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Sie forschen an der Universität Luxemburg - Teil 11: Das All ist kein rechtsfreier Raum
Andreas Loukakis widmet sich dem komplexen Feld der Rechtsprechung im Weltraum.

Sie forschen an der Universität Luxemburg - Teil 11: Das All ist kein rechtsfreier Raum

Foto: Universität Luxemburg
Andreas Loukakis widmet sich dem komplexen Feld der Rechtsprechung im Weltraum.
Panorama 2 Min. 22.04.2016

Sie forschen an der Universität Luxemburg - Teil 11: Das All ist kein rechtsfreier Raum

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Forschungs-, Kommunikations- und Navigationssatelliten umkreisen die Erde. Doch welche Rechtsprechung gilt für den Weltraum? Andreas Loukakis ist einer der Forscher, die sich an der Fakultät für Rechts-, Wirtschafts- und Finanzwissenschaften mit dieser Frage beschäftigen.

VON BARBARA FISCHER-FÜRWENTSCHES

Forschungs-, Kommunikations- und Navigationssatelliten von Staaten und privaten Firmen umkreisen die Erde und senden ihre Signale an die Empfänger. Nach Ablauf ihrer Lebensdauer bleiben viele von ihnen als Weltraumschrott weiter im Orbit. Doch welche Rechtsprechung gilt für den Weltraum? Wer haftet für Schäden durch fehlgesteuerte Satelliten, für falsche oder verloren gegangene Signale?

Der Grieche Andreas Loukakis ist einer der Forscher, die sich an der Fakultät für Rechts-, Wirtschafts- und Finanzwissenschaften der Universität Luxemburg mit genau diesen komplizierten Fragen beschäftigen. Nach dem Abschluss seines Jurastudiums und der Zulassung als Anwalt in Griechenland hat er in Maastricht einen Master in EU- und internationalem Recht gemacht, der ihm die Türen zu einem Praktikum im EU-Parlament in Brüssel geöffnet hat.

„Mir war schnell klar, dass ich promovieren und weiter auf dem internationalen Parkett arbeiten wollte“, so Andreas Loukakis. „Das Angebot des Stiftungslehrstuhls der SES für Satelliten-, Kommunikations- und Medienrecht war mit Abstand das interessanteste Programm, das ich finden konnte.“ Auch wenn er gelegentlich das südliche Ambiente seiner Heimat vermisst, hat Loukakis den Schritt nach Luxemburg nicht bereut.

 Das Betreiben von Satelliten ist mit hohen Risiken verbunden.
Das Betreiben von Satelliten ist mit hohen Risiken verbunden.
Foto. SES/Boeing Satellite Systems

Eine Vielzahl an Regularien

Nach vier Jahren Forschung und erfolgreicher Promotion zum Thema „Haftungsaspekte im Zusammenhang mit Galileo, der EU-Initiative im Bereich globaler Navigationsdienstleistungen“ setzt er seine Forschung am Stiftungslehrstuhl als Post-doc Research Fellow fort.

Im Fokus stehen unter anderem die Haftung bei der Nutzung von satellitengestützten Dienstleistungen sowie Fragen rund um die Stellung von privaten Trägern in der Raumfahrt und rechtliche Implikationen bei neuen Aktivitäten im Weltraum: Wie kann bestehendes Recht angewandt werden? Was muss verbessert werden? Haftet der Betreiber oder der Staat im Rahmen seiner Überwachungs- und Kontrollfunktion?

Die Uni Luxemburg ist eine der wenigen Universitäten weltweit, die sich mit dieser Thematik beschäftigt. Eine Vielzahl an internationalen, regionalen und nationalen Regularien hat zu oft überlappenden rechtlichen Rahmenbedingungen geführt und die existierende Rechtsprechung ist dünn.

Rat für zukünftige Jurastudenten

Mit Blick auf das starke internationale Wachstum der satellitengestützten Kommunikation und Medien sind Rechtsklarheit und -sicherheit enorm wichtig – auch hinsichtlich der hohen Kosten derart komplizierter Rechtsfragen im Klagefall.

Über die enge Kooperation mit SES als einem der größten Satellitenbetreiber weltweit hat Luxemburg die Chance, sich zu einem europäischen Zentrum für Exzellenz und Innovation für hoch entwickelte Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) über Satellitensysteme zu entwickeln. Ein wichtiger Teil der Partnerschaft zwischen SES und der Universität Luxemburg war die Gründung des SES-Stiftungslehrstuhls im Jahr 2010. Nach fünf Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit wurde dessen Laufzeit kürzlich verlängert. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Für Andreas Loukakis und seine Kollegen ist noch für viele Jahre Forschungsarbeit gesichert, da immer neue Anwendungsgebiete der Satellitentechnologie neue Rechtsfragen aufwerfen. Exemplarisch genannt sei die satellitengestützte Kommunikation in Krisen- und Katastrophengebieten – www.emergency.lu. Die Luxemburger Regierung selbst hat zudem vor Kurzem erst angekündigt, das neue Feld des Asteroidenbergbaus erforschen zu wollen.

Eines möchte Andreas Loukakis insbesondere jungen Jurastudenten mit auf den Weg geben: „Mit einem Jurastudium kann man viel mehr machen, als nur Anwalt zu werden. In einer globalisierten Welt gibt es viele innovative Bereiche – und je internationaler die Ausrichtung des Studiums, desto besser die Perspektiven.“

Ein Beitrag der Universität Luxemburg


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