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Sie forschen an der Universität Luxemburg - Teil 8: Software, die mitdenkt
Radu State schätzt die praxisorientierte Forschung, die er an der Universität Luxemburg in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus der Industrie durchführen kann.

Sie forschen an der Universität Luxemburg - Teil 8: Software, die mitdenkt

Foto: Barbara Fischer-Fürwentsches
Radu State schätzt die praxisorientierte Forschung, die er an der Universität Luxemburg in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus der Industrie durchführen kann.
Panorama 3 Min. 03.03.2016

Sie forschen an der Universität Luxemburg - Teil 8: Software, die mitdenkt

Der IT-Wissenschaftler Radu State entwickelt an der Uni Luxemburg intelligente Software. Für den Job gab er eine sichere Beamtenstelle in Frankreich auf. Doch bei der Forschung soll es für den Familienvater nicht bleiben.

von Barbara Fischer-Fürwentsches

Wesentlich an dieser Forschung beteiligt ist Radu State, Senior Forscher am SnT. Der gebürtige Rumäne hat nach dem Studium der Mathematik und Informatik einen zweiten Master in Science of Engineering an der John Hopkins Universität in Baltimore absolviert, bevor er an der Universität in Nancy promovierte und sich dort weiter der Forschung und Lehre verschrieb. Als verbeamteter Forscher am INRIA Nancy mit einer festen Professur hätte er sich eigentlich zurücklehnen können. Wäre da 2012 nicht die Universität Luxemburg gewesen.

Attraktiver Praxisbezug

Eine unbefristete Stelle als Research Scientist ohne feste Karriereperspektive und ein Umzug mit der Familie – das alles einzutauschen gegen eine Beamtenstelle – eine mutige Entscheidung. „Ich habe zunächst ein Sabbatical von drei Jahren beantragt, da ich anfangs hier nur einen befristeten Vertrag hatte“, erläutert State. „Als ich dann in Nancy gekündigt habe, wusste niemand, wie das geht. Ich war einer von den ganz seltenen Beamten, der diesen Status aufgegeben hat.“

Pro Universität Luxemburg sprechen für State insbesondere die Rahmenbedingungen der Forschung: die Herausforderung, an konkreten Problemen und Themenstellungen der Industrie zu arbeiten, die Nähe zu den Partnern in der Industrie und die gesicherte Finanzierung der Forschungsprojekte. „Wir bekommen seitens unserer Partner in der Industrie ein konzeptionelles Problem vorgestellt und suchen dann wissenschaftlich relevante Lösungen“, so State.

Die Liste der Beispiele ist lang: Mit dem Partner Ola-Mobile Luxembourg werden Applikationen für das Internet entwickelt, die in Echtzeit, d. h. in weniger als 100 Millisekunden entscheiden, ob bei einem Nutzer Werbung geschaltet wird oder nicht („Mobile Advertising“).

Kooperation mit der Industrie

Gemeinsam mit Telindus wird im Bereich der Netzwerksicherheit geforscht. „Die Unternehmen bekommen durch unsere Forschung Kompetenzen, die sie sonst nicht hätten, und wir Forscher haben die Chance, nicht an abstrakten Themen, sondern sehr praxis- und lösungsorientiert zu forschen. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten,“ freut sich State.

Zusätzlich bekommt die lokale Wirtschaft kompetente und sehr qualifizierte Arbeitskräfte: Fast alle Postdocs und promovierte Doktoranden werden von den Industriepartnern abgeworben. „Sie verdienen in der Industrie sehr gut und bekommen unbefristete Arbeitsverträge. Für uns ist von daher eine enge akademische Vernetzung mit anderen Unis sehr wichtig, nicht nur mit Blick auf die Forschung, sondern auch mit Blick auf die Suche guter Absolventen für die Forschung.“

Die Entscheidung für Luxemburg hat State nicht bereut. Seine Kinder wachsen in einem internationalen Umfeld auf, das in dieser Form in Europa einmalig ist, und die Arbeit bietet tagtäglich neue Herausforderungen. „Die technischen Herausforderungen, denen ich mich täglich stellen muss, machen einfach Spaß,“ so State. Hinzu kommen flache Hierarchien, schnelle Entscheidungen und die Nähe zu den politischen Akteuren. „Bei Bedarf reden wir gemeinsam mit unseren Industriepartnern direkt mit den Ministerien – dass diese Türen so offen stehen, kenne ich aus keinem anderen Land.“

Hackathon Luxembourg

Neben den mit industriellen Partnern aufgesetzten konkreten Forschungsprojekten beschäftigt sich State als Leiter der SEDAN Research Group mit den Herausforderungen von ständig steigenden Datenvolumina: Das Management und die Sicherheit von Clouds stehen genauso im Fokus wie Kommunikation in Echtzeit.

Auch hier bilden die Praxisanwendung und der Bezug zu Luxemburg den Mittelpunkt: Anlässlich des internationalen Hackathons für „Open Data“ am 5. März sind alle interessierten Bürger, Schüler und Studenten eingeladen, gemeinsam am „Open Data Day Hackathon Luxembourg“ Apps und Programme zu schreiben. Ein Anwendungsbereich, für den sich beispielsweise öffentliche Verwaltungen, Schulen oder das interkommunale Syndikat SIGI interessieren. „Alle, die Daten für die breite Öffentlichkeit zur Verfügung stellen müssen, greifen auf Open Data zurück, die natürlich allen Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen“ erläutert der Wissenschaftler.

Beim „Grande Region Security and Reliability Day“ am 16. März trifft sich die Forschergemeinde der Großregion, um über Themen wie Datensicherheit und Zuverlässigkeit zu diskutieren. Trotz all der Herausforderungen als Forscher hat State noch einen Traum: die Gründung eines eigenen Start-ups. Zwei Patente hat er schon.

Ein Beitrag der Universität Luxemburg


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