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Roland, der ewige Kaiser
Roland Kaiser wurde am 10. Mai 1952 in Westberlin geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung 
arbeitete er zunächst in der Werbeabteilung eines Autohauses und als Telegrammbote der Deutschen Post, bevor er Mitte der 1970er-Jahre erste Erfolge als Sänger feiern konnte.

Roland, der ewige Kaiser

Foto: Stefan Schmid
Roland Kaiser wurde am 10. Mai 1952 in Westberlin geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung 
arbeitete er zunächst in der Werbeabteilung eines Autohauses und als Telegrammbote der Deutschen Post, bevor er Mitte der 1970er-Jahre erste Erfolge als Sänger feiern konnte.
Panorama 2 5 Min. 15.03.2019

Roland, der ewige Kaiser

Der deutsche Schlagerstar Roland Kaiser spricht im Interview über sein neues Album, die Musikbranche, das Älterwerden und sein politisches Engagement gegen rechte Strömungen.

von Olaf Neumann

Roland Kaiser gilt mit rund 90 Millionen verkauften Tonträgern als einer der erfolgreichsten Sänger im deutschsprachigen Raum. Obwohl er schon mehrmals seinen Abschied von der Bühne ankündigte, kehrt er doch immer wieder zurück. Etwa mit seinem brandneuen Album, das den Titel „Alles oder Dich“ trägt.

Roland Kaiser, dem Schlager wurde oft vorgeworfen, er besinge nur die heile Welt. Wollen Sie zeigen, dass es auch anders geht?

Unterhaltungsmusik handelt in der Regel von Zweierbeziehungen. Die Weltliteratur übrigens auch. Ein Schlager ist nichts anderes als ein Lied, das Menschen auf der Straße pfeifen können. Ich mache Musik, die mir Freude macht. Nennen Sie sie, wie Sie wollen. Ich versuche, mit meiner Musik Menschen zu berühren und sie irgendwann mal in einem meiner vielen Konzerte begrüßen zu können. Meine Aufgabe als Unterhalter ist, dass sie von dort mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.

Sind Sie von Natur aus Optimist?

Mein Glas ist immer halb voll. Optimismus ist für mich eine bessere Lebenseinstellung als Pessimismus. Ein Pessimist kann nicht viel verändern. Man muss an das glauben, was man tut. Ein Pessimist kann niemanden motivieren.

Im Song „Stark“ plädieren Sie für ein Leben ohne Drehbuch und ohne Plan. Ist das auch Ihre persönliche Einstellung?

Nein, überhaupt nicht. Ich plane viele Dinge in meinem Leben. Das stimmungsvolle Lied beschreibt ein Lebensgefühl, das man vielleicht mit 20 hat. Aber in meinem Alter kann ich nicht mehr ohne Plan leben.

Wie waren Sie denn mit 20?

1973 war ich 21 und hatte längere Haare als heute, keine Frage. Aber ich bin einer geregelten Arbeit nachgegangen, auch wenn ich zum Teil in den Tag hineingelebt habe. Ich bin auf Reisen gegangen, ohne ein Hotel gebucht zu haben und habe im Auto geschlafen. So planlos kann ich heute nicht mehr leben.

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1976 hatten Sie Ihren ersten Hit „Frei – das heißt allein“. War das damals Ihr Lebensmotto?

Damals stellte sich mir die Frage, ob ich weiter singen oder das Angebot eines großen Automobilkonzerns annehmen solle, ins gehobene Management zu gehen. Da war ich dann Abenteurer genug und habe mich für die Musik entschieden. Das bereue ich bis heute nicht. Ich konnte damals natürlich nicht ahnen, ob das wirklich lange hält, was da auf mich zukam.

Braucht es Stärke und Unbeugsamkeit, um im Musikgeschäft über 40 Jahre ganz oben zu bleiben?

Es ist ein Zusammenspiel verschiedener Umstände. Kriegt man das richtige Lied zum richtigen Zeitpunkt? Kriegt man die richtige Sendung? Kriegt man einen Anschlusstitel? Es ist eine große Ansammlung von Glücksumständen und von Fleiß.

Nach einer Lungentransplantation im Frühjahr 2010 hat für Sie ein neues Leben begonnen. Arbeiten Sie seitdem mehr denn je?

Ich empfinde das nicht mehr als Arbeit, sondern als pure Freude. Es belastet mich nicht. Vor meiner Transplantation waren meine Auftritte begleitet von Sorgen, es könnte ja etwas schief gehen.

Und heute?

