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Senta Berger: „Ich habe zu vieles versäumt“
Panorama 3 Min. 28.03.2020

Senta Berger: „Ich habe zu vieles versäumt“

Vernehmungstechnik ist Eva Maria Prohaceks (Senta Berger) Spezialität: Jahrelang hat sie dieses Fach an der Polizeischule unterrichtet.

Senta Berger: „Ich habe zu vieles versäumt“

Vernehmungstechnik ist Eva Maria Prohaceks (Senta Berger) Spezialität: Jahrelang hat sie dieses Fach an der Polizeischule unterrichtet.
Foto: ZDF und Christian A. Rieger
Panorama 3 Min. 28.03.2020

Senta Berger: „Ich habe zu vieles versäumt“

Schauspielerin Senta Berger über das Finale der preisgekrönten Krimireihe „Unter Verdacht“, mehr Zeit für die Familie und ihr Rezept gegen zudringliche Männer.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Eine der besten Krimireihen im deutschen Fernsehen verabschiedet sich vom Bildschirm: „Unter Verdacht“ mit Senta Berger als Kriminalrätin Eva Maria Prohacek, die bei der Münchner Polizei gegen Korruption und Beamtenfilz im Freistaat zuständig ist. In der finalen Folge „Evas letzter Gang“ - zu sehen am 28. März im ZDF - löst die unbeugsame Ermittlerin kurz vor ihrer Pensionierung ihren dramatischen letzten Fall. Die Handlung schlägt den Bogen zurück zur ersten Episode aus dem Jahr 2002 und es kommt zum Showdown zwischen Eva Maria Prohacek und ihrem zwielichtigen Chef Claus Reiter (Gerd Anthoff). 

Senta Berger, geschah der Ausstieg aus der Reihe „Unter Verdacht“ aus freien Stücken?

Ja. Ich glaube, es war genau der richtige Zeitpunkt. Die Beamtin Prohacek müsste eigentlich schon lange aus dem Dienst ausgeschieden sein. Ich bin deutlich älter als Eva. Niemand hat mir die Jahre nachgerechnet. Aber ich selbst habe es getan. Und es geht ja um die Glaubwürdigkeit der Figur und damit auch der Geschichten, die wir erzählen wollen.

Geht Kriminalrätin Prohacek nun in den Ruhestand? Oder auch die Schauspielerin Senta Berger?

Ich werde mich sicherlich langsam aus dem Beruf lösen, das ist doch ganz natürlich. Allerdings werde ich in diesem Jahr einen Kinofilm und einen Fernsehfilm drehen, interessante Geschichten, die ich gerne miterzählen will.

Freuen Sie sich, künftig endlich mehr Zeit für die Familie zu haben?

Ja sehr. Ich habe schon zu vieles versäumt. Jetzt will ich meine Enkel zum Hallenturnier begleiten und den Kleinen aus dem Kindergarten abholen.

Sie haben die streitbare Ermittlerin viele Jahre lang gespielt. Welches sind Ihre schönsten Erinnerungen an diese Zeit?

Es sind die privaten Erinnerungen. Das Zusammenwachsen mit meinen beiden Kollegen Rudolf Krause und Gerd Anthoff, das Vertrauen zueinander, der Spaß miteinander. Die künstlerischen Herausforderungen, die mich erschöpft und beflügelt haben. Und die schönen Erinnerungen an unser Team, das meine Arbeit durch all die Jahre unterstützt hat. Wir haben zusammen gelacht und auch schon mal eine Träne verdrückt, wir haben zusammen gefroren, gebibbert um 4 Uhr morgens an irgendeiner verdammten Autobahn, haben heiße Suppe miteinander geschlürft und sind in all den Jahren Freunde geworden.

Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und ihr Assistent André Langner (Rudolf Krause) auf Spurensuche.
Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und ihr Assistent André Langner (Rudolf Krause) auf Spurensuche.
Foto: ZDF und Christian A. Rieger

Sind Sie traurig, dass es vorbei ist?

Traurig, nein. Aber wehmütig. Es geht ein Kapitel meines Lebens zu Ende. Gerd Anthoff und Rudolf Krause werde ich weiterhin sehen, natürlich. Man geht miteinander essen, man erzählt sich. Aber diese Vertrautheit, die in all den Jahren durch unsere intensive Zusammenarbeit entstanden ist, wird es so nicht mehr geben, fürchte ich.

Sie haben seit Ihrem Debüt 1957 in zahlreichen bedeutenden Filmen und Serien mitgewirkt. Welche war in Ihren Augen die Rolle Ihres Lebens?

Das gibt es nicht. In „Die schnelle Gerdi“ steckte vermutlich am allermeisten von mir selber, aber die Rolle meines Lebens? Ich kann das so nicht sehen. Schon alleine die Gegensätzlichkeiten meiner Rollen durch all die Jahrzehnte hindurch, machen es unmöglich eine als die Rolle herauszuheben.

Ihre Jahre in Hollywood sind legendär, Sie spielten unter anderem die weibliche Hauptrolle in einem Sam-Peckinpah-Western. Haben Sie noch Kontakt zu einigen der Weltstars von damals?

Von all meinen Partnern in Hollywood lebt nur noch Robert Wagner. Ich habe mich mit ihm besonders gut verstanden und wir haben uns durch all die Jahre immer wieder gesehen. Aber bitte vergessen Sie nicht, fast alle meine Partner aus diesen Jahren waren 20, 25 Jahre älter als ich …

In Ihrer Autobiographie haben Sie aber auch beschrieben, wie Sie damals bei Dreharbeiten Zudringlichkeiten von Männern ausgesetzt waren. Haben Sie diesen Leuten verziehen?

Nicht allen.


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Was raten Sie Frauen, die sich von Männern unter Druck gesetzt oder belästigt fühlen?

Es ist leicht zu raten: Selbstbewusstsein aufbauen. Die „MeToo“-Debatte, in die sich auch Sachverhalte, Argumente hineinmischen, die dort nicht hingehören, ist der Spiegel unserer Gesellschaft und ihrer Hierarchien. So lange Frauen zumeist abhängig Untergebene von Männern sind, so lange Frauen ihre Arbeit und den Verdienst brauchen, werden sich immer wieder Fälle von Übergriffigkeit und Schlimmerem finden – und Frauen, die es dulden. „Selbstbewusstsein aufbauen“, das sagt sich so leicht. Die Gesellschaft muss sich ändern – und sie tut es ja auch. Zumindest in der westlichen Welt.

Sehen Sie sich als eine Feministin?

Nein, ich bin keine Feministin. Das ist mir ein zu enges Fenster, um auf die Welt zu schauen. Emanzipation kann nur mit den Männern gelingen. Nur so kann sich eine Gesellschaft ändern. Meine Rollen suche ich nicht nach gesellschaftspolitischen Zielen aus. Im Übrigen finde ich, dass gute Unterhaltung im Fernsehen und Kino immer auch politisch ist.


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