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35 Jahre „Vëlosheemrees“
Panorama 7 3 Min. 02.07.2021
Sportliche Herausforderung

35 Jahre „Vëlosheemrees“

Seit 35 Jahren machen Studierende sich mit dem Rad auf den Weg von Karlsruhe nach Luxemburg.
Sportliche Herausforderung

35 Jahre „Vëlosheemrees“

Seit 35 Jahren machen Studierende sich mit dem Rad auf den Weg von Karlsruhe nach Luxemburg.
Foto: AELK
Panorama 7 3 Min. 02.07.2021
Sportliche Herausforderung

35 Jahre „Vëlosheemrees“

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Seit 35 Jahren machen sich Luxemburger Studierende mit dem Fahrrad von Karlsruhe aus auf den Weg in die Heimat.

230 Kilometer in rund 12 Stunden. Was nach einer sehr langsamen Autofahrt klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als sportliche Herausforderung. Denn die Strecke von Karlsruhe nach Luxemburg wird nicht etwa mit dem Auto oder dem Zug, sondern mit dem Fahrrad zurückgelegt. 

Seit mittlerweile 35 Jahren stellen sich Luxemburger Studierende, die ihr Studium in Karlsruhe absolvieren, dieser Herausforderung. „Angefangen hat alles mit ein paar Fahrradverrückten, die sich spontan auf den Weg gemacht haben“, erklärt Eric Melkert (24), Präsident der „Amicale des étudiants luxembourgeois à Karlsruhe“ (AELK), die die Vëlosheemrees organisiert. Mittlerweile sei es einfach eine schöne Tradition geworden. „Deshalb machen wir es immer noch jedes Jahr – und natürlich aus sportlichem Ehrgeiz und dem Willen, etwas Gutes zu tun“, so Eric Melkert weiter. 

Denn seit 2004 sammeln die Fahrer mit ihrer Tour jeweils Spenden für einen karitativen Zweck. So wurde etwa bereits ein Projekt der „Guiden a Scouten“ in Afrika unterstützt, die „Aide aux enfants handicapés du Grand-Duché“, „Médecins Sans Frontières Luxembourg“ oder auch „Make a Wish Luxembourg“. 

Unterstützung für SOS-Kinderdorf 

Für dieses Jahr haben sich die Verantwortlichen das SOS Kinderdorf in Mersch ausgesucht. „Wir nehmen jedes Jahr einen anderen Verein. Uns hat ihr Projekt gefallen, denn sie unterstützen benachteiligte Kinder. Sie versuchen ihnen zu helfen, damit sie Zugang zu Bildung, Weiterbildung und medizinischer Versorgung haben – alles, was man für eine gesunde Entwicklung braucht. Da hatten wir das Gefühl, das ist sinnvoll, da tun wir etwas Gutes“, so der AELK-Präsident. 

Dafür haben sich die jungen Leute am Freitag bereits um fünf Uhr morgens in Karlsruhe aufs Rad geschwungen. Die Tour führt in fünf Etappen über die rheinland-pfälzischen Orte Rumbach und Hornbach ins Saarland nach Saarbrücken und Rehlingen und dann über Remich nach Luxemburg-Stadt, wo die Gruppe – wenn alles gut geht – um 17 Uhr ankommen will. Daneben schließen sich zwei Studierende an, die von Aachen aus nach Luxemburg aufbrechen wollen, um das Projekt zu unterstützen. Jedes Jahr gebe es außerdem zwei bis drei ehemalige Vereinsmitglieder, welche von Luxemburg aus nach Saarbrücken fahren, um sich der Gruppe dort nach der Mittagspause anzuschließen. 

Begleitet werden die AELK-Fahrer von vier weiteren Personen, die mit Fahrzeugen dabei sind und sich unter anderem um die Verpflegung kümmern. Und sollten bei einem der Mitfahrenden doch mal die Kräfte schwinden, ist es natürlich auch möglich, eine Pause einzulegen und ein Stück des Weges mit dem Auto zu fahren.


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Ohnehin realisiert man eine solche Strecke nicht von heute auf morgen – bereits vor drei Monaten haben die Studierenden mit dem Training begonnen, wie Eric Melkert erzählt. „Wir sind nachmittags 60 bis 70 Kilometer gefahren, zwei- bis dreimal pro Woche.“ Im vergangenen Jahr, als die Tour coronabedingt ausfallen musste, haben die Verantwortlichen sich ein leicht verändertes Konzept überlegt, das sie auch in diesem Jahr nutzen wollen. Denn obwohl sie selbst „nur“ einen Tag lang unterwegs sind, ist die Aktion der Vëlosheemrees auf drei Tage ausgelegt, vom 2. bis zum 4. Juli. 

Es habe immer viele Interessierte gegeben, die gerne mitgemacht hätten – entweder aber nicht das passende Fahrrad oder zu wenig Zeit für die Vorbereitung hatten. „Sie können uns jetzt virtuell unterstützen und an einem der Tage individuell eine Strecke fahren. So können möglichst viele Leute mitmachen“, so der AELK-Präsident.

Gutes Rad und starker Wille 

Um für die gute Sache zu spenden, gibt es dabei verschiedene Möglichkeiten. Natürlich kann jeder, der möchte, eine beliebige Summe geben. Es besteht aber auch die Option einer festen oder einer flexiblen „Patenschaft“: Dabei wird ein Fahrer entweder mit einem fixen Betrag unterstützt – oder er erhält von seinem Paten oder seiner Patin einen bestimmten Betrag pro gefahrene zehn Kilometer. Eric Melkert selbst ist in diesem Jahr zum fünften Mal dabei. „Ich fand einfach, dass es ein cooles Projekt ist. Ich war vorher schon sportlich aktiv, aber es hat mich gereizt, mal was größeres zu machen – das spornt an.“ 

Zur Teilnahme braucht man – neben einem guten Fahrrad – vor allem eines: einen starken Willen. Um die Moral schon zu Beginn der Reise zu stärken – und natürlich letzte Vorbereitungen zu treffen – haben sich die Teilnehmenden bereits um vier Uhr am Freitagmorgen zum Spaghetti-Essen getroffen. Mit dieser Vorbereitung und einem bisschen Glück, was das Wetter betrifft, kann also fast nichts mehr schiefgehen. 

Informationen zum Projekt gibt es hier

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