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Senta Berger wird 75: Mit Witz und Elan
Panorama 3 Min. 13.05.2016

Senta Berger wird 75: Mit Witz und Elan

Senta Berger wird 75.

Senta Berger wird 75: Mit Witz und Elan

Senta Berger wird 75.
Foto: Shutterstock
Panorama 3 Min. 13.05.2016

Senta Berger wird 75: Mit Witz und Elan

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Sie gehört zu den beliebtesten deutschsprachigen Schauspielerinnen: sensibel, leidenschaftlich, mit viel Witz und voller Elan. Heute feiert Senta Berger ihren 75. Geburtstag -

Von Rainer Holbe

Senta Berger gehört zu den beliebtesten deutschsprachigen Schauspielerinnen: sensibel, leidenschaftlich, mit viel Witz und voller Elan. Zum 75. Geburtstag erhält sie den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten, eine der renommiertesten Auszeichnungen des Fernsehens. Gleichzeitig verkündet sie ihren Abschied als Ermittlerin Eva Prohacek von der ZDF-Krimireihe „Unter Verdacht“. Noch drei Episoden sollen gedreht werden, dann ist Schluss.

„Ich bin jetzt schon traurig, wenn ich daran denke“, erklärte Berger in einem Interview. „Als Schauspielerin muss man streng mit sich selbst sein. Dr. Prohacek ist schließlich Beamtin und muss auch irgendwann in den Ruhestand gehen.“

Senta Berger wurde am 13. Mai 1941 in Wien geboren. Schon mit vier Jahren stand sie fröhlich trällernd auf der Bühne. Ihr Vater, ein Musiker, begleitete sie am Klavier. Mit fünf Jahren erhielt sie Ballettunterricht, mit Vierzehn privaten Schauspielunterricht. Die Eltern sparten sich das Geld für die Ausbildung ihrer Tochter im wahrsten Sinne vom Munde ab. Senta bestand die Aufnahmeprüfung am renommierten Max-Reinhardt-Seminar.

Für „Das doppelte Lottchen“ erhielt sie ihre erste Filmrolle, und mit siebzehn Jahren wurde sie am Wiener „Theater an der Josefstadt“ engagiert, eine der angesehensten Bühnen. Arthur Brauner – die Produzentenlegende – entdeckte das hübsche Mädchen für das große Kino. Die Engagements brachten Ruhm und Geld, auch wenn die Rollen oft weit von jenem Niveau entfernt waren, das Senta sich erträumt hatte. Ein Angebot aus Hollywood glich einer Sensation.

Die blonde Wienerin entsprach genau jenem Klischee, das sich die Studio-Bosse von ihren Stars erhofften: Sexy, naiv, unschuldig. So wie Marylin Monroe oder Kim Novak. Abgesichert durch einen langjährigen Vertrag drehte Senta mit Frank Sinatra, Yul Brynner und Dean Martin. Fast wäre sie ein Weltstar geworden, doch sie zog es vor ein glücklicher Mensch zu bleiben.

Zum 75. Geburtstag strahlt das Fernsehen alte Senta-Berger-Filme aus, Journalisten stehen Schlange um ein Interview. Ihre Antworten sind gescheit, sie ist stets liebenswürdig und souverän. „Man kann es nur wehmütig betrachten, dass alles vergeht“, sinniert sie. „Wirklich begreifen kann man's ja nicht.“ 75 Jahre sind eine beachtliche Zäsur in einem Leben, auch wenn heute das Greisenalter mit 80 beginnt. „Ich betrachte meine Hände und sehe, meine Hände werden immer mehr wie die meiner alten Mutter“, schreibt Senta Berger in ihrer lesenswerten Biografie „Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann“.

Mit Wehmut und Liebe blickt sie darin zurück auf das Leben ihrer Eltern und Großeltern und wie es ihr gelang, alle Hindernisse zu überwinden und den Traum vom Schauspielerleben zu verwirklichen. „Ich habe oft Heimweh nach Wien, nach der Stadt von früher“, erzählt sie. „Oder nach der Senta von früher, das ist das Gleiche.“ Erstaunlich die ganz privaten Einblicke in ihr Leben: die Versöhnung mit dem Vater, der Tod der Mutter. Sie starb an einem 8. August: „Die ‚8‘ – das sind zwei Ringe. Zwei ineinander verflochtene Ringe. Zwei ineinander verflochtene Leben.“

Diskret und klug

Senta Berger ist diskret und klug genug, die Neugier des Boulevards nur fragmentarisch zu bedienen. Über ihre 1966 geschlossene Ehe mit dem Arzt, Regisseur und Produzenten Michael Verhoeven erzählt sie ebenso freimütig wie über ihre gemeinsamen Söhne Simon, dem Regisseur und Drehbuchautor und Luca, der ihr als Schauspieler beruflich gefolgt ist.

Eine ihrer berührendsten Erinnerungen findet sich im Buch ihrer Freundin Elke Heidenreich „Ein Traum von Musik“, in dem Senta Berger von der unglücklichen Liebe ihres Vaters zur Musik erzählt. Bevor er starb, hat sie ihn im Hospital besucht: „Als ich ging und mich in der Türe noch einmal umdrehte, sah ich meinen kleinen bleichen Vater unbeweglich liegen, nur die Finger spielten auf der Bettdecke eine Musik.“

In dem Kinofilm „Satte Farben vor Schwarz“ spielt Senta Berger an der Seite von Bruno Ganz ein Ehepaar, das sich wegen einer lebensbedrohlichen Krankheit auseinanderlebt und doch wiederfindet. In ihrer Rolle sagt Senta: „Ich bin eine alte Frau und eine alte Frau hat das Recht, dass die Dinge bleiben, wie sie sind.“ Nach der Premiere antwortet die Schauspielerin auf die Frage, ob dieses Zitat auch für siegelte: „Ich möchte auch gerne, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind. Sie sind aber nicht so. Das muss man lernen.“

Ihren 75. Geburtstag will Senta Berger nicht groß feiern. „Das mag auch etwas sehr Wienerisches sein“, erklärt sie. „Unter dem Motto: Naja, ein Jahr weniger.” Dafür will sie mit Ehemann Michael Verhoeven zur „Goldenen Hochzeit“ im September kräftig auf die Pauke hauen. Auf dem Oktoberfest, mit einer Achterbahnfahrt, so wie damals vor 50 Jahren, als sie am Tag danach zum Standesamt gingen.