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Riesenpandas als Staatsaffäre
Panorama 2 Min. 16.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Tierische Freundschaft

Riesenpandas als Staatsaffäre

Auf Tuchfühlung mit dem neuen Bewohner des Pandageheges: Der Berliner Tierpfleger Christian Toll freundet sich mit Mengmeng an.
Tierische Freundschaft

Riesenpandas als Staatsaffäre

Auf Tuchfühlung mit dem neuen Bewohner des Pandageheges: Der Berliner Tierpfleger Christian Toll freundet sich mit Mengmeng an.
Foto: Felix Lee
Panorama 2 Min. 16.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Tierische Freundschaft

Riesenpandas als Staatsaffäre

Der Berliner Tierpfleger Christian Toll ging in der Panda-Stadt Chengdu auf Tuchfühlung mit seinen künftigen Schützlingen. Denn Berlin bereitet sich auf die Ankunft zweier Pandas vor – eine Begegnung.

(FL) - Es ist das erste Mal und damit etwas Besonderes: Der Berliner Tierpfleger Christian Toll wird sich künftig jeden Tag um die Panda-Dame kümmern – es ist sein Beruf, und seine Gedanken dürften sich auch nach Feierabend um ihr Wohl drehen. Doch diese Berührung ist die erste in dieser Beziehung zwischen Mengmeng und dem Menschen, der künftig am meisten Verantwortung für sie tragen wird.

Die beiden haben einen guten Start an diesem Vormittag in der westchinesischen Stadt Chengdu. Mengmeng war ganz zutraulich ans Gitter gekommen. Als Toll ihr die Hand entgegenstreckt, reicht sie ihm ihre Tatze. Neugierig beschnuppert sie ihn. Die Blicke: vertraut, fast liebevoll. Zu Gesicht bekommen hatte der 34-jährige Angestellte des Berliner Zoos die beiden Großpandas zwar vorher schon. Zum ersten Mal konnte er einen seiner beiden künftigen Schützlinge nun auch anfassen.

"Besonderer Moment"

Noch leben Mengmeng (Träumchen) und Jiao Qing (Schätzchen) im Quarantänebereich der Zuchtstation. Doch bereits in der nächsten Woche werden sie in Boxen aus Plexiglas verfrachtet und mit einer Cargo-Maschine nach Berlin geflogen. Am 24. Juni sollen sie schließlich in der deutschen Hauptstadt ankommen. Es wird das erste Mal seit 2012 sein, dass die extrem seltenen Bären wieder in einem deutschen Zoo zu sehen sein werden.

In China wird die Vergabe von Pandas wie eine Staatsaffäre behandelt. Nur an ausgewählte Tiergärten von „befreundeten Staaten“ werden diese vom Aussterben bedrohten Bären verliehen, von denen in freier Wildbahn nur noch rund 2.000 Exemplare existieren. Und auch nur, wenn der Staats- oder Regierungschef persönlich darum bittet.

Die Kunst der "Panda-Diplomatie"

Von „Panda-Diplomatie“ ist daher die Rede. Mao Zedong hatte 1972 die USA zum ersten Mal beglückt, als der damalige Präsident Richard Nixon nach einem Peking-Besuch mit zwei Exemplaren nach Washington zurückkehrte. 1980 erhielt Bundeskanzler Helmut Schmidt zwei Pandas, die er für den Berliner Zoo entgegennahm.

Ob es in Berlin auch so heiß sein wird. Hier kühlt sich der chinesische Panda bei 35 Grad mit einem riesigen Eisblock ab.
Ob es in Berlin auch so heiß sein wird. Hier kühlt sich der chinesische Panda bei 35 Grad mit einem riesigen Eisblock ab.
Foto: AFP

Nach dem Tod Baobaos, dem letzten Tier, bat Kanzlerin Angela Merkel im Herbst 2015 um zwei Exemplare. Bei seinem Deutschlandbesuch am 5. Juli wird Chinas Staatspräsident Xi Jinping nun persönlich mit ihr das Panda-Paar den Berlinern präsentieren. Als „Zeichen der Freundschaft“, wie es offiziell heißt.

Trotzdem lässt sich China die Leihgabe gut bezahlen: Eine Million US-Dollar „Miete“ werden für das Paar pro Jahr fällig. „Diese Summe war nicht verhandelbar“, so Tierpfleger Toll. Das Geld soll in China in den Artenschutz fließen. Der Berlin-Aufenthalt der Bären ist auf 15 Jahre angesetzt.

Strenge Vorgaben

Bei der Haltung macht China strenge Vorgaben. Diese sehen vor, dass in den ersten Monaten chinesische Fachkräfte bei der Eingewöhnung helfen werden. Pfleger Toll muss zudem Protokolle führen und sie der Zuchtstation in Chengdu übermitteln. Selbst über den Stuhlgang will die chinesische Seite informiert werden.

Kostspielig werden dürfte auch die Nahrung. 50 bis 60 Kilogramm frischen Bambus verputzen die Bären am Tag – und nur bestimmte Sorten. Zunächst einmal soll das Futter aus den Niederlanden geliefert werden. In Berlin erwägt der Zoo aber auch die Zucht von eigenem Bambus – eventuell im Tierpark im Ostteil der Stadt.

Damit Mengmeng und Jiao Qing auch nicht auf ihr „Panda-Brot“ verzichten müssen, hat Pfleger Toll gleich am zweiten Tag seines Aufenthalts in Chengdu einen „Back-Kurs“ belegt. Aus verschiedenen Mehlsorten, Haferflocken und Erdnussöl bestehe das Gemisch, berichtet Toll. „Damit sie auch mal was anderes zu essen bekommen als nur Bambus.“

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