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Sexismus bis zum Mond
Panorama 3 Min. 18.07.2019

Sexismus bis zum Mond

ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti (v. l.) – Aufnahme aus dem Jahr 2009 – zwischen den Männern
der Ausbildungsklasse.

Sexismus bis zum Mond

ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti (v. l.) – Aufnahme aus dem Jahr 2009 – zwischen den Männern der Ausbildungsklasse.
Foto: dpa
Panorama 3 Min. 18.07.2019

Sexismus bis zum Mond

Heute arbeiten nicht nur Männer im All. Auch einige Frauen waren bereits auf der ISS am Werk. Doch in Sachen Frauenquote gibt es noch Luft nach oben.

von Christina Horsten (dpa) 

Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin vor 50 Jahren den Mond betraten, waren im Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde NASA viele aufgeregte Männer zu sehen – und genau eine Frau. „Ich habe einfach Raketentreibstoff in meinen Adern“, sagt die heute 78 Jahre alte JoAnn Morgan in einem Interview dazu. Sie erinnert aber auch an den Sexismus zur Zeit der Mondlandung – sie bekam obszöne Anrufe wegen ihres Jobs. Heute arbeiten Frauen auf der Internationalen Raumstation ISS. Doch bei der Frauenquote im Weltall gibt es nach wie vor Luft nach oben.

JoAnn Morgan kam 1958 zur NASA und arbeitete sich bis zum „Apollo“-Programm hoch. Ihre Anwesenheit beim Start von „Apollo 11“ 1969 hatte im Vorfeld für heftige Diskussionen gesorgt und musste offiziell vom damaligen deutschen Chef des Kontrollzentrums, Kurt Debus, abgesegnet werden. „Es gab Widerstand“, sagt Morgan. Frauen waren nicht vorgesehen – es gab im Gebäudeteil noch nicht einmal eine Damentoilette. Morgans Kollegin Frances „Poppy“ Northcutt erinnert sich, wie Frauen bei der NASA damals in einem „Meer an Sexismus“ schwammen. „Es war überall, immer, wie die Schwerkraft“, sagt sie. Gefeiert wurden ausschließlich die Herren der Schöpfung. Alle zehn US-Astronauten, die den Mond betraten – Männer. Auch alle 13 Chefs der NASA – Männer.


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Russland als Vorreiter

Bei den Russen lief das ganz anders. Bereits 1963 schossen sie Kosmonautin Valentina Tereschkowa in den Weltraum. Die erste NASA-Astronautin Sally Ride musste sich dagegen noch Ende der 1970er-Jahre die Frage gefallen lassen, ob 100 Tampons für den Trip ins All wohl ausreichen.

Aber auch die Vereinigten Staaten wandelten sich. Von den 347 US-Astronauten, die bislang ins All abhoben, waren 49 Frauen. Heute ist fast die Hälfte des Teams weiblich, dazu ein Drittel der etwa 15 000 NASA-Mitarbeiter. Der Erfolgsfilm „Hidden Figures“ brachte dem Thema Frauen 2016 weltweite Aufmerksamkeit. Es ist die wahre Geschichte dreier afro-amerikanischer NASA-Mitarbeiterinnen, die mit ihren Berechnungen die Grundlagen für die bemannte Raumfahrt legten.

Bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA gibt es seit 1988 gemischte Teams. Seit 20 Jahren ist der Anteil von 15 Prozent Frauen unter den Bewerbern aber gleich geblieben. Jüngst stellte die Italienerin Samantha Cristoforetti mit fast 200 Tagen im Weltraum einen Frauenrekord auf.

Deutsche Astronautin als Ziel

In Bremen hat es Claudia Kessler, Luft- und Raumfahrttechnikerin, die als Personalvermittlerin in der hoch spezialisierten Weltraumbranche arbeitet, gereicht, dass immer nur deutsche Männer ins All fliegen. 2016 startete sie mit Verve privat den Wettbewerb „Die Astronautin“ – mit dem Ziel, 2020 eine Frau aus Deutschland zur ISS zu schicken. Anfangs als PR-Gag belächelt, geriet der ungewöhnliche Wettbewerb schnell zu einer Frauenpowerschau. Mehr als 400 ernsthafte Kandidatinnen bewarben sich – darunter Ingenieurinnen, Kampfpilotinnen und Physikerinnen.

In diesem von der NASA zur Verfügung gestellten Foto vom 16. Juli 1969 beobachtet JoAnn Morgan (M.) aus dem Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde den Start von Apollo 11.
In diesem von der NASA zur Verfügung gestellten Foto vom 16. Juli 1969 beobachtet JoAnn Morgan (M.) aus dem Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde den Start von Apollo 11.
Foto: Uncredited/NASA/AP/dpa

Die zwei Auserwählten absolvieren gerade die Ausbildung zur Astronautin. Eine Möglichkeit zum Start gäbe es im Herbst 2020, sagt Sprecherin Inka Helmke. „Ein amerikanischer Startanbieter hält zurzeit einen Seat in seiner Kapsel frei.“ Doch was der Initiative weiter fehlt, ist Geld – viel Geld. „Wir haben in die Ausbildung und Vorbereitungen dieser Mission bereits fast eine Million Euro gesteckt“, berichtet Helmke. Doch der reine Flug zur ISS mit zehn Tagen Aufenthalt und dem nötigen, rund neunmonatigen Training in den USA koste rund 50 Millionen US-Dollar. Diese Summe fehlt. „Wir hoffen auf eine Beteiligung aus Berlin.“

Ehrgeizige Pläne der USA

Anlässlich des 50. Jubiläums der Mondlandung will die NASA noch einen Schritt weiter gehen. „Die erste Frau und der nächste Mann auf dem Mond werden beide amerikanische Astronauten sein, die mit amerikanischen Raketen von amerikanischem Boden abgehoben sind“, hat US-Vizepräsident Mike Pence im März angekündigt. Es werde eine der zwölf Frauen sein, die derzeit unter den 38 aktiven Astronauten der NASA sind, sagte der Chef der Raumfahrtbehörde Jim Bridenstine dem TV-Sender CNN. „Ich denke, dass das für junge Frauen nicht nur in unserem Land, sondern weltweit alles verändert.“ 


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