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Studie: Miteinander füreinander
Ob Luxemburger oder portugiesischer Abstammung – in beiden Kulturen bleiben die Familienmitglieder in Kontakt.

Studie: Miteinander füreinander

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Ob Luxemburger oder portugiesischer Abstammung – in beiden Kulturen bleiben die Familienmitglieder in Kontakt.
Panorama 3 Min. 26.01.2018

Studie: Miteinander füreinander

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Isabelle Albert und Stephanie Barros Coimbra vom Forschungsteam Inside der Universität Luxemburg haben die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Werthaltungen von luxemburgischen und portugiesischen Familien in Luxemburg untersucht.

(SMH) - Isabelle Albert und Stephanie Barros Coimbra vom Forschungsteam Inside der Universität Luxemburg haben die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Werthaltungen von luxemburgischen und portugiesischen Familien in Luxemburg untersucht und kamen zu der Erkenntnis, dass sie sich im Grundsatz der Familienverbundenheit gleichen. In der Art, wie diese Nähe konkret gelebt wird, unterscheiden sie sich allerdings.

Luxemburger Familien und Familien portugiesischer Herkunft, die in Luxemburg leben, unterscheiden sich bezüglich ihrer Familienwerte und Praktiken aber auch innerhalb ihrer Kulturen. Manche Familien passen sich dem kulturellen Kontext an, andere nicht, fanden die Forscherinnen heraus. Die Familienkultur mit portugiesischen Ursprüngen kann sich an den Traditionen der Herkunftskultur der Eltern orientieren, ist aber auch eingebettet in die Gastkultur, deren Einflüsse in Einklang gebracht werden müssen, wenn sie sich unterscheiden.

In luxemburgischen Familien wird in finanzieller und praktischer Hinsicht viel an die Kinder weitergegeben, aber die Erwartungen an die Kinder sind geringer als bei den Familien portugiesischer Herkunft. Hier scheint es so zu sein, dass auch Kinder den Eltern viel helfen. Das Verhältnis ist ausgewogener.

Die Interviews, die im Rahmen der Studie durgeführt wurden, ergaben, dass Familienmitglieder in beiden Kulturen füreinander da sind, die Unterschiede zeigen sich in den konkreten Erwartungen. Bei den portugiesischen Familien herrschte die Erwartung der Eltern, dass man die erwachsenen Kinder nach dem Auszug aus dem gemeinsamen Heim jedes Wochenende sieht und möglichst täglich telefoniert.

Weniger Klammern

Bei den Luxemburgern ist man auch füreinander da, aber die Kontakthäufigkeit war etwas geringer und die Akzeptanz, dass die Kinder ihr eigenes Leben führen höher. Es gab ein grundsätzliches Vertrauen, dass, wenn man sich braucht, füreinander da ist. Dafür muss man sich nicht so häufig sehen.

Eine weitere Kategorie zeigt die Ambivalenz den Familienpflichten gegenüber, die das Wohlbefinden der Kinder hinterfragt. Der ersten Gruppe der Pflichtbewussten konnten sowohl luxemburgische als auch die portugiesische Studienteilnehmer zugeordnet werden. Hier ist sowohl die Solidarität der Generationen zueinander hoch als auch das persönliche Wohlbefinden der erwachsenen Kinder bei der Erfüllung der familiären Pflichten.

In der zweiten Gruppe sind die Gefühle gemischt. Es gibt zwar einen hohen Zusammenhalt in der Familie, aber die erwachsenen Kinder fühlen sich hin- und hergerissen zwischen den wahrgenommenen Erwartungen der Eltern und den eigenen Bedürfnissen, worunter das individuelle Wohlbefinden leiden kann. In dem Fall gab es mehr Zustimmung bei den portugiesischen erwachsenen Kindern.

Verschiedene Erwartungshaltungen

In den Interviews mit portugiesischen Familien, konnten die Forscherinnen erkennen, dass bei den portugiesischen Eltern die Erwartungen an die Verpflichtungen der Kinder teils höher sind als in den luxemburgischen Familien. Hier spiegelt sich der Konflikt zwischen den Erwartungen der portugiesisch geprägten Migrantenfamilien und der Gastkultur wider. Auf den luxemburgischen Kindern lasten nicht so hohe Erwartungen wie auf den portugiesischen, das macht es für sie möglicherweise einfacher, die Familienpflichten zu erfüllen.

Die Forscherinnen schreiben dies einerseits der kulturellen Prägung in den portugiesischen Herkunftsfamilien zu, andererseits könnte auch die Migrationserfahrung eine Rolle spielen. Da die Eltern als junge Leute ausgewandert sind, war der Kontakt zu den eigenen Eltern in Portugal nicht so eng wie er heute mit ihren eigenen erwachsenen Kindern und auch den Enkeln in Luxemburg ist, was auch gegen eine Rückkehr nach Portugal spricht.

Schon früh eigenständig

Antwortmuster, die auf eine stärkere Eigenständigkeit bei gleichzeitigem Wohlbefinden hinwiesen, waren bei beiden Gruppen weniger häufig vertreten. Die Forscherinnen nehmen an, dass die portugiesischen erwachsenen Kinder schon im Heranwachsen daran gewöhnt waren, eigenständig zu sein, da sie für die Eltern übersetzen mussten und sich schon früh der Kontrolle der Eltern entziehen konnten, was aber gleichzeitig auch die hohen Verpflichtungsgefühle erklären könnte.

In der Summe zeigt die Studie einen starken Zusammenhalt sowohl von portugiesischen als auch von luxemburgischen Familien – allerdings unterschieden sie sich in den damit zusammenhängenden Praktiken und gegenseitigen Erwartungen, also darin, was sie unter Familienzusammenhalt eigentlich verstehen und wie sie Unterstützung und Nähe letzten Endes aushandeln.


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