Rosetta-Mission: Mini-Labor "Philae" auf Komet gelandet
Panorama 9 1 3 Min.12.11.2014

Rosetta-Mission: Mini-Labor "Philae" auf Komet gelandet

Erstmals in der Raumfahrtgeschichte ist ein Mini-Labor auf einem Kometen gelandet. Kurz nach 17 Uhr setzte "Philae" auf dem Kometen Tschuri auf.

(dpa) - Premiere im Weltall: Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist die Landung mit einem Mini-Labor auf einem Kometen gelungen. Zehn Jahre, acht Monate und zehn Tage nach dem Raketenstart setzte mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt das Landegerät „Philae“ auf „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ auf.

Bei der Landung gab es Probleme. Eine Düse zum Aufdrücken von „Philae“ auf „Tschuri“ habe nicht funktioniert, teilte die Europäische Weltraumorganisation Esa in Darmstadt mit. Außerdem hätten zwei Harpunen nicht ausgelöst werden können, um mit ihnen das Labor im Boden des Himelskörpers zu verankern. Zudem könnte „Philae“ nach dem Aufsetzen womöglich auch noch einmal abgehoben haben, sei aber wieder auf „Tschuri“ zurückgekehrt.

Das Aufsetzen des Labors wird von manchen Experten mit der Mondlandung 1969 verglichen. Im Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt löste das Ereignis zunächst großen Jubel aus. „Der Tag heute ist historisch“, sagte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. „Wir sind die ersten, denen das gelungen ist. Daran wird man sich erinnern.“ Das Ziel solcher Missionen sei, die Erde besser zu verstehen.

Das Labor war huckepack mit der Sonde „Rosetta“ durch das All gereist und dann ausgesetzt worden. Während des siebenstündigen Landevorgangs auf der letzten Etappe von 22,5 Kilometer fuhr „Philae“ bei dem gemütlichen Tempo eines Fußgängers die drei spinnenartigen Beine aus.

Der Komet ähnelt in seiner Form einer Quietscheente. Untersuchungen während der Mission ergaben, dass „Tschuri“ stinkt - zum Beispiel wegen Schwefelwasserstoffs nach faulen Eiern. Mit einem Volumen von etwa 25 Kubikkilometern zählt er zu den eher kleineren Kometen.

Heikle Momente

Die Weltraumorganisation Esa betrachtet die Mission als Meilenstein. Das Aufsetzen auf dem Kometen hatten Fachleute als schwierig eingeschätzt, vor allem wegen der unklaren Bodenbeschaffenheit. Die Oberfläche stellte sich nach ersten Daten als eher weich heraus. An vielen Stellen ist der Komet mit Gesteinsbrocken übersät, es gibt aber auch hoch aufragende Felswände und steile Abgründe.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte es beim Klarmachen zum Landemanöver heikle Momente gegeben. Es war nicht sicher, ob auf „Philae“ eine Düse funktioniert, mit der der Lander aufgrund der sehr geringen Schwerkraft auf „Tschuri“ gedrückt werden sollte.

Sonde "Rosetta" zehn Jahre lang unterwegs

Wissenschaftler hoffen nach der Landung nun auf einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems, das vor 4,6 Milliarden Jahren entstand. Kometen sollen weitgehend unveränderte Materie aus dieser Zeit enthalten - sie gelten als Boten der Vergangenheit. „Rosetta“ und „Philae“ haben zusammen etwa 20 Instrumente an Bord, um „Tschuri“ unter die Lupe zu nehmen.

„Rosetta“ legte in den vergangenen zehn Jahren rund 6,5 Milliarden Kilometer im All zurück. Die Sonde war mit „Philae“ an Bord am 2. März 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana gestartet. Die Mission soll bis Ende 2015 dauern. „Philae“ könnte seine Arbeit aber wesentlich früher einstellen.

Lang im Betrieb ist „Philae“ aufgrund der Ladekapazität in den Batterien ohnehin nicht. Der Hauptjob soll in wenigen Tagen erledigt sein. Ob eine Verlängerung für „Philae“ möglich ist, war zunächst unklar. Da „Tschuri“ allerdings Richtung Sonne unterwegs ist, dürfte „Philae“ die ganze Sache auch zu heiß werden - es droht der Hitzetod.

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