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Stimme für Toleranz beim ESC-Finale
Panorama 3 3 Min. 18.05.2019

Stimme für Toleranz beim ESC-Finale

„Liebe wird siegen“, hofft Bilal Hassani, der am Samstagabend beim Finale des Eurovision Song Contest mit dem Song „Roi“ für Frankreich in Israel an den Start geht.

Stimme für Toleranz beim ESC-Finale

„Liebe wird siegen“, hofft Bilal Hassani, der am Samstagabend beim Finale des Eurovision Song Contest mit dem Song „Roi“ für Frankreich in Israel an den Start geht.
Fotot: Low Wood/EBU/dpa
Panorama 3 3 Min. 18.05.2019

Stimme für Toleranz beim ESC-Finale

Sänger Bilal Hassani, Frankreichs Hoffnung beim Eurovision Song Contest, singt gegen Diskriminierung an. Sollte auch Luxemburg wieder beim ESC teilnehmen?

von Christine Longin (Paris)

Seine Perücken heißen Nadia, Gina oder Vivi. Insgesamt 15 künstliche Haarteile in Blau, Grün oder Blond gehören zur Identität von Bilal Hassani, dem französischen Kandidaten für den Eurovision Song Contest (ESC). Zur Eröffnungsveranstaltung am vergangenen Wochenende erschien Hassani in einem weißen Tüllkleid mit Schleppe, das an ein Hochzeitskleid erinnerte. „Als ich sechs war, trug ich als Prinzessin an Halloween ein Kleid aus Klopapier. Heute trage ich auf dem orangefarbenen Teppich der Eurovision das Outfit meiner Träume. Diese Erfahrung ist ein dicker, fetter Traum, der wahr wird“, twittert er.

Homophobe Drohungen

Hassani wuchs im Großraum Paris auf, wo er sich schon von klein auf von anderen Jungen unterschied. Als er sieben war, schenkte seine Mutter ihm einen Friseurbesuch samt Glätten des lockigen Haares. „Das war der schönste Tag meines Lebens“, sagte er der Zeitung „Journal du Dimanche“. Mit 15 sang Hassani beim Talentwettbewerb „The Voice Kids“, und zwar „Rise like a Phoenix“, das Lied des österreichischen Travestiestars Conchita Wurst.

Tom Neuwirth, alias Conchita Wurst, der mit dem Song 2014 den Eurovision Song Contest gewann, ist auch Hassanis Vorbild. Ähnlich wie Neuwirth wurde der junge Franzose mit marokkanischen Wurzeln wegen seiner Homosexualität offen angefeindet. Nachdem er mit seinem Song „Roi“ den französischen Vorentscheid für den ESC gewonnen hatte, erhielt er massiv schwulenfeindliche Drohungen.

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Vereine gegen Homophobie zählten fünf bis zehn Anfeindungen pro Minute. Auf seinem YouTube-Kanal, auf dem er fast eine Million Fans hat, sprach Hassani offen über die Angriffe, in denen ihm mit dem Tod gedroht wird. „Die Leute werfen mir ganz einfach vor zu existieren und sagen, ich sei eine Plage für die Menschheit“, sagte das Teenie-Idol mit der runden Nickelbrille im November in einem Video-Clip.

Aber Hassani zieht mit seiner lockeren Art auch die Sympathie des Publikums auf sich: Die französische Vorentscheidung für den ESC gewann er im Januar dank der Stimmen der Zuschauer, nachdem die Jury ihn nur auf Platz fünf gesetzt hatte.

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Mut zum Anderssein

Mit viel Humor erzählt der Sänger auf YouTube Episoden aus seinem Leben, die er immer mit einem gesungenen „Bonjour Paris“ beginnt. Sorgfältig geschminkt mit gezupften Augenbrauen und Perücke präsentiert er sich seinen Zuschauern und berichtet zum Beispiel, wie er in der neunten Klasse ein katholisches Internat verlassen musste, weil seine Homosexualität ans Licht kam. Seine Mutter Amina, bei der er lebt, reagierte darauf gelassen und ist heute nicht nur seine „beste Freundin“, sondern auch seine Managerin.

Die Kindheit des perfekt englischsprachigen Sängers, dessen Vater in Singapur lebt, verlief nach strengen Regeln. „Am Sonntagmorgen um zehn war ein Diktat angesagt.“ Danach schloss sich der Teenager meist in seinem Zimmer ein, um Musik zu hören – Michael Jackson und Lady Gaga.

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Ende April brachte Hassani sein erstes Album „Mankind“ heraus, in dem viel von Toleranz die Rede ist. Auch „Roi“, mit dem der Sänger heute in Tel Aviv gewinnen will, ist eine Hymne an die Toleranz. „Ich breche die Verhaltensmuster, das stört sehr. Aber am Ende kannst du mich doch nicht ändern, also lass mich davonfliegen“, singt er auf Englisch und Französisch. Die Botschaft könnte Frankreich womöglich den ESC-Sieg einbringen – den ersten seit mehr als 40 Jahren.




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