen auf den rechten Fuß gleiten. Was folgt, ist in Worten kaum zu fassen: Mehrere Minuten lang lässt Fielitz den farbigen Fußball in einer atemberaubenden Choreografie auf seinen Körperteilen umhertanzen, ohne dass das Sportutensil den Boden berührt. Vom Fuß prallt der Ball wieder in die Höhe, wird von der Hacke abgefangen und ein Paar mal hin und her balanciert, bevor er über den Kopf hinaus befördert und im Handstand mit beiden Knien wieder abgefangen wird.

Sven Fielitz ist Fußball-Freestyler und gehört weltweit zu den Besten seiner Zunft. Als frisch gebackener Luxemburger Meister geht der 28-Jährige morgen beim „Red Bull Streetstyle“ in Miami an den Start. Und nicht wenige trauen dem Luxemburger eine Topplatzierung bei dem zweitägigen Event zu, das zu den prestigeträchtigsten Veranstaltungen in der Freestyle-Community gehört.

Ein Luxemburger in der Weltelite

Am ersten Tag sind die Freestyler in acht Gruppen aufgeteilt. Jeder gegen jeden. Die zwei Besten einer Gruppe kommen weiter und machen am Folgetag in der Runde der Top 16 den Sieger unter sich aus. Ein sogenanntes Battle zwischen zwei Teilnehmern dauert drei Minuten. Ein DJ sorgt für die musikalische Umrahmung. Idealerweise entwickelt sich dann ein regelrechter Schlagabtausch, in dem jeder Sportler jeweils 30 Sekunden hat, um auf die Performance des Gegners mit einer eigenen Choreografie zu antworten. Eine fünfköpfige Jury kürt den Sieger. Bewertet wird der Auftritt nach verschiedenen Kriterien, wie zum Beispiel Kreativität, Kontrolle, Schwierigkeitsgrad und die Abstimmung mit der Musik.

International erfolgreich: Sven Fielitz kam 2005 zum ersten Mal mit Freestyle-Fußball in Kontakt und blieb dabei. Er vertritt seit vielen Jahren die Luxemburger Landesfarben – und das mit Erfolg.
International erfolgreich: Sven Fielitz kam 2005 zum ersten Mal mit Freestyle-Fußball in Kontakt und blieb dabei. Er vertritt seit vielen Jahren die Luxemburger Landesfarben – und das mit Erfolg.
Foto: Pierre Matgé

Für Sven Fielitz ist es nicht die erste Teilnahme an einem „Red Bull Streetstyle“. Seine Feuertaufe fand 2012 im italienischen Lecce statt. Es folgten Tokio und Salvador, bevor es der junge Sportler 2016 in London ein erstes Mal in die Runde der besten 16 schaffte. „Leider zog ich mir sofort im ersten Battle gegen den späteren Finalisten eine Verletzung zu, so dass das Event für mich gelaufen war. Es war etwas frustrierend, nicht sein Bestes zeigen zu können“, betont der junge Sportler.

Als einziger Luxemburger auf der World Tour konnte Fielitz lange Jahre über Wild Cards an den Events teilnehmen. „Ich hatte zu dieser Zeit bereits ein gewisses Niveau erreicht und konnte mit der Elite mithalten. Das wussten auch die Veranstalter“, so der Sportler. Inzwischen aber zählt auch die Szene im Großherzogtum mehrere Freestyler, so dass dieses Jahr zum ersten Mal überhaupt ein Qualifikationsturnier veranstaltet wurde. Diese Luxemburger Meisterschaften konnte Fielitz wiederum für sich entscheiden.

Sein bestes Resultat aber erzielte der Fußballer 2015 in Amsterdam: Bei den Europameisterschaften sprang ein vierter Platz für ihn heraus. „Das war eine Überraschung. Ich dachte nämlich, dass ich bereits in der Runde der letzten 16 die Segel streichen müsste“, so Fielitz. Weil er aber nichts zu verlieren hatte, lieferte er plötzlich „die Battle seines Lebens“ ab und schaffte es so bis ins Halbfinale.

Die Freiheiten des Freestyle

Erfolgreiche Platzierungen seien natürlich toll, meint der Luxemburger. Wichtiger aber sei es ihm, eine eigene Ausdrucksweise zu entwickeln, einen eigenen Stil. „Es verschafft mir ein gewisses Gefühl der Freiheit, mich am Ball ausdrücken zu können, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen“, unterstreicht der junge Fußballer, der 2005 zum ersten Mal mit Freestyle in Kontakt kam. Eine Kampagne eines bekannten Sportartikelherstellers hatte ihn auf diesen neuen Aspekt einer Sportart aufmerksam gemacht, nachdem er bereits als Kind dem Mannschaftssport nachgegangen war. Auch wenn er beide Aktivitäten eine Zeit lang noch parallel zueinander ausübte, entschied er sich gegen Ende seiner Schullaufbahn für die künstlerische Herangehensweise.

