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Sarkophag in Mainz: Leiche mit Ätzkalk übergossen
Ein internationales Forschungsteam ist in Mainz um die Grabstätte versammelt.

Sarkophag in Mainz: Leiche mit Ätzkalk übergossen

AFP
Ein internationales Forschungsteam ist in Mainz um die Grabstätte versammelt.
Panorama 5 05.06.2019

Sarkophag in Mainz: Leiche mit Ätzkalk übergossen

Ein Mann, vielleicht ein Priester - das ist alles, was bisher über den Toten bekannt ist, dessen Sarkophag Archäologen in Mainz geöffnet haben. Weitere Untersuchungen sollen folgen.

(KNA) - Bei der mit Spannung erwarteten Öffnung eines tausend Jahre alten Sarkophags in der Mainzer Johanniskirche am Dienstagmorgen sind die sterblichen Überreste eines Mannes gefunden worden. Der Schweizer Archäologe und Forschungsleiter Guido Faccani sagte laut einem Bericht des Südwestrundfunks (SWR), dass einige Merkmale darauf hindeuteten, dass es sich um einen Priester handeln könnte. Bei dem Toten sei etwa eine Goldborte im Kopfbereich gefunden worden. Spekuliert wird, ob in dem Grab der 1021 verstorbene Mainzer Erzbischof Erkanbald bestattet wurde. 

Derzeit keine Datierung möglich

Faccini betonte kurz nach der Graböffnung: "Derzeit ist weder Datierung noch Identifizierung möglich." Weitere Untersuchungen sollen folgen. Die in der Mainzer Innenstadt gelegene Johanniskirche gilt als eine der ältesten Kirchen Deutschlands. Sie könnte als Bischofskirche die Vorgängerkirche des Mainzer Doms sein und wurde auch "Alter Dom" genannt. Seit 1828 ist die Johanniskirche ein evangelisches Gotteshaus. 


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Vor der Öffnung des Grabes hatten der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, und der Mainzer katholische Bischof Peter Kohlgraf an einer ökumenischen Andacht teilgenommen. Jung nannte die Sargöffnung ein sehr spannendes, aber auch "geistig bewegendes Ereignis". Kohlgraf sagte: "Wir waren hier und heute Teil einer ökumenischen Glaubensgeschichte." 

Beschleunigte Verwesung durch Ätzkalk

Ein Team von 14 Archäologen, Anthropologen und Textilwissenschaftlern stand bereit, als der 700 Kilo schwere Deckel des Steingrabs mit einem Hebekran angehoben wurde. Forschungsleiter Faccani sprach von einem "einzigartigen Moment". Die Wissenschaftler hätten rasch feststellen können, "dass viele Stoffreste in dem Sarkophag zu finden sind". Die Knochen der bestatteten Person seien dagegen völlig verfallen. "Nicht einmal Zähne sind zu finden. Der Verstorbene wurde bei seiner Bestattung wahrscheinlich mit Ätzkalk übergossen, um den Verwesungsprozess zu beschleunigen", so Faccani laut einer Mitteilung der EKHN. 

Die Stoffproben werden den Angaben zufolge nun von einer Textilexpertin auf Webarten und Muster untersucht, um sie einer Epoche zuzuordnen. Für weitere Analysen sind rund zwei Wochen vorgesehen. Der Öffentlichkeit wird das Grab am Samstag (8. Juni) von 11.00 bis 15.30 Uhr zugänglich gemacht. Der Deckel wird nach der wissenschaftlichen Untersuchung wieder verschlossen werden. Der Tote dürfe dann "weiter in der St. Johanniskirche ruhen", hieß es.  


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