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Sie forschen an der Uni Luxemburg – Teil 15: Würmer, Wierm oder vers
Für Sara Wilmes war der Umzug nach Luxemburg eine Feuertaufe in Sachen Sprachenvielfalt.

Sie forschen an der Uni Luxemburg – Teil 15: Würmer, Wierm oder vers

(FOTO: UNIVERSITÄT LUXEMBURG / MICHEL BRUMAT)
Für Sara Wilmes war der Umzug nach Luxemburg eine Feuertaufe in Sachen Sprachenvielfalt.
Panorama 3 Min. 30.06.2016

Sie forschen an der Uni Luxemburg – Teil 15: Würmer, Wierm oder vers

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Sara Wilmes untersucht Sprache und Naturwissenschaften im Primärschulunterricht.

Von Barbara Fischer-Fürwentsches

Kinder sind von Natur aus neugierig und lassen sich schnell für naturwissenschaftliche Experimente begeistern. Umsetzen müssen sie ihr erworbenes Wissen dann aber in einer Sprache, die oft nicht ihre Muttersprache ist.

Genau hier setzt ein Forschungsprojekt des Instituts für angewandte Erziehungswissenschaften an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Luxemburg an: „Wie lassen sich wissenschaftliches Lernen und der Erwerb von Sprachkompetenz miteinander verbinden?“

Sara Wilmes, gebürtige US-Amerikanerin aus dem Staat New York, hat Erziehungswissenschaften von der Pike auf gelernt. Aufgewachsen in einer Familie von Lehrern, war ihr Weg praktisch vorgezeichnet. „Zunächst habe ich aber mit dem Studium der Biologie einen Umweg genommen und bin dann in die Forschung gegangen. Tierexperimente mit Ratten zur Erforschung der Auswirkung von degenerativen Gehirnerkrankungen auf Lernprozesse war dann aber nicht mein Ding“, berichtet sie.

Zurück an der Uni in Buffalo, machte sie ihren Master in Erziehungswissenschaften, um dann zunächst an der Uni Mathematik zu unterrichten, gefolgt von einigen Jahren in denen sie als Lehrerin für Naturwissenschaften an einem Gymnasium arbeitete. 2005 zog es sie dann an die University of California in Berkeley, um Programme für den naturwissenschaftlichen Unterricht zu entwickeln.

Aus Liebe nach Luxemburg

Dort lernte sie auch ihren Mann, einen Wissenschaftler und gebürtigen Luxemburger kennen. 2010 zog die junge Familie schließlich ins Großherzogtum. „Als Lehrerin konnte ich aufgrund der fehlenden Sprachkompetenz hier nicht arbeiten, also habe ich mich zuerst für Sprachkurse eingeschrieben. Für mich war der Umzug die Taufe im Land der Sprachen: Französisch, Luxemburgisch und Deutsch – in der Reihenfolge habe ich mich in das Abenteuer Sprachen gestürzt“, so die Forscherin.

Sehr schnell fand Sara Wilmes den Weg an die Universität Luxemburg, zunächst als externe wissenschaftliche Mitarbeiterin in Erziehungswissenschaften und dann seit 2013 als Doktorandin. „Die Uni Luxemburg war ein echter Glücksfall für mich,“ sagt sie. „Sprachen stehen in den USA nicht im Fokus, sodass ich hier meine Forschung zum naturwissenschaftlichen Unterricht um den Sprachenaspekt erweitern kann.“

Unter der Leitung von Christina Siry wurden mit Unterstützung des „Fonds National de la Recherche“ Workshops entwickelt, in denen Lehrer lernen, wie wissenschaftliche Untersuchungen im Unterricht durchgeführt und Schüler dafür begeistert werden können.

Workshops und Labor-Tagebücher

Ein einfaches Beispiel: Würmer und Schnecken – einfach nur eklig oder faszinierende Tiere? Die Lehrer lernen, wie diese wissenschaftlichen Versuche schülergerecht aufgebaut werden, wie man soziale Kompetenzen in den Gruppenarbeiten fördern kann und wie man hier Lernfortschritte beurteilen soll.

„Wir beobachten dabei natürlich besonders die Sprachensituation. Untereinander besprechen die Kinder ihre Beobachtungen vielleicht in Luxemburgisch oder in ihrer Muttersprache. In einem Labor-Tagebuch müssen sie dann die konkreten Forschungsergebnisse in der vorgegebenen Sprache festhalten“, erklärt die junge Doktorandin.

Bisher wurden drei Workshop-Runden abgehalten. Die beteiligten Lehrer haben diese in die Schulpraxis umgesetzt, sodass bereits rund 400 Primärschulkinder sich als junge Forscher mit Würmern und Schnecken beschäftigen konnten. „Das Feedback ist exzellent“, freut sich Sara Wilmes. Angeboten werden die Workshops über das „Institut de formation de l'Education nationale“.

Ein wichtiges Werkzeug der Forscher ist dabei die Autoethnografie. Darunter versteht man einen Forschungsansatz, bei dem persönliche Erfahrungen (auto) systematisch erfasst und analysiert werden, um kulturelle (ethno) Erfahrungen zu verstehen. „Daher ist es so wichtig, dass die Lehrer in den Workshops genau so wie später die Kinder an die Materie herangeführt werden“, erläutert Wilmes. „Die eigene Erfahrung fließt so direkt in die praktische Arbeit ein.“

Nützliche Eigenerfahrung

Sehr geholfen hat ihr dabei ihre eigene Ankunft in Luxemburg: Sie weiß, was es bedeutet, in einer fremden Sprache den richtigen Bus finden zu müssen, zur Post zu gehen oder das erste Mal Deutsch zu sprechen. Genauso ergeht es vielen Kindern im Unterricht.

Wie es nach Abschluss der Doktorarbeit weitergeht, weiß die junge Mutter noch nicht. Eines ist jedoch sicher: Das vielsprachige und multikulturelle schulische Umfeld bietet noch viele Arbeits- und Forschungsgebiete. Aktuell ist die Uni dank ihrer internationalen Ausrichtung, der Wachstumsperspektiven und nicht zuletzt der familienfreundlichen Einstellung für sie „the best place to be“. 

Ein Beitrag der Universität Luxemburg


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