Ihm gefallen die Freiheiten des Freestyle: „Es gibt keinen strikten Rahmen, kaum Regeln. Ich muss mich nicht an einem Trainer orientieren, kann üben, wann ich will, mit wem ich will und wie lange ich will. Es gibt keine Strukturen, die mich einengen“, so Fielitz. Seine Battles geht der Sportler nie mit einer festen Choreografie an. Vielmehr lässt er sich von seiner Laune und von den Beats der Musik im Hintergrund leiten. „Alles andere wäre ja auch langweilig. In dem Fall bräuchte ich ja nur einen gewissen Ablauf zu trainieren und diesen so lange zu wiederholen, bis er sitzt“, unterstreicht der Fußballer. „So aber kann ich auf meine Gegner reagieren, in dem ich ihre Tricks aufgreife und mit meinen Variationen unterlege.“ Ihm gefalle dieser Schlagabtausch: „Ich schaue mir an, was der Gegner tut und beweise der Jury, dass ich die Darbietung auf das nächste Niveau heben kann.“

Sven Fielitz kam 2005 zum ersten Mal mit dem Freestyle in Kontakt.
Sven Fielitz kam 2005 zum ersten Mal mit dem Freestyle in Kontakt.
Foto: Pierre Matgé

Ob Freestyle nun Sport oder Kunst sei, darauf wolle er sich nicht festlegen. „Eigentlich ist es beides. Man bewegt sich körperlich und gerät dabei ganz schön ins Schwitzen“, so Fielitz. „Von diesem Standpunkt her ist es Sport. Auf der anderen Seite aber ist es auch eine Ausdrucksweise, die von den eigenen Gefühlen und der Musik geleitet wird.“ Nicht umsonst inspiriere er sich beim Training an Musik und Tanz. Dabei spielt vor allem der Breakdance eine Rolle. „Musik ist ein ganz wichtiger Bestandteil. Aber auch andere Tanzarten spielen eine Rolle. Die Kreativität kennt keine Grenzen“, unterstreicht der Freestyler. Früher habe er sich an verschiedenen Tricks fest gebissen und stets versucht, den Schwierigkeitsgrad weiter in die Höhe zu schrauben. Heute sei es vielmehr sein Ziel, einen ganz eigenen Stil zu entwickeln, einen eigenen Flow. „Bekannte Künstler erkennt man an ihrer Arbeit. Ich möchte erreichen, dass die Zuschauer mich sofort an meiner Art der Bewegung erkennen“, betont Fielitz.

Als Profi hat Sven Fielitz auch die Zeit, sich seinem Sport, seiner Kunst zu widmen. Die finanziellen Mittel dafür erarbeitet er sich als unabhängiger Videograf. Mit Auftritten bei Events, Familienfesten oder Betriebsveranstaltungen bessert er die Kasse zusätzlich auf. „Als Luxemburger ist es aber schwer, ganz allein vom Freestyle zu leben. Deshalb kann man mich auch für Show-Darbietungen buchen“, meint der junge Mann.


Game-Tipp „FIFA 20“: Neues Jahr, neues Spiel
Jedes Jahr erscheint pünktlich Ende September eine neue Version von EAs Evergreen „FIFA“. (E-)Fußballfans können sich wie immer auf die aktualisierten Kader und frische Spitzfindigkeiten im Gameplay freuen.

Vor einem großen Wettbewerb, wie dem „Streetstyle“ in Miami, trainiert Fielitz mindestens fünf Mal die Woche bis zu drei Stunden täglich. „Früher habe ich auch im Winter noch im Freien trainiert. Doch im Alter muss ich jetzt wohl etwas besser auf meinen Körper achten“, sagt Fielitz lachend, wohl wissend, dass er mit 28 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Dennoch bietet ihm ein Trainingssaal Möglichkeiten, die er im Freien nicht hat. Entsprechend glücklich ist der Luxemburger, mit Top Squash in Sandweiler den geeigneten Partner gefunden zu haben. „Mit Squash hat die Sportart wenig zu tun. Doch habe ich hier einen eigenen Raum, in dem ich mich mit Musik auf die Wettbewerbe vorbereiten kann“, betont Sven Fielitz.

Das „Red Bull Streetstyle“ wird am Donnerstag mit der Qualifikationsrunde eingeleitet. Am Freitag folgt um 19 Uhr Ortszeit in Miami die Runde der letzten 16 Teilnehmer. Diese wird live auf der Seite www.redbullstreetstyle.com übertragen. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Japan: Immer der Linie nach
In Japan werden betagte Autofahrer zu einem echten Verkehrsrisiko. Gezielte Maßnahmen der Regierung greifen bis jetzt kaum.
asdf
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.