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Privates Raumflugzeug abgestürzt
Panorama 1 4 Min. 31.10.2014 Aus unserem online-Archiv
„SpaceShip Two“

Privates Raumflugzeug abgestürzt

Panorama 1 4 Min. 31.10.2014 Aus unserem online-Archiv
„SpaceShip Two“

Privates Raumflugzeug abgestürzt

Das private Raumschiff "SpaceShip Two" ist abgestürzt. Ist der Traum vom Weltraumtourismus damit ausgeträumt? Ein Luxemburger gehört zu den Anwärtern auf einen Flug mit dem Orbiter.

(dpa) - Es ist die Verheißung der Zukunft: Touristen steigen in ein Raumflugzeug und heben ab ins Weltall. Einmal erleben, was fast nur den Astronauten vorbehalten ist: In der Schwerelosigkeit schweben, den ungetrübten Blick auf die Sterne genießen. Es ist der Traum vieler Menschen. Es dürfte vorerst ein Traum bleiben.

Der Absturz des „SpaceShipTwo“ in der kalifornischen Mojave-Wüste am vergangenen Freitag ist eine Katastrophe für den Weltraumtourismus, den manche als eine Milliardenindustrie der Zukunft ansehen. Der extrovertierte britische Milliardär Richard Branson wollte seine Raumkapsel mit Raketenantrieb eigentlich nächstes Frühjahr mit Passagieren ins All schicken. Es sollte der Beginn einer neuen Ära der Menschheit sein.

Die amerikanischen Fernsehsender haben das Thema breit aufgegriffen.
Die amerikanischen Fernsehsender haben das Thema breit aufgegriffen.
AFP

Seit Jahren fachte er die Aufbruchstimmung in der Branche an. Sein Unternehmen Virgin Galactic verkaufte nach eigenen Angaben bereits fleißig Tickets. Trotz einer Gebühr von 250.000 Dollar (200.000 Euro) sollen sich mindestens 700 Neugierige einen Platz an Bord gesichert haben, darunter viel Prominenz aus der Film- und Geschäftswelt. Sie alle lockte die Aussicht, einmal die in 100 Kilometern Höhe liegende Weltraumgrenze überwinden zu können.

Luxemburger als möglicher Kunde

Der 54 Jahre alte Immobilienunternehmer Jean Ries wollte mit dem SpaceShipTwo in den Weltraum starten – als Weltraumtourist. Er ist aktiver Pilot, Fallschirmspringer und hat zwei Bücher über seine Passion geschrieben. Dies alleine reicht dem Abenteurer nicht. Er wollte als erster Luxemburger in den Weltraum.

Jean Ries gehört zu den Anwärtern auf einen Flug mit dem SpaceShip Two.
Jean Ries gehört zu den Anwärtern auf einen Flug mit dem SpaceShip Two.
Charles Caratini

Ries gehört zu den 70 Kandidaten, die für das Weltraumtourismus-Projekt des Virgin-Gründers, des britischen Milliardärs Sir Richard Branson, ausgesucht wurden. 50 000 Kandidaten aus aller Welt hatten sich für den Ausflug in die galaktischen Weiten beworben. 

Er hat alle Tests im National Aerospace Training Center in Philadelphia bestanden. „Ich würde am liebsten morgen fliegen. Für einen Flieger wie mich ist ein Flug ins All das Ultimative", sagte der Mann 2011 in einem Interview. Ob er jetzt auch noch so begeistert ist, muss sich zeigen.

Im US-Staat New Mexiko bauten Branson und seine Geschäftspartner für 29 Millionen Dollar den Weltraumbahnhof Spaceport America mit einer drei Kilometer langen Piste. Bei einer Eröffnungsfeier 2010 bezeichnete der Milliardär den Bau als „das neue Zuhause des Weltraumflugs“. Sein Enthusiasmus riss viele mit.

Sir Richard Branson wollte mit seinem Plan hoch hinaus.
Sir Richard Branson wollte mit seinem Plan hoch hinaus.
AFP

Doch über die Jahre wuchsen auch die Zweifel. Das Projekt erlebte eine Verzögerung nach der anderen. Nicht nur Raumfahrt-Fans, sondern auch Branson wurden immer ungeduldiger. „Ich würde bitter enttäuscht sein, wenn ich nicht vor dem Ende dieses Jahres im Weltall bin“, sagte er vor zwei Monaten in einem Interview. „Wir machen noch drei weitere Raketentests und dann sollte es losgehen.“

Nun zerschellte „SpaceShipTwo“ bei einem dieser Tests. Es war der erste mit einer Raketenzündung seit Januar. In der langen Pause sollen der Motor und die Treibstoffmischung verändert worden sein. Das Trägerflugzeug „WhiteKnightTwo“ brachte die Kapsel in die Höhe und entließ sie zum Freiflug. Doch die Raketenzündung ging schief, die Kapsel fiel auf die Erde wie ein Stein. Ein Pilot starb, der andere konnte sich mit dem Fallschirm retten.

Hüllenteile liegen überall verstreut.
Hüllenteile liegen überall verstreut.
REUTERS

Natürlich kommen nun Fragen auf, ob die Unternehmer hinter der Idee zu sehr aufs Tempo gedrückt haben. Ob die Tests ausreichend gewesen sind. Ob das Leben der Testpiloten überhastet aufs Spiel gesetzt wurde. Über die Ursache machten die Verantwortlichen zunächst keine klaren Angaben. Branson selbst kündigte an, sofort zu seinem Team in Kalifornien zu fliegen. Er wird viel Erklärungsarbeit leisten müssen.

Mehr Tests notwendig

„Wir haben schon immer gewusst, dass der Weg ins All extrem schwierig ist - und dass jedes neue Transportsystem in seinen Anfängen mit schlechten Tagen zu kämpfen hatte“, teilte Branson im Internet mit. In der Tat musste die bemannte Raumfahrt mehrfach Rückschläge einstecken, bevor historische Ziele wie der erste Flug ins All oder die Mondlandung erreicht wurden. Dass selbst Routiniers heute noch Rückschläge einstecken müssen, zeigte die Explosion des unbemannten US-Raumtransporters „Cygnus“ in Virginia vor wenigen Tagen.

Der Moment der Explosion
Der Moment der Explosion
REUTERS

Doch Branson, der das goldene Zeitalter des Weltraumtourismus mit seinem dauerhaften Optimismus anscheinend so schnell wie möglich herbeizaubern wollte, ist vielleicht über das Ziel hinausgeschossen. Es sei unverantwortlich gewesen, schon für das kommende Jahr mit Passagierflügen ins All zu rechnen, sagt der Astrophysiker Jonathan McDowell. Bevor Touristen ins All geschossen werden können, seien noch mehr Testflüge notwendig. Für Weltraum-Enthusiasten ist dieser Crash ein herber Rückschlag. „Es wird eine lange Zeit vergehen, bevor wir sehen, wie sie Passagiere fliegen lassen“, sagt McDowell.

Sehen Sie hier Bilder vom Flug des Orbiters.

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