Wählen Sie Ihre Nachrichten​

So idyllisch präsentierte die Nato Luxemburg
Panorama 5 1 2 Min. 27.06.2019

So idyllisch präsentierte die Nato Luxemburg

Joseph Bech beim Zeitung lesen.

So idyllisch präsentierte die Nato Luxemburg

Joseph Bech beim Zeitung lesen.
Screenshot: https://www.youtube.com/watch?v=fHdEmnxYlLU
Panorama 5 1 2 Min. 27.06.2019

So idyllisch präsentierte die Nato Luxemburg

Michel THIEL
Michel THIEL
Ein fast in Vergessenheit geratener alter Werbefilm des Nordatlantikpakts aus dem Jahr 1954 ist nun wieder im Netz verfügbar und sorgt beim Betrachten für das ein oder andere Schmunzeln.

Staatsminister Joseph Bech verlässt am frühen Morgen sein Haus, während im Hintergrund das Glockenspiel der Kathedrale Notre Dame zu hören ist, als der amerikanische Erzähler aus dem Off ansetzt: "Ein Morgen in Luxemburg Stadt. Die landesübliche Gewohnheit, zu Fuß zur Arbeit zu gehen, pflegt hier der Premierminister ebenso wie die ganz normalen Bürger". Gleichzeitig sieht man in einer offensichtlich gestellten Einstellung am Rand des Petruss-Tals, wie Landesvater Bech artig den Hut lüftet und einem Passanten die Hand reicht.

So beginnt der Nato-Propagandafilm "Introducing Luxemburg", der lange Zeit in Vergessenheit geraten war und jetzt auf dem Youtube-Kanal "Nato History" wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Der Film gehört zu einer Serie von Dokumentarfilmen, die die Nato zwischen 1954 und 1956 produzieren ließ, um den Bürgern der damals 15 Mitgliedsstaaten des Verteidigungsbündnisses Land und Kultur der anderen Partner näherzubringen.

Im multikulturellen Land des Elblings und Stahls

Das Skript zeichnet ein wohlwollendes, ja geradezu naives Bild vom "Ländchen", dem der Zweite Weltkrieg mit der verheerenden Ardennenoffensive noch all zu gut in Erinnerung war. Staatsmännisch blättert Joseph Bech nach der Ankunft in seinem Büro im "Luxemburger Wort", während der Erzähler die für Ausländer wohl komplex anmutende Sprachensituation im Land erklärt. Ein Schnitt zum Zeitungskiosk soll beweisen: in Luxemburg wird tatsächlich mehrsprachig gelesen.

Doch auch wenn die Darstellung des Landes oft übertrieben idyllisch oder beschönigend wirkt, sprechen die sehenswerten historischen Bilder für sich: Bauern mit Arbeitspferden auf dem Feld, Arbeiter bei der Weinlese ("das Land des Elblings"), Luxemburgs Burgen und Wälder und natürlich die Stahlwerke und Erzminen im Minette zeigen eindrucksvoll ein Luxemburg der 1950er Jahre, das längst in Vergessenheit geraten ist.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Dass das ganz etwas künstlich und beschönigend wirkt, liegt in der Natur der Sache: Auftraggeber der Dokus, die in Wochenschauen und im frühen Rundfunkprogramm gezeigt wurden, war die US-Regierung. Finanziert wurde das ganze über den Marshallplan, der dabei half, Europa nach dem Krieg aufzubauen - mit dem Hintergedanken, die in der Vergangenheit oft zerstrittenen europäischen Nationen zusammenzuschweißen und im Kampf gegen die rote Bedrohung aus dem Osten auf eine Linie zu bringen.

All dies wird erst am Ende des Films deutlich, als Angehörige der jungen luxemburgischen Nachkriegsarmee beim Appell gezeigt werden, während der Sprecher kommentiert "Die früher bedeutende Militärmacht (gemeint ist wohl die Festung Luxemburg) ist auch heute wieder bereit, ihren Beitrag zur Sicherung des Friedens in der Welt zu leisten".


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die einzige Frau bei der Landung
Martha Gellhorn, eine der ersten Kriegsreporterinnen der USA, ist die einzige Frau, die bei der Landung der Alliierten in der Normandie mit an Land geht.
(Original Caption) 7/28/45: Author Ernest Hemingway.
D-Day: Die Kriegslist der Alliierten
Die "Operation Fortitude" der Alliierten im Zweiten Weltkrieg war das größte Täuschungsmanöver der Militärgeschichte. Wie die britisch-amerikanische Gespensterarmee die Nazis überrumpelte.
(Original Caption) A handful of British tommies on maneuvers at Salisbury Plain nonchalantly hoist an enormous tank on their shoulders and move it to another part of the "battleground." A Herculean feat? Well, not exactly: The tank is only inflated rubber, one of the several dummy weapons skillfully deployed to baffle the enemy. Some 12,000 men and 4,000 vehicles (real ones) of Britain's territorial army, roughly equivalent to the United States' National Guard, took part in the fall maneuvers.
Grand-Duc Jean und die Irish Guards
Im Leben des jungen Prinzen waren die Kriegsjahre eine besondere Etappe, sie haben das Leben des späteren Großherzogs bis zu dessen Tod geprägt.
Café du Commerce: In Rosport endet eine Ära
Als das Café du Commerce im Januar schloss, ging den Einwohnern von Rosport die letzte Dorfwirtschaft verloren. 150 Jahre lang war die Wirtschaft ein Treffpunkt für Anwohner und Touristen. Geführt wurde das Haus als Hotel und später als Gaststätte von Generationen der Familie Lukas-Blasius.
Gastwirt Hennes Blasius 1918 mit einem topmodernen Fahrrad. Rechts, gegenüber dem Hotel, ist seine Brennerei zu sehen.