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„Ich gebe nicht auf“
Panorama 1 4 Min. 31.07.2021
Schauspielerin Laverne Cox

„Ich gebe nicht auf“

Laverne Cox ist die erfolgreichste Transsexuelle im Filmbusiness. Demnächst ist die US-Schauspielerin in der Netflix-Serie „Inventing Anna“ an der Seite von Anna Chlumsky zu sehen.
Schauspielerin Laverne Cox

„Ich gebe nicht auf“

Laverne Cox ist die erfolgreichste Transsexuelle im Filmbusiness. Demnächst ist die US-Schauspielerin in der Netflix-Serie „Inventing Anna“ an der Seite von Anna Chlumsky zu sehen.
Foto: Shutterstock
Panorama 1 4 Min. 31.07.2021
Schauspielerin Laverne Cox

„Ich gebe nicht auf“

Die US-Schauspielerin spricht im Interview über ihr neues Filmprojekt, den Kampf für die Rechte Transsexueller und Hass im Internet.

Interview: Patrick Heidmann

Im vergangenen Jahr feierte der Dokumentarfilm „Disclosure: Trans Lives on Screen“ auf Netflix Premiere, den Laverne Cox als Produzentin mitverantwortete. Doch auch als Schauspielerin ist die 49-jährige Transfrau gut im Geschäft. Der Star der Serie „Orange is the New Black“ ist derzeit im Actionfilm „Jolt“ bei Amazon Prime an der Seite von Kate Beckinsale zu sehen. Mit „Inventing Anna“ hat sie vor einigen Monaten bereits die nächste Serie abgedreht.

Laverne Cox, der Durchbruch ist Ihnen als Gefängnisinsassin in „Orange is the New Black“ gelungen, nun stehen Sie im Film „Jolt“ auf der anderen Seite des Gesetzes und spielen eine Polizistin. Reizte Sie dieser Gegensatz? 

Auf jeden Fall. Außerdem wollte ich immer schon mal in einem Actionfilm mitspielen. Dass das Ganze dann auch noch eine komödiantische Seite hat, ist genau mein Ding. Die von mir gespielte Detective Nevin tritt ziemlich tough und dominant auf, was sicherlich daher rührt, dass sie in dieser sehr männerdominierten Welt unterwegs ist. Gleichzeitig nimmt sie ihren Job und vor allem dessen Regeln verdammt ernst. Das fand ich unglaublich reizvoll. Ganz zu schweigen von der Aussicht, mit Kollegen und Kolleginnen wie Kate Beckinsale, Stanley Tucci und Bobby Cannavale zu drehen. Und in unsere Regisseurin Tanya Wexler habe ich mich ohnehin sofort verknallt. 

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Sind Ihnen humorvolle Rollen als Schauspielerin wichtig als Ausgleich zu der ja sicherlich nicht immer unbeschwerten Arbeit als Aktivistin für Trans-Belange?

Das brauche ich tatsächlich, und manchmal müssen mich meine Regisseure und Regisseurinnen sogar zurückpfeifen, weil ich so viel Spaß am Sprücheklopfen habe, dass ich fast ein wenig zu sehr auf die Tube drücke. Natürlich verstehe ich mich als ernsthafte, anspruchsvolle Schauspielerin, aber ich habe eben auch nichts gegen den einen oder anderen Schenkelklopfer oder ein bisschen Albernheit. Dafür war die Rolle in „Jolt“ genau das Richtige! 

Mit Tanya Wexler hat „Jolt“ eine queere Regisseurin, auch Ihr Film „Promising Young Woman“, der in Luxemburg im Frühjahr im Kino zu sehen war, wurde mit Emerald Fennell von einer Frau inszeniert. Solche Filmemacherinnen sind es, die in der Branche für echte Veränderung sorgen, oder? 

Definitiv. Die Frage, wer seine Geschichten erzählen darf, ist in dieser Hinsicht eine der wichtigsten. Und natürlich geht es dann auch darum, wer dann in diesen Geschichten besetzt wird. Aber die eigentliche Macht in Film und Fernsehen liegt ja anderswo, bei den Produzenten und den Verantwortlichen bei den Sendern und Studios. Diese Gatekeeper, die die Weichen stellen für alles, was dann gedreht wird oder eben nicht, müssen viel diverser werden, wenn wir wirklich mehr gerechte Repräsentation sehen wollen. 

