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Schweiz feiert Matterhorn-Jubiläum
Panorama 2 3 Min. 14.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Ein Berg als Superstar

Schweiz feiert Matterhorn-Jubiläum

Futuristisch sehen die Metallhütten im Basislager des Matterhorns aus.
Ein Berg als Superstar

Schweiz feiert Matterhorn-Jubiläum

Futuristisch sehen die Metallhütten im Basislager des Matterhorns aus.
Foto: dpa-tmn
Panorama 2 3 Min. 14.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Ein Berg als Superstar

Schweiz feiert Matterhorn-Jubiläum

Selten ist ein Berg so aufwendig gefeiert worden wie das Matterhorn. Die Erstbesteigung am 14. Juli 1865 - vor genau 150 Jahren also - war ein Triumph - und eine Tragödie.

(dpa) - Die Warnung war unmissverständlich: Kommt diesem Gipfel nicht zu nahe. Mächtige Geister - davon waren Schweizer Bergbauern überzeugt - schleuderten Steinbrocken ins Tal, damit der Schönheitskönig der Alpen unberührt bleibt.

Doch am 14. Juli 1865 war es so weit: Majestät Matterhorn wurde von einer Seilschaft um den erst 25-jährigen Engländer Edward Whymper bezwungen. 150 Jahre danach wird das Jubiläum der Erstbesteigung des bekanntesten Schweizer Berges aufwendig gefeiert.

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Heute klettern jährlich rund 3000 Männer und Frauen vom Ferienort Zermatt aus auf das einzigartig gezackte, 4478 Meter hohe „Hore“, wie die Einheimischen den weltbekannten „Riesenzahn“ nennen. Fast jedes Jahr kommt es dabei zu tödlichen Unfällen. Mehr als 500 Menschen verloren bislang am Matterhorn ihr Leben.

Nicht ungefährlich


Moderne Bergsteigerausrüstungen sehen anders aus: Edward Whymper und seine Mannschaft mussten wohl eher auf günstiges Wetter vertrauen.
Moderne Bergsteigerausrüstungen sehen anders aus: Edward Whymper und seine Mannschaft mussten wohl eher auf günstiges Wetter vertrauen.
Illustration: Wikipedia

„Triumph und Tragödie lagen schon bei der Erstbesteigung nahe beieinander“, sagt Hermann Biner, Präsident der internationalen Vereinigung der Bergführerverbände. Vier der sieben Matterhorn-Bezwinger stürzten damals in den Tod.

Auch an ihr Schicksal wird an diesem 14. Juli mit einer einzigartigen Geste erinnert: „Anders als bei früheren Jubiläen bleibt der Berg gesperrt“, sagt Biner. „Wir verneigen uns vor den Menschen, die dort umgekommen sind.“ Wer trotzdem den Aufstieg versucht, werde daran gehindert, warnt die Gemeinde Zermatt - und müsse mindestens 5000 Franken (4800 Euro) für den Hubschraubereinsatz der Bergwacht zahlen.

Massenandrang

Doch in den Tagen rund um das Jubiläum erinnert die steile Strecke von der 1880 auf 3260 Metern Höhe erbauten und kürzlich modernisierten Hörnlihütte an einen Massenklettersteig. Alpinisten aus etlichen Ländern folgen den Spuren der Eroberer. Bis zu ihrem Erfolg war das Matterhorn jahrzehntelang der letzte Alpenviertausender, dessen Eroberung noch Ruhm und Ehre versprach. An den hohen Preis, den vier Erstbesteiger dafür zahlten, erinnern Grabsteine auf dem Friedhof der Zermatter Pfarrkirche St. Mauritius.

Wegbereiter

Zermatter Geschäftsleute profitierten davon, dass Whymper als werbestarkes Vorbild Heerscharen zahlungskräftiger Briten anlockte, die dem Alpentourismus in der Schweiz zum Aufschwung verhalfen.

Der steckt heute allerdings trotz großer Werbekampagnen in Schwierigkeiten. Schuld ist unter anderem die Krise der europäischen Gemeinschaftswährung, die zu einer starken Verteuerung des Franken geführt und die Schweiz damit für Euro-Verdiener zu einem der teuersten Reiseländer weltweit gemacht hat.

Kein Wunder, dass die rund 120 Hotels in Zermatt nicht ausgebucht sind. Immerhin hofft Tourismus-Direktor Daniel Luggen, dass dank der Jubiläumsfeiern eine Belegung von mehr als 70 Prozent erreicht wird. Hoffnungen richten sich dabei auch auf Bergfreunde aus dem eigenen Land: „Viele Schweizer haben das Matterhorn noch nie mit eigenen Augen gesehen“, sagte Luggen der Schweizer Nachrichtenagentur sda. „Dieser Sommer ist eine gute Gelegenheit, die Lücke zu schließen.“

Das Matterhorn ist auch heute noch ein Magnet, der aber weiterhin immer noch Gefahren birgt. Sehen Sie hier einen Kommentar von Star-Bergsteiger Rheinhold Messner, der auch einen Roman zur Erstbesteigung geschrieben hat. Für ihn ist der Mythos um das Matterhorn auf "einer Tragödie und nicht auf einem Bergsteigererfolg" aufgebaut:

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Einige Fakten um das Matterhorn:

  • 500 Menschen verloren bislang am "Berg der Berge" ihre Leben. Meist, weil die Bergsteiger unzureichend vorbereitet waren oder ihr Können einfach überschätzten. Damit ist das Matterhorn einer der tödlichsten Berge weltweit.
  • 1950 verlief sich ein zehn Monate altes Kätzchen bis auf die Spitze des 4478 Meter hohen Bergs.
  • Ulrich Inderbinden aus Zermatt bestieg das Matterhorn 371mal. Auch ein Rekord.
  • Prominenter Bergsteiger: Theodore Roosevelt bestieg den Berg im Jahr 1881. Er hatte seine Frau im Hotel zurückgelassen und sich mit einem Bergführer auf den Weg gemacht.


Sehen Sie hier eine beeindruckende 3D-Simulation des berühmten Walliser Bergs.

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