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Schlafstörungen: Schlaflose Nächte
Schlafstörungen können den kompletten Alltag der Betroffenen auf den Kopf stellen.

Schlafstörungen: Schlaflose Nächte

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Schlafstörungen können den kompletten Alltag der Betroffenen auf den Kopf stellen.
Panorama 5 Min. 28.10.2014

Schlafstörungen: Schlaflose Nächte

Tausende Menschen finden nachts keinen Schlaf. Doch wie wichtig ist gesunder Schlaf für unsere Gesundheit? Und wie viel Schlaf braucht der Mensch eigentlich?

Von Anne Heintz

In der Nacht zum vergangenen Sonntag endete die Sommerzeit und die Uhren wurden eine Stunde zurückgestellt. Morgenmuffel hatten also jeden Grund zur Freude, während Menschen mit Schlafstörungen sich eine Stunde länger im Bett herumquälen mussten.

Viele Zeitgenossen leiden an Schlafstörungen, dabei ist gesunder Schlaf für das allgemeine Wohlbefinden überaus wichtig. Während wir schlafen, erholen sich Körper und Seele, Informationen werden im Gehirn verarbeitet, das Immunsystem wird gestärkt, die Wundheilung beschleunigt und der Stoffwechsel wird im Gleichgewicht gehalten.

„Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir mit Schlafen. Schlafen wir nicht, werden wir müde, unausstehlich und weniger leistungsfähig. Früher ging man davon aus, dass der Schlaf ein völlig inaktiver Zustand ist, bis der Neurologe und Psychiater Hans Berger im Jahr 1923 herausfand, dass man mit dem Elektroenzephalogramm Hirnströme während des Schlafens aufzeichnen kann. Man fand also heraus, dass der Schlaf nicht nur ein ,Abknipsen‘ des Bewusstseins ist, sondern ein höchst aktiver Prozess, bei dem verschiedene Schlafstadien zu unterscheiden sind“, erklärt Violaine Neuser, Psychologin und Kursleiterin im „ZithaGesondheetsZentrum“.

Schlafen ist also ein dynamischer Vorgang, bei dem das Gehirn überaus aktiv ist. Anhand der Hirnströme, Augenbewegungen und Anspannung der Muskulatur können mehrere Schlafstadien klar abgegrenzt werden. Im Schlaf laufen in unserem Körper wichtige Prozesse ab. Sie sind verschiedenen Schlafphasen zuzuordnen, die unser Körper im Laufe der Nacht mehrmals durchläuft. Eine Schlafphase dauert 60 bis 90 Minuten.

Die erste Phase ist der Leichtschlaf. Nach dem Einschlafen entspannen sich der Körper und das Gehirn, die Atmung und der Herzschlag verlangsamen sich. Darauf folgt die Tiefschlafphase. Dieses Stadium ist das erholsamste und wichtigste für Körper und Geist. Der Körper ist in dieser Phase regungslos und völlig entspannt. Sie ist sehr wichtig für die physische Regeneration.

Acht Stunden Schlaf pro Nacht?

Auf den Tiefschlaf erfolgt eine neue Leichtschlafphase, bevor es dann über in den „Rapid eye movement“-Schlaf, auch REM-Schlaf genannt, geht. In diesem Stadium träumt der Mensch intensiv. Diese Phase ist durch das schnelle Bewegen der Augen unter den Lidern gekennzeichnet. Der Großteil der Informationsverarbeitung im Gehirn, so sagt man, findet in diesem Zyklus statt. Damit wir unsere Träume nicht gleich in die Tat umsetzen, ist die Körpermuskulatur in der REM-Phase wie gelähmt.

Viele Menschen glauben, dass der Mensch acht Stunden Schlaf pro Nacht brauche, um sich fit zu fühlen. „Dabei gibt es kein ,normales‘ Schlafmaß. Die durchschnittliche Dauer für Erwachsene beträgt sieben bis acht Stunden. Es gibt allerdings Personen, die sich bereits nach fünf Stunden Schlaf gut erholt fühlen, während andere wiederum zehn Stunden brauchen, um tagsüber ausgeruht zu sein. Es ist nicht die Quantität, sondern die Qualität, die ausschlaggebend für gesunden Schlaf ist. Wird man aus der Tiefschlafphase herausgerissen, hat dies allerdings Folgen für das Tagesbefinden einer Person“, unterstreicht Violaine Neuser.

Ein Viertel bis ein Drittel der Menschen haben von Natur aus einen leichten Schlaf und sind anfällig für Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten, auch noch Schlafstörungen genannt. Die Folgen sind sinkende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Auch die Gesundheit leidet und das soziale wie auch berufliche Leben werden eingeschränkt.

Primäre und sekundäre Insomnie

Zehn Prozent der westlichen Bevölkerung leiden an Schlafstörungen. Es wird zwischen primärer und sekundärer Insomnie unterschieden. Für die primäre Insomnie gibt es keine konkreten Ursachen. Die Betroffenen können nachts oft nicht abschalten und grübeln durchgehend über Probleme. Sie kommen nicht zur Ruhe , schauen nachts ständig auf die Uhr und setzen sich unter Druck.

Die sekundäre Insomnie wird durch Krankheiten oder Substanzen hervorgerufen, die einen entsprechenden negativen Einfluss auf die Schlafphasen haben. Parallel können auch Parasomnien auftreten, wie Albträume, Bettnässen, Schlafwandel, Schlaftrunkenheit, Schlaflähmung, „Restless Legs“-Syndrom, Zähneknirschen und Nachtangst.

„Um feststellen zu können, um welche Form von Schlafstörung es sich bei den Betroffenen handelt, muss zuerst eine sorgsame Erhebung der Krankengeschichte erfolgen. Es wird eine ausfürliche Untersuchung stattfinden und ein Test im Schlaflabor gemacht. Die Behandlung orientiert sich jeweils an den Ursachen. Hier unterscheidet man unter kurzfristigen und langfristigen Therapien“, gibt Violaine Neuser zu verstehen.

Im „ZithaGesondheetsZentrum“ wird ab Donnerstag, dem 8. Januar 2015, der Kurs „Gesunder Schlaf“ angeboten. Dieser besteht aus sechs Sitzungen von je einer Stunde. Er beinhaltet alles Wissenswerte rund um den gesunden Schlaf sowie die Behandlung von Schlafstörungen. Anmelden kann man sich per Tel. 28 88 63 63 oder Mail an: pia.michels@hopitauxschuman.lu.

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Tipps für eine erholsame Nacht

- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: erst ins Bett gehen, wenn man wirklich müde ist

- Drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen auf Kaffee, Cola, schwarzen Tee und übermäßiges Zigarettenrauchen verzichten

- Vorsicht mit Alkohol

- Leichte Kost am Abend

- Regelmäßige Bewegung baut Stress ab und macht körperlich müde

- Den Tag ruhig ausklingen lassen und entspannen

- Sport, heftige Diskussionen sowie Filme zu später Stunde vermeiden

- Kurzes Einnicken beim Fernsehen oder Lesen vermeiden

- Einschlafritual einführen von maximal einer halben Stunde

- Eine angenehme Atmosphäre im Schlafzimmer herstellen

- Nachts nicht auf die Uhr schauen

- Füße wärmen

- Nicht länger im Bett liegen bleiben, als man realistischerweise erwarten kann zu schlafen

- Keine übertriebenen Befürchtungen um den Schlaf

Ursachen für Schlafstörungen

- Schwierigkeiten und Stress
im Beruf

- Krisen in der Partnerschaft

- Schlechte Schlafhygiene (ungünstige Gewohnheiten und schlechte örtliche Bedingungen)

- Störungen des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus (Schichtarbeit und Wechsel der Zeitzonen)

- Einnahme von Medikamenten oder Suchtmitteln

- Organische Erkrankungen

- Psychische Erkrankungen sowie Depressionen und Angststörungen


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Zum Themendienst-Bericht vom 21. Mai 2015: So wird es mit erholsamem Schlaf eher nichts: Das helle blaue Licht etwa von Computern, Tablets oder Smartphones sollte man mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen meiden. (Archivbild vom 22.01.2014/Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text. Die Ver�ffentlichung ist f�r dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.)    Foto: Jens Kalaene