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Spitzenforschung in Luxemburg : Biomarker anstelle von Biopsien
Die Luxemburger Biobank wird zunehmend als forschungsunterstützende Infrastruktur in Europa wahrgenommen.

Spitzenforschung in Luxemburg : Biomarker anstelle von Biopsien

Foto: Laura Previdente
Die Luxemburger Biobank wird zunehmend als forschungsunterstützende Infrastruktur in Europa wahrgenommen.
Panorama 3 Min. 29.04.2015

Spitzenforschung in Luxemburg : Biomarker anstelle von Biopsien

Innerhalb von fünf Jahren hat sich die „Integrated Biobank of Luxembourg“ einen guten Ruf aufbauen können. Jüngster Erfolg ist die Teilnahme an einem Krebsforschungsprojekt, in dem führende europäische Institutionen mitarbeiten.

VON CHRISTOPHE LANGENBRINK

Als vor fünf Jahren die „Integrated Biobank of Luxembourg“ (IBBL) offiziell ihre Arbeit aufnahm, war vielen nicht klar, was das Großherzogtum mit solch einer Forschungseinrichtung anstellen will. Fünf Jahre später hat sich die IBBL innerhalb kürzester Zeit einen guten Ruf aufbauen können. Jüngster Erfolg, der vergangene Woche bekannt gegeben wurde, ist die Teilnahme an einem renommierten Krebsforschungsprojekt, in dem führende, europäische Forschungseinrichtungen mitarbeiten.

Das Forschungsvorhaben ergänze sehr gut die Schwerpunkte, die das IBBL abdeckt, erklärt Catherine Larue, Direktorin der Luxemburger Einrichtung. In der Tat soll nämlich die IBBL sogenannte Biomarker erstellen, die Tumorzellen aufspüren. Anders als bisher sollen in Zukunft blutbasierte Marker die konventionellen Methoden der Krebserkennung ersetzen.

Ein chirurgischer Eingriff, der Proben von betroffenem Gewebe entnimmt, könnte in Zukunft der Vergangenheit angehören. Denn anhand dieser blutbasierten Biomarker könnten zirkulierende Tumorzellen, frei zirkulierende Tumor-DNA und microRNAs im Blut nachgewiesen werden. Dies würde eine erhebliche Erleichterung für jeden Patienten bedeuten. Denn anstelle eines aufwendigen chirurgischen Eingriffs könnte ein Tropfen Blut ausreichen, um bestimmte Krebsarten im Körper nachzuweisen.

Die Nutzung dieser Marker aus dem Blut könnte ein wertvolles zusätzliches Mittel für die moderne Krebstherapie darstellen. In Fällen, in denen Tumorbiopsien nicht möglich sind, könnten Biomarker eine enge Überwachung von Krankheitsmarkern ermöglichen. Somit wäre wiederum die Wirksamkeit der Behandlung kontrolliert, und die Wahl der Behandlungsmöglichkeiten könnte verbessert werden.

Zwei Krebsarten im Mittelpunkt

Im Fall des IBBL-Forschungsbereichs geht es vor allem darum, zwei Krebsarten ausfindig zu machen. „Lungen- und Brustkrebs möchten wir in Zukunft im Blut nachweisen“, so die Hoffnung der französischen Direktorin: „Es sind auch diese Krebsarten, von denen wir die meisten Gewebeproben haben.“ Gerade hier wünscht sich die Direktorin eine stärkere Professionalisierung bei der systematischen Gewebeentnahme, wobei Krankenhäuser, LNS und IBBL noch näher zusammenrücken. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass dieses Vorhaben den Bereich der personalisierten Medizin in Luxemburg stärken wird.“ Denn aufgrund ihrer Sachkenntnis wurde die luxemburgische Biobank für ein neues europäisches Konsortium zur Validierung blutbasierter Biomarker für Krebs zurückbehalten.

Das Projekt, für das sich die IBBL ein Jahr vorbereitet hat, ist eine öffentlich-private Partnerschaft. Es wird durch die „Innovative Medicines Initative“ (IMI), die in einer Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und der europäischen Pharmaindustrie besteht, finanziert. Die IBBL ist somit Teil einer Gruppe von 33 Partnern aus anerkannten, akademischen und klinischen Forschungseinrichtungen, kleinen bis mittleren Unternehmen (KMU).

Das europäische Forschungskonsortium trägt den Namen „Cancer-ID“. Das Ziel der Partner ist es, diese blutbasierten Biomarker für die klinische Anwendung zu validieren und Standardprotokolle für sie auszuarbeiten. Somit wäre auch das IBBL an der Standardisierung beteiligt. Die Beiträge von derzeit 8,2 Millionen Euro von den Industriepartnern werden durch Mittel aus dem „IMI Joint Undertaking“ ergänzt, was ein Gesamtbudget von 14,5 Millionen Euro ausmacht.

Neue Qualitätsstufe erreichen

„Teil eines wichtigen europäischen Konsortiums zu sein, ist großartig für die IBBL und für Luxemburg. Es wirft vor allem mehr Licht auf unseren Forschungssektor und die personalisierte Medizin. Die IBBL wird zunehmend als eine erstklassige forschungsunterstützende Infrastruktur in Europa anerkannt, und dieses Konsortium zeigt deutlich, dass wir mit den Großen mithalten können“, erklärt Catherine Larue.

Nächstes Ziel sei es, 2015 die ISO-Zertifizierung 17025 zu erreichen. Somit würde die IBBL eine neue Qualitätsstufe erklimmen, die bisher nur wenige andere Biobanken erreicht haben, so abschließend die Direktorin.

Info: www.cancer-id.eu