Wenn sich heute ein Musiker verspielt, passiert nichts. Wenn ich mich versinge, passiert nichts. Die Sorgen sind purer Vorfreude gewichen. Das ist in meinem Beruf ein großes Glück. Vor 30 Jahren hätte ich nicht zugestimmt, dass man ein Konzert von mir ohne Probe live im Fernsehen zeigt. Aber meine Musiker und ich, wir beherrschen unseren Job. Die TV-Übertragung der „Kaisermania“ läuft jetzt seit einigen Jahren mit viel Erfolg. Heute kann man sich mit mir bis zur letzten Sekunde vor einem Konzert unterhalten.


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Ist das die sprichwörtliche Gelassenheit des Alters?

Das spielt bei mir eine Rolle. Ich muss nichts mehr erreichen, aber ich kann. Wenn man nichts unter Druck macht, kommt der Erfolg leichter zu einem. Man muss ihn nicht unbedingt suchen.

Sie sind unter anderem Botschafter der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke. Was hat Ihr soziales Bewusstsein geprägt?

Mein Leben. Ich bin von dieser Gesellschaft auf die Sonnenseite gesetzt worden. Ich finde, ich muss ihr etwas zurückgeben. Und zwar den Menschen, die wirklich Not leiden. Ich möchte nicht am Ende meines Lebens sagen müssen: „Ja, ich habe gelebt und nur Geld verdient“. Das wäre mir zu wenig.

Ist Ihr christlicher Glaube auch ein Grund, sich zu engagieren?

Ich tue das, weil ich ein Mensch bin. Gregor Gysi sagte einmal den klugen Satz: „Ich glaube selbst nicht an Gott, möchte aber in keiner gottlosen Gesellschaft leben.“ Ich bin ein gläubiger Mensch, aber mich treibt vor allem eins an: die Freude am Helfen.

Sie positionieren sich deutlich gegen die Pegida-Bewegung. Gehört das zu Ihrem Auftrag als Sänger?

Als politisch denkender Mensch. Ich habe das gemacht, weil ich der Stadt Dresden extrem viel zu verdanken habe. Ich habe mitbekommen, dass Dresden in ein schiefes Licht geraten ist, weil eine schreiende Minderheit eine leise Mehrheit dominierte. Daraufhin bat mich Martin Dulig, der jetzige Wirtschaftsminister in Sachsen, ob ich bei einer großen Veranstaltung vor der Frauenkirche eine Rede halten könne. Ich habe aber nicht gegen, sondern für etwas gesprochen: für Toleranz, Weltoffenheit, Dialog. Ich habe gesagt, ich bin stolz, in einem Land zu leben, in dem Menschen Asyl bekommen, deren Leib und Leben bedroht sind. Mehr habe ich nicht gemacht. Das würde ich jederzeit wieder tun.

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Sie erhielten daraufhin viele Hassmails. Hatten Sie damit gerechnet?

Ich lese die nicht. Ich lese keine Facebook-Einträge über mich. Ich interessiere mich nicht für Heckenschützen. Das prallt an mir ab. Ich kann meine Entscheidung auch nicht von merkantilen Interessen oder von Heckenschützen abhängig machen. Ich muss mit mir selbst klarkommen. Es wäre mir wurscht gewesen, ob es mir schadet, aber es hat mir auch nicht geschadet.

Haben Sie schon mal daran gedacht, politische Lieder aufzunehmen?

Ich habe eine Vereinbarung mit meinem Publikum: Ich mache Unterhaltungsmusik. Ich glaube nicht, dass man ein konkretes Problem wie die Flüchtlingsfrage in Europa in dreieinhalb Minuten lösen kann. Das Lied „Liebe kann uns retten“, das Ulf Leo Sommer und Peter Plate für mich geschrieben haben, ist ein Denkanstoß. Nicht mehr, nicht weniger.

Braucht man ein starkes Rückgrat, wenn man im Haifischbecken Musikbranche überleben will?

Wieso ist die Musikbranche ein Haifischbecken? Das ist dummes Zeug! Man macht sein Produkt, man versucht, eine Sendung zu kriegen. Und dann tritt man auf oder nicht. Und es funktioniert oder nicht. Ich habe nie verstanden, weshalb Leute das als Haifischbecken bezeichnen. Man sieht die Kollegen immer wieder und begrüßt sich – wie Arbeitskollegen. Eigentlich ist es wie in jedem anderen Job auf der Welt.

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?

Die Gesichter der Menschen beim Konzert. Ein toller Beruf! Wobei ich gern Pilot geworden wäre, aber dafür ist es jetzt zu spät.


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