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Schutzmauer gegen den Datenkraken
Panorama 3 Min. 03.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Neue Facebook-Bedingungen

Schutzmauer gegen den Datenkraken

Besonders über das Smartphone bekommt Facebook eine Menge Informationen über den Nutzer.
Neue Facebook-Bedingungen

Schutzmauer gegen den Datenkraken

Besonders über das Smartphone bekommt Facebook eine Menge Informationen über den Nutzer.
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Panorama 3 Min. 03.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Neue Facebook-Bedingungen

Schutzmauer gegen den Datenkraken

Wer die neuen Geschäftsbedingungen von Facebook nicht akzeptieren will, muss seinen Account kündigen. Doch neben dieser Radikallösung kann jeder Nutzer die auf ihn zugeschnittene Werbung einschränken.

(vb) - Wer die neuen Geschäftsbedingungen von Facebook nicht akzeptieren will, muss seinen Account kündigen. Doch neben dieser Radikallösung kann jeder Nutzer die auf ihn zugeschnittene Werbung einschränken.

Fast jeder Internet-Nutzer hat es schon gemerkt: Er bestellt online eine Trainingsjacke und bekommt anschließend tagelang Werbung für die passenden Sportschuhe oder für eine Mitgliedschaft im Fitness-Studio angezeigt. Der Grund dafür ist die "nutzerorientierte Werbung". Der Grundgedanke dahinter ist, dass Firmen ihre Werbung an möglichst passende Personengruppen richten und Streuverluste vermeiden wollen.

Facebook ist schon seit seiner Anfangszeit in das Geschäft mit Nutzerdaten eingestiegen. Seit der jüngsten Änderung der Nutzungsbedingungen greift Facebook jedoch viel mehr Daten seiner Nutzer ab und vermarktet sie.

Welche Daten sammelt Facebook?

Die neuen Geschäftsbedingungen erlauben Facebook den Zugriff auf mehr Datenquellen. Während früher nur das Nutzerverhalten auf Facebook selbst, beispielsweise aus "Gefällt mir"-Angaben oder aus dem Surfverhalten auf Facebook analysiert wurde, sammelt die Plattform jetzt auch Daten außerhalb, meist über Cookies, die andere Webseiten auf dem Computer des Nutzers hinterlassen haben. Eine weitere wichtige Informationsquelle sind die "Gefällt mir"-Buttons mit dem blauen Daumen. Durch diese Buttons, die mittlerweile auf sehr vielen Seiten zu sehen sind, kann Facebook erkennen, dass der Nutzer sich dort aufhält - selbst wenn er den Button gar nicht betätigt. Außerdem erfährt Facebook, welche Apps auf dem Smartphone installiert sind. Eine ganz neue Form der Nutzeranalyse bietet deren GPS-Funktion, mit der sich der momentane Standort des Nutzers feststellen lässt. Wer mit der Facebook-App durch die Straßen läuft, könnte zukünftig passende Angebote von Cafés, Restaurants oder auch Buch- und Elektroläden bekommen.

Was ist noch neu?

Mit den neuen Geschäftsbedingungen legt Facebook den Grundstein für eine Kauf-Funktion. Mit dem "Kaufen"-Button können Kunden künftig Waren direkt über Facebook bestellen. Der Dienst wird fürs Erste in ausgewählten Städten getestet. Natürlich will Facebook die Daten von Einkaufsgewohnheiten ebenfalls auswerten und vermarkten.

Was bedeutet das für Werbeanzeigen, die ich eingeblendet bekomme?

Sie werden noch genauer auf den Einzelnen zugeschnitten. Dies hat für den Facebook-Kunden Vor- und Nachteile. Einerseits verschwindet unpassende Werbung - zum Beispiel Gebissreiniger für einen 20-Jährigen -, zum anderen wird die Privatsphäre immer weiter eingeschränkt. Gleichwohl gilt der Grundsatz, dass die werbetreibenden Firmen nie wissen, wer genau vor dem Computer sitzt. Sie bekommen nur eine anonymisierte Liste mit Zielgruppen, die sie buchen können.

Was kann ich tun, um meine Privatsphäre auf Facebook zu schützen?

Am sichersten ist es, den Facebook-Account ganz zu löschen. Wer nicht so weit gehen will, kann folgende Tipps anwenden. Die GPS-Funktion auf dem Smartphone deaktivieren oder den Zugriff der Facebook-App verweigern.

In den Facebook-Einstellungen unter "Werbeanzeigen" können Sie verhindern, dass Facebook Werbung für ein beliebiges Produkt mit Ihrem Gesicht macht. Wählen Sie im Drop-Down-Menü "Niemand" aus.

Zu guter Letzt können Sie zumindest die nutzungsbasierte Online-Werbung bei Facebook auf einer externen Seite, mit der Facebook zusammenarbeitet, abschalten. Wählen Sie zuerst Ihr Land aus und klicken Sie dann auf "Präferenzmanagement". Scrollen Sie zum Eintrag "Facebook" und schalten Sie ihn auf "Aus".


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(Archivbild vom 07.09.2015/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
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10.11.Facebook / Prozess gegen Hass auf sozialen Medien foto:Guy Jallay
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