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Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 9: Inklusion aller Schüler im Fokus
Die Doktorarbeit von Krischler ist in das Forschungsprojekt INCLUS (Inclusive education: The effect of teacher characteristics and school support on inclusive practice) eingebettet, das durch den Fonds National de la Recherche (FNR) gefördert wird.

Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 9: Inklusion aller Schüler im Fokus

Foto: Michel Brumat
Die Doktorarbeit von Krischler ist in das Forschungsprojekt INCLUS (Inclusive education: The effect of teacher characteristics and school support on inclusive practice) eingebettet, das durch den Fonds National de la Recherche (FNR) gefördert wird.
Panorama 3 Min. 17.03.2016

Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 9: Inklusion aller Schüler im Fokus

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Mireille Krischler erforscht den Zusammenhang zwischen dem kulturellen Hintergrund von Schülern und der Einschätzung der Lehrkräfte bezüglich des Förderbedarfes der Schüler.

Von Barbara Fischer-Fürwentsches

Das schulische Umfeld in Luxemburg ist ein Spiegelbild unserer multikulturellen und multiethnischen Gesellschaft. Nirgendwo in Europa sind mit Blick auf die Mehrsprachigkeit des Landes und die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der Schüler die Anforderungen an das Lehrpersonal so hoch wie hier. Die Betreuung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf stellt sie vor zusätzliche Herausforderungen. Neben der fachlichen, pädagogischen und praktischen Ausbildung stehen weitere Kompetenzfelder im Fokus der Forscher an der Universität Luxemburg.

Mireille Krischler kennt als gebürtige Luxemburgerin das hiesige Schulsystem aus eigener Erfahrung. An der Fakultät für Sprachwissenschaften und Literatur, Geisteswissenschaften, Kunst und Erziehungswissenschaften der Universität Luxemburg erforscht sie am Institute of Teacher Professionalization and Psychology of Education im Rahmen ihrer Doktorarbeit den Zusammenhang zwischen dem ethnischen oder kulturellen Hintergrund von Schülern und der Einschätzung der Lehrkräfte bezüglich des Förderbedarfes der Schüler. Den Weg in die Psychologie hat die junge Doktorandin über einen Nebenjob während des Studiums gefunden: „Ich habe studienbegleitend in einer Maison Relais gearbeitet und dort einige Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und die damit verbundenen Herausforderungen für Kinder, Eltern und Lehrer kennengelernt. Das hat mich motiviert, nach meinem Bachelor der Sozial- und Erziehungswissenschaften einen Master in Psychologie zu absolvieren“, erläutert Krischler, selbst zweifache Mutter.

Unterstützung für Lehrer

2011 hat Luxemburg die UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung ratifiziert und somit zugesagt, sich für die Inklusion von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Regelschule einzusetzen. „Wir versuchen mit unserer Forschung die dafür erforderlichen Kompetenzen des Lehrpersonals zu definieren und zu fördern sowie in Erfahrung zu bringen, welche Unterstützung sie sich wünschen, beispielsweise Weiterbildungen oder zusätzliche Expertise von speziell ausgebildeten Fachkräften.“ Die Doktorarbeit von Krischler ist in das Forschungsprojekt INCLUS (Inclusive education: The effect of teacher characteristics and school support on inclusive practice) eingebettet, das durch den Fonds National de la Recherche (FNR) gefördert wird. „Wir sind natürlich stark auf die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und Lehramtsstudierenden angewiesen, die immer freiwillig und anonym ist“, so Krischler. Ziel der Forschung ist es herauszufinden, welche Faktoren die Identifikation von sonderpädagogischem Förderbedarf und die damit assozierten Bildungswege beeinflussen.

Das Spannungsfeld zwischen einer dreisprachigen Grundschule und heterogen und mehrsprachig aufwachsenden Kindern kann dazu führen, dass Lehrkräfte unterschiedliche Erwartungen an Kinder mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen haben. In Luxemburg sind Schüler mit Migrationshintergrund und aus sozial benachteiligten Familien in der „Education differenciée“ überrepräsentiert, was auf eine Berücksichtigung dieser Faktoren durch die Lehrkräfte bei der Identifikation von besonderem Förderbedarf hindeutet. „Viele dieser Prozesse laufen implizit ab, haben aber einen erheblichen Einfluss auf die schulische Laufbahn eines Kindes“, erläutert Krischler. „Wir versuchen, diese Prozesse zu erkennen und die Lehrer über die langfristigen Auswirkungen aufzuklären.“

Vor diesem Hintergrund organisiert die Universität auch Fortbildungen für Lehrer am Institut de Formation et l‘Éducation Nationale (IFEN) in Walferdingen. Neben theoretischen Erläuterungen zu der Frage, wie sich Einstellungen bilden, wie sie verändert werden können und welche Konsequenzen sie für die Schüler haben, steht auch die Begleitung der Lehrkräfte im schulischen Alltag auf dem Programm. „Unser Ziel ist es, durch unsere Forschung die sogenannten Soft skills der Lehrkräfte für mehr Kompetenz und Sicherheit zu erhöhen, was ihnen zu mehr Zufriedenheit im Beruf verhelfen soll,“ so Krischler. Genau das ist es auch, was sie an ihrem Alltag als Forscherin fasziniert: „Forschung bedeutet neues Wissen. Ich lerne jeden Tag dazu – und kann dieses Wissen direkt an die Praxis in Luxemburg weitergeben.“

Ein Beitrag der Universität Luxemburg


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