Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 14 : Migration beeinflusst Wirtschaft
Die Suche nach Arbeit hat weitreichende soziale, geografische und politische Konsequenzen.

Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 14 : Migration beeinflusst Wirtschaft

Foto: Shutterstock
Die Suche nach Arbeit hat weitreichende soziale, geografische und politische Konsequenzen.
Panorama 2 Min. 10.06.2016

Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 14 : Migration beeinflusst Wirtschaft

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Joël Machado Carneiro untersucht den Einfluss der Migrationspolitik auf die weltweite Arbeitsmigration. Er will die Mechanismen und die Rolle sozialer, kultureller und psychologischer Einflüsse dieses Phänomen verstehen.

VON BARBARA FISCHER-FÜRWENTSCHES

Eine „typische“ Luxemburger Biografie prägt den jungen Forscher Joël Machado Carneiro: portugiesische Wurzeln, geboren und aufgewachsen im Großherzogtum, mehrsprachig, weltoffen und mit doppelter Staatsangehörigkeit.

„Mich hat schon in der Schule fasziniert, zu verstehen, wie unsere Gesellschaft mit ihren wirtschaftlichen Verflechtungen funktioniert“, erläutert Machado. Er absolvierte seinen Bachelor und Master in Wirtschaftswissenschaften an der Université Catholique de Louvain in Belgien. Nach dem Master kam das Angebot, als wissenschaftlicher Assistent zu arbeiten und zu promovieren.

„Ich hatte das Glück, durch meinen Doktorvater, einen international anerkannten Migrationsforscher, einen Themenbereich kennenzulernen, der von besonderer gesellschaftspolitischer Relevanz ist“, so der Forscher. Der Migrationshintergrund der eigenen Familie war eine weitere Motivation für den jungen Mann.

Seit Mitte 2015 untersucht er für zwei Jahre am „Centre for Research in Economics and Management“ (CREA) der Universität Luxemburg den Einfluss der Migrationspolitik auf die weltweite Arbeitsmigration. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem wirtschaftlichen Impakt der Migration. „Asylsuchende werden meist erst erfasst, wenn sie eine definitive Aufenthaltsgenehmigung erhalten, die ihnen eine Eingliederung in die Arbeitswelt ermöglicht“, erläutert Machado. „Besonders interessieren mich die makroökonomischen Auswirkungen, etwa auf den Arbeitsmarkt oder die gesamtwirtschaftliche Leistung.“

Joël Machado Carneiros Forschungsfeld entwickelt sich konstant.
Joël Machado Carneiros Forschungsfeld entwickelt sich konstant.
Foto: Universität Luxemburg

Für die Forscher ist vor allem wichtig, die Mechanismen zu verstehen. „Stellen Sie sich vor, es gäbe weltweit keine Migrationsbeschränkungen – wäre Afrika dann menschenleer und Europa oder vielleicht Australien überlaufen? Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Der Mensch ist nicht nur von wirtschaftlichen Kriterien gesteuert“, so Machado.

Vorurteile abbauen

Will man dauerhaft im Land der Wahl bleiben oder wieder zurück? Muss die Familie in der Heimat unterstützt werden oder steht das Einkommen voll zur Verfügung? In seinen Modellen unterstreicht Machado die Rolle sozialer, kultureller und psychologischer Einflüsse. Auch die Kosten der Migration sind volkswirtschaftlich zu betrachten. Für ihre Forschung werten die Wissenschaftler am CREA große Datenmengen aus, wie sie die Weltbank, die OECD oder Eurostat liefern.

„Leider stehen international vergleichbare und aktuelle Daten nicht immer zur Verfügung. CREA leitet deshalb derzeit ein Projekt zur Erfassung nationaler Migrationspolitiken namens IMPALA, das einen besseren Vergleich ermöglichen wird“, erklärt Machado. „Das Projekt führen wir zusammen mit Universitäten wie Harvard oder der London School of Economics durch – ein Grund, weshalb ich gerade in Luxemburg meinen Postdoc machen wollte.“

Dazu kommt neben der persönlichen Bindung ans Großherzogtum das optimale Forschungsumfeld, das ihn motiviert hat, zurück nach Luxemburg zu kommen. „Ich habe mich für ein Postdoc-Stipendium beworben und mein Projekt wird nun vom ,Fonds national de la recherche‘ (FNR) gefördert“, freut sich Machado.

Mit Blick auf die Aktualität des Themas dürfte sein Forschungsfeld in den nächsten Jahren weiter wachsen. „Das Thema Migration ist mit vielen Vorurteilen behaftet“, weiß Machado. „Wir versuchen, wissenschaftlich fundierte Fakten zu präsentieren und diese in die Öffentlichkeit zu tragen, damit Fehlinformationen sich nicht in der öffentlichen Meinung verankern.“

Ein Beitrag der Universität Luxemburg


Lesen Sie mehr zu diesem Thema