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Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 10: Die Cambridge Connection
Panorama 2 Min. 30.03.2016

Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 10: Die Cambridge Connection

Gos Micklem: "Forschen ist wie das Eintauchen in etwas Unbekanntes: ergebnisoffen und kreativ."

Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 10: Die Cambridge Connection

Gos Micklem: "Forschen ist wie das Eintauchen in etwas Unbekanntes: ergebnisoffen und kreativ."
Foto: Sciencerelations/LCSB
Panorama 2 Min. 30.03.2016

Sie forschen an der Universität Luxemburg – Teil 10: Die Cambridge Connection

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Als Direktor des „Cambridge Computational Biology Institute“ hat Gos Micklem einen ausgezeichneten Ruf als Forscher. Nun wird er ein neunmonatiges Sabbatical am „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) der Universität Luxemburg absolvieren. Was treibt ihn an?

Von Barbara Fischer-Fürwentsches

„Ich habe einen tollen Posten als Direktor in Cambridge, aber das ist nicht mein Traum“, lacht Micklem. „Zu viel Zeitaufwand für Administration, die Jagd nach Forschungsgeldern und für die Lehre. Und zu wenig Zeit für das, was mich wirklich interessiert: die Forschung.“ Im Juni 2015 kam er für einen Gastvortrag nach Luxemburg – ein Tag, der vieles verändern sollte. Ein früherer Kollege aus Cambridge, der jetzt am LCSB forscht, konnte ihn schnell überzeugen, in dem internationalen Team des LCSB mitzuarbeiten.

Die Herausforderung bestand darin, die Genehmigung der Universität Cambridge zu bekommen und kurzfristig Ersatz für seine dortige Lehrtätigkeit zu finden - ein Prozess, der normalerweise sechs Monate dauert. Doch Gos Micklem zog alle Register: „Ich habe Kollegen mobilisiert und der Dekan meines Instituts hat sich ebenfalls eingesetzt, so dass ich bereits im Oktober in Luxemburg anfangen konnte“, freut sich Micklem. „Neun Monate kein Unterricht, keine Verwaltung, keine Beschaffung von Geld. Dafür viel Zeit für meine Forschungsideen.“ Schon seit 2014 sei eine Idee zur Manipulation von DNA in seinem Kopf herumgegeistert, ohne wirklich reifen zu können, so der Brite. Dann startete das akademische Jahr und ihm wurde klar, dass er in Cambridge damit nicht weiterkommen würde. „Es ist nicht genug Zeit für die Forschung da und die vorhandenen Forschungsgelder konnten für meine neue Idee nicht verwendet werden.“

Etwas ganz Besonderes

Für Micklem ist Forschung wie das Eintauchen in etwas Unbekanntes: ergebnisoffen und kreativ – was leider im Gegensatz zur Vergabe von Forschungsgeldern steht, die nur für den genehmigten Auftrag verwendet werden dürfen. „In Luxemburg habe ich die Freiheit, zu denken und zu forschen. Die Möglichkeit, hier zu arbeiten, ist etwas ganz Besonderes und ich hoffe, dass das Ergebnis meiner Forschung hier vielleicht ein neues Start-up-Unternehmen nach sich zieht.“

Es wäre nicht das erste Mal, dass Micklem hilft, ein Start-up Unternehmen auf die Beine zu stellen. 1996 war er einer der ersten Teamleiter eines neu gegründeten Unternehmens in Cambridge, das sich in der Bioinformatik mit neuen Techniken bei der Erforschung der Mäusegenetik beschäftigte. Das erfolgreiche Start-up wurde nach wenigen Jahren von einem US-Konzern übernommen. Auch wenn er es damals noch nicht wusste, bahnte sich in dieser Zeit bereits der Kontakt zu Luxemburg an – einer seiner damaligen Partner war Rudi Balling, der heutige Direktor des LCSB.

Optimale Rahmenbedingungen

Das LCSB setzt auf Interdisziplinarität und vereint insgesamt rund 220 Biologen, Mediziner, Informatiker, Mathematiker, Physiker und Ingenieure aus 48 Ländern unter einem Dach. Diese erforschen zusammen komplexe biologische Systeme, um so die Entstehungsmechanismen neurodegenerativer Erkrankungen, insbesondere der Parkinson-Krankheit, besser zu verstehen. Aus Sicht von Micklem ist das LCSB für die Forschung optimal aufgestellt.

„Die Funding-Strategie für die Forschung in Luxemburg ist exzellent. Im Luxemburger Modell steht die Forschung im Vordergrund – und das in einem sehr internationalen Umfeld. Das ist der richtige Weg, um wissenschaftliche Netzwerke aufzubauen“. Zudem gebe es eine Balance zwischen Forschung, Lehre und administrativen Aufgaben, so der Gastforscher. „Ich bin beeindruckt, was das LCSB bisher erreicht hat und in welchem Tempo es sich einen internationalen Ruf erarbeitet hat.“

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, ganz zu bleiben, antwortet Micklem mit typisch britischem Charme: „Who knows?“ Eines ist jedoch sicher – sein Sabbatical an der Universität Luxemburg kommt der Forschung zu Gute und festigt deren Beziehung zur Universität Cambridge weiter. And who knows – maybe he stays.

Ein Beitrag der Universität Luxemburg


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