Wie fällt denn Ihr persönliches Zwischenfazit nach über zehn Jahren vor der Kamera aus? Sind Sie zufrieden mit den Fortschritten? 

Es hat sich in Sachen Trans-Repräsentation vieles getan, und mir ist auch wichtig, dass wir das feiern und uns darüber freuen. Eine Serie wie „Pose“ ist einfach ein Grund zum Jubeln, da gibt es nichts dran zu rütteln. Das heißt aber nun nicht, dass alles erreicht ist, im Gegenteil. Es ist noch reichlich Luft nach oben und gibt nach wie vor viel zu tun, denn ich kenne genug Trans-Menschen, die noch nicht den Eindruck haben, sich selbst in Film und Fernsehen wiederzufinden. Und viele wichtige Geschichten werden längst noch nicht erzählt. Auch ich pitche immer wieder Projekte, die ich nicht verkauft bekomme. Trotzdem gebe ich nicht auf, denn ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Empathie, die ein Film oder eine Serie auslösen kann, echte Veränderungen in den persönlichen Einstellungen des Publikums auslösen kann. 

Die Gatekeeper, die die Weichen stellen für alles, was dann gedreht wird oder eben nicht, müssen viel diverser werden.

Im Fall von „Promising Young Woman“ war kürzlich zu sehen, wie viel Arbeit tatsächlich noch vor uns liegt. In Deutschland, Italien und einigen anderen Ländern wurden Sie zunächst von einem Mann statt einer Frau synchronisiert. Wie groß ist in solchen Momenten Ihre Wut? 

Ich hatte fest vor, mich dazu nicht öffentlich zu äußern, und habe es bislang auch nicht getan. Aber was mich in diesem Fall definitiv beglückt hat, war zu sehen, dass die Öffentlichkeit sich der Sache angenommen und ihren Unmut kundgetan hat. Das Internet ist dieser Tage sicherlich kein unproblematischer Ort, aber es kann eben auch ein Segen sein, weil sich die Menschen Gehör verschaffen und auf Ungerechtigkeiten hinweisen können. Und wer klug ist, hört sich die vorgetragene Kritik auch an. So wie es in dieser Sache geschehen ist. 


TOPSHOT - US actress and director Jodie Foster arrives for the opening ceremony and the screening of the film "Annette" at the 74th edition of the Cannes Film Festival in Cannes, southern France, on July 6, 2021. (Photo by John MACDOUGALL / AFP)
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Stichwort Internet: Wie gehen Sie mit Hass und Anfeindungen um, die dort ja leider auch an der Tagesordnung sind? 

Zum Glück kann ich sagen, dass die Kommentare und Antworten in meinen Social-Media-Feeds bislang größtenteils positiv und bestärkend sind. Auf Trolle und Negativität gehe ich dort einfach nicht ein, und das funktioniert ganz gut. Viele scheinen schnell weiterzuziehen, wenn sich niemand auf ihren Hass einlässt. 

Ich habe Sie vorhin als Aktivistin bezeichnet. Verstehen Sie sich als solche überhaupt? Und lässt sich das immer mit dem Beruf der Schauspielerin unter einen Hut bringen? 

Doch, doch, ich bezeichne mich auf jeden Fall als Aktivistin. Mich zu engagieren, andere zu inspirieren und meine Plattform zu nutzen ist mir wichtig, und ich empfinde das durchaus auch als Verantwortung. Und das widerspricht auch nicht meinem Dasein als Künstlerin, denn politische Menschen können wir alle sein. Schwierig wird die Sache manchmal höchstens aus Zeitgründen, denn nicht immer lassen sich die unterschiedlichen Termine ohne weiteres zeitlich miteinander vereinbaren. Aber ich will mich davon auch nicht stressen lassen, schließlich mache ich in beiden Bereichen nur noch Sachen, auf die ich wirklich Lust habe